Zur Ost-West-Kunst erklingt die Stimme von Walter Ulbricht

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Künstler aus Bergkamen und Hettstedt stellen gemeinsam zum 30. Jahrestag des Mauerfalls aus. Den Blick auf die Mauer gibt es in der Ausstellung allerdings nur aus einer Perspektive.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 04.11.2019, 11:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war fast schon wie eine kleine Einheitsfeier, als in der „Galerie sohle1“ anlässlich des Mauerfalls von vor 30 Jahren die Ausstellung „Individualität und Vielfalt“ eröffnet wurde. Gestaltet wurde diese von den Künstlern Ingrid Weiland, Inge Strauß und Horst Ingolf Zeise aus der Hettstedter „Künstlergruppe I.Punkt“ zusammen mit Künstlern aus der Bergkamener „Kunstwerkstatt sohle1“.

Hettstedts Bürgermeiser Dirk Fuhler lobte die freundschaftlichen und vielfältigen Beziehungen zwischen Bergkamen und Hettstedt.

Von der Betriebsleiterin zur Kunstherapeutin

„Individualität und Vielfalt waren für uns Begriffe, die niemals in Erfüllung gehen würden“, blickte Ingrid Weiland in die Zeit vor der Wende zurück. Sie war damals Betriebsleiterin in einem Grauguss-Kombinat. Nach dem Mauerfall gelang es ihr, in einer ganz neuen Welt schnell wieder Fuß zu fassen. Sie arbeitet heute als freiberufliche Kunsttherapeutin mit Krebspatienten. „Meine Vision ist es, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.“ Auf ihren farbenfrohen und harmonischen Bildern ist daher immer auch eine Lilie zu finden, die Bedeutungen wie Liebe, Weiblichkeit, Einheit, Vergänglichkeit aber auch Veränderung vereint.

Galerie „sohle 1“


Ausstellung bis zum 8. Dezember

  • Die Ausstellung „Individualität und Vielfalt“ ist bis Sonntag, 8. Dezember, in der städtischen Galerie „sohle 1“ im Stadtmuseum an der Jahnstraße 31 in Bergkamen zu sehen.
  • Die Galerie ist geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr.
  • Der Eintritt kostet 3 Euro für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei.

Ein Bild mit „Harmonie und Chaos“

Horst Ingolf Zeise ist hingegen eher das Enfant Terrible der drei Hettstedter. Seine thematische und stilistische Bandbreite ist riesig und reicht von einem Triptychon, über präzise Einzelportraits und Gegenständliches bis hin zu interessant gemalten Collagen. Sein Markenzeichen: irgendwo taucht auch immer der gemalte Horst Ingolf Zeise auf. Inge Strauß, die schon mehrfach in der Galerie zu Gast war, hat dagegen ein Faible für Dreh- und Wendebilder, die sich von jeglicher statischen Fixierung loslösen. Besonders beeindruckend das Bild „Harmonie und Chaos“, bei dem die Perspektive trotzdem immer erhalten bleibt.

Ulbrichts Stimme in Dauerschleife

Interessanterweise wird auf den Bildern der Hettstedter Künstler die Mauer nie thematisiert. Das haben die Bergkamener Künstler Wolfgang Kerak, Gitta Nothnagel, Klaus Scholz, Jutta Schürmann, Klaus Wleklik und Dietrich Worbs übernommen. Beispielsweise mit einem Mauerkomplex aus Sudoku-Steinen, einem hoffnungslosen Blick über eine Steinmauer hinweg oder einem Stück aus der stromgeladenen Befestigung der DDR-Staatsgrenze, wo in einer Endlosschleife die Stimme Ulbrichts zu hören ist: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“

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