Zustände wie im Wilden Westen: Jugendlicher trägt geladene Schreckschusswaffe bei sich

dzAmtsgericht Kamen

Die Polizei tue nichts und brauche immer viel zu lange, wenn etwas passiere: So begründete ein junger Bergkamener das Tragen einer Schreckschusspistole. Einen Waffenschein besitzt er nicht.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 05.12.2019, 12:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Es kann nicht angehen, dass sich jeder bewaffnet. Dann haben wir ja bald Zustände wie im Wilden Westen“, machte der Vertreter der Staatsanwaltschaft im Amtsgericht Kamen seinem Unmut über das Verhalten eines 19-Jährigen Luft. Der Bergkamener sah sich mit dem Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz konfrontiert.

Die Sommernacht des 26. August verbrachte der Angeklagte im Wasserpark in Bergkamen. Dort geriet er in eine Polizeikontrolle. Die Beamten stellten bei dem damals 18-Jährigen eine geladene Schreckschusspistole sicher. Das Abfeuern der Waffe in unmittelbarer Nähe eines Menschen kann erhebliche Verletzungen hervorrufen. Und so ist für das Benutzen, aber ebenso für das bloße Bei-sich-Tragen ein kleiner Waffenschein nötig.

Angeklagter wollte sich im Notfall verteidigen können

Den konnte der Bergkamener allerdings nicht vorweisen. Der Verkäufer habe ihn nicht darauf hingewiesen, dass er einen Schein bräuchte, erklärte der 19-Jährige. Warum er denn überhaupt eine Waffe bei sich hatte, wollte der Richter wissen. Um sich im Notfall verteidigen zu können, gab der Angeklagte an. Die deutsche Polizei tue ja nichts.

„Was soll man machen? Besser, als abgestochen zu werden.“ Angeklagter

Vor einiger Zeit seien er und seine Freundin von deren Ex im Wald mit einem Samuraischwert bedroht worden. Für eine mögliche erneute Begegnung dieser Art, wolle er gerüstet sein. Die Polizei bräuchte immer viel zu lange, wenn etwas passiere. Dann schon lieber selbst bewaffnet sein: „Was soll man machen? Besser, als abgestochen zu werden.“

Die Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe beschrieb das häusliche Umfeld und den schulischen Werdegang des Angeklagten als sehr schwierig. Bei dem 19-Jährigen seien Borderline und Depressionen attestiert worden. Nach seinem Sonderschulabschluss suche er nun eine Ausbildung, halte sich mit diversen Minijobs über Wasser.

Der Richter befand den Bergkamener schließlich des Verstoßes gegen das Waffengesetz für schuldig und erlegte ihm nach dem Jugendstrafrecht 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf. Absolviere er diese nicht, drohe Gehorsamsarrest, so der Vorsitzende.

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