„Vergammelt, dreckig, grausam“: Parkfriedhof in Bergkamen zieht harte Kritik auf sich

dzUngepflegter Friedhof

Der Parkfriedhof in Bergkamen-Weddinghofen ist eigentlich ein tolles, weitläufiges Areal. Doch der Pflegezustand ist an manchen Stellen katastrophal. Die Stadt räumt das ein – und nennt mehrere Gründe.

Bergkamen

, 18.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Annette Griesdorn neulich das Grab ihrer Eltern auf dem Parkfriedhof in Weddinghofen besuchte, traute sie ihren Augen kaum. Der Zustand der Grabstätten und Wege um das elterliche Grab herum trieb ihr die Zornesröte ins Gesicht. „Vergammelt, dreckig, grausam“, waren die Worte, die sie beim Anruf in unserer Redaktion zur Beschreibung nutzte. Das Unkraut auf den alten Grabstätten, die nicht mehr belegt sind, stehe zum Teil kniehoch.

Und auch auf den Wegen wuchere das Unkraut aus den Fugen zwischen den Platten heraus, dass es eine Schande sei. „Da muss man sich ja schämen, wenn man dort eine Grabstätte hat, das ist nicht zu akzeptieren“, so Griesdorn weiter. Und: Mit dem Coronavirus brauche ihr zur Begründung niemand zu kommen. „Das Unkraut zu beseitigen kann einer alleine machen.“

Gepflegte Gräber neben ungenutzten, von Unkraut überwucherten Grabstätten prägen das Bild an manchen Stellen des Parkfriedhofs.

Gepflegte Gräber neben ungenutzten, von Unkraut überwucherten Grabstätten prägen das Bild an manchen Stellen des Parkfriedhofs. © Stefan Milk

Die Corona-Pandemie ist freilich einer von mehreren Gründen, die Stephan Polplatz bemüht, um den Zustand zu erklären. „Wir sind selber nicht zufrieden mit dem Zustand“, räumt der Leiter des Baubetriebshofes in Bergkamen sofort ein. Um dann zu erläutern, dass ihm grundsätzlich 2,7 Mitarbeiter zur Friedhofspflege zur Verfügung stünden.

Neben dem Parkfriedhof kümmert sich die Stadt um den Stadtteilfriedhof Bergkamen-Mitte an der Landwehrstraße, den alten Friedhof Weddinghofen am Südhang, den alten Friedhof in Heil am Westenhellweg und den russischen Ehrenfriedhof am Pantenweg.

Für diejenigen Menschen, deren Angehörige hier begraben liegen, ist der Zustand der Wege und ungenutzten Grabstätten ein Ärgernis.

Für diejenigen Menschen, deren Angehörige hier begraben liegen, ist der Zustand der Wege und ungenutzten Grabstätten ein Ärgernis. © Stefan Milk

Befall durch Eichenprozessionsspinner schlimmer als vor einem Jahr

Die Mitarbeiter seien neben der Unkrautbeseitigung auch für den Rasenschnitt und die Verkehrssicherheit zuständig, wobei in den vergangenen Wochen vor allem der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner viel Arbeit mache. Gerade auf dem Parkfriedhof stehen sehr viele Bäume, 73 Prozent seien Eichen – alle befallen von den giftigen Raupen. Es sei schlimmer als im vergangenen Jahr.

Pflegekolonne von den Hellweg-Werkstätten packt ab August mit an

Und Corona habe die Friedhofspflege insofern berührt, als etwa die Helfer von den Hellweg-Werkstätten und von der Werkstatt im Kreis Unna weggebrochen seien. Letztlich sei der Zustand der Friedhöfe eine Frage der Kapazitäten und der Kosten, so Polplatz weiter: „Ein besseres Bild würde auch höhere Friedhofsgebühren bedeuten.“

Die Pflegekolonne von den Hellweg-Werkstätten soll ab August wieder mithelfen, den Pflegezustand auf dem Parkfriedhof zu verbessern.

Die Pflegekolonne von den Hellweg-Werkstätten soll ab August wieder mithelfen, den Pflegezustand auf dem Parkfriedhof zu verbessern. © Stefan Milk

Der Baubetriebshof sei aber bemüht, die Zustände Zug um Zug zu verbessern. „Wir versuchen das abzuarbeiten“, verspricht Polplatz. Und im August stehe dafür auch die Pflegekolonne von den Hellweg-Werkstätten wieder zur Verfügung.

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