Verschwundene Briefe, zu spät zugestellte Sendungen und anhaltender Ärger um die Post sind in Overberge seit Wochen Gesprächsthema. Zusteller Bülent Aydin findet neue Wege zu seinen Kunden.

Bergkamen

, 17.01.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Denn nachdem sein Vorgänger in den Haushalten rund um die Kamer Heide für ziemliche Unruhe gesorgt hat, bekommt Aydin einen Teil der Wut derjenigen ab, die sich immer noch über verschwundene Post beklagen. Und so wählt der Zusteller die Offensive: Dort, wo es sich gerade ergibt, nimmt er sich die Zeit für ein Gespräch mit den Anwohnern, stellt sich vor und versichert, dass ihre Sendungen nun korrekt zugestellt werden. „Ich war es leid, dass ich mir immer und überall anhören musste, was alles schief läuft bei der Post“, sagt Aydin.

Zusteller Bülent Aydin stellt sich wütenden Postkunden vor

Rund 50 Kilo schwer sind die drei Kisten, die der Zusteller auf seinem Fahrrad transportiert. © Stefan Milk


„Ich bin der Neue“

Am 20. Dezember übernahm er den Bezirk rund um die Blumensiedlung. Und musste sich anschließend immer wieder damit auseinandersetzen, was in den Wochen zuvor kritisiert wurde. „Es ist einfach viel falsch gelaufen und nun muss erst wieder ein wenig Ruhe reinkommen“, sagt der 45-Jährige. Deshalb nimmt er sich die Zeit, schellt immer mal wieder kurz an, erzählt den Anwohnern, dass er der neue Zusteller in diesem Bezirk sei und sie sich um ihre Post keine Sorgen mehr machen müssen. Und das Engagement des Zustellers kommt an. Wieder ist die Post Gesprächsstoff in dem Bergkamener Stadtteil - diesmal aber durchweg positiv.

Zusteller Bülent Aydin stellt sich wütenden Postkunden vor

Die Standard-Briefe sind vorsortiert, größere Sendungen muss der Zusteller vor Beginn seiner Tour selbst sortieren. © Stefan Milk

50 Kilo Briefe

Seit 1994 arbeitet Bülent Aydin als Zusteller für die Post. Briefe hat er mittlerweile im gesamten Stadtgebiet verteilt, ab und an war er in den mehr als 20 Jahren auch in Overberge unterwegs. Das letzte Mal als Springer vor etwa acht Monaten. Mit dem Fahrrad. Ein E-Bike kommt für ihn nicht in Frage. Trotz der rund 50 Kilo Post, die er, verteilt in drei Kisten, auf seinen Touren mit dem Fahrrad täglich mit sich führt. „Ich brauche das nicht“, sagt er. Stattdessen tritt er selbst kräftig in die Pedale. Er mag die körperliche Herausforderung, sagt er. Rund 1120 Haushalte gehören zu seinem Bezirk. Die muss er nicht alle täglich anfahren. Nur am Samstag. Dann ist die Postwurfsendung „Einkauf aktuell“ für jeden Briefkasten zwingend - es sei denn, Werbung ist unerwünscht. „Das sind dann schon besonders anstrengende Tage“, sagt Aydin. Trotzdem schafft er es in der Regel, auch an Tagen wie diesen pünktlich seinen Dienst zu beenden.

Ein bisschen Ruhe

Wenn Aydin auf sein Fahrrad steigt, hat er den überwiegenden Teil der Post schon einmal in seinen Händen gehalten: Die Standard-Briefe sind, wenn er seinen Dienst um acht Uhr beginnt, bereits vorsortiert, größere Briefe oder Sendungen ordnet Aydin selbst. Da er nicht alles, was in seinem Zustellungsbereich an Post anfällt, mit dem Fahrrad transportieren kann, fährt er täglich vier bis fünf Ablagestellen an und füllt seine Kisten wieder auf. Die gute Laune scheint er bei allem nicht zu verlieren: Bülent Aydin lacht viel. Und er möchte, dass in diesem Overberger Bezirk wieder Ruhe einkehrt. „Wer sich über die Zustellung beschweren möchte, kann dies gerne auch erst einmal direkt bei mir tun“, sagt er. Bislang sieht es nicht so aus. Im Gegenteil, mehr als einmal hat er gehört, dass sich die Overberger freuen „endlich mal wieder einen Postboten zu Gesicht zu bekommen“.

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