Für den Bau von dringend benötigten Kindergärten in Bergkamen gibt es ein Hindernis: Der vom Land vorgesehene Satz für die Mietpauschale reicht kaum aus, um den Bau neuer Kindertagesstätten zu finanzieren.

Bergkamen

, 24.07.2018, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Rainer Goepfert, der Geschäftsführer der Awo im Kreis Unna nach dem Bau der schon länger geplanten neuen Kindertagesstätte auf dem Gelände des Hermann-Görlitz-Seniorenzentrums gefragt wird, mag er sich nicht so genau festlegen – weder auf den Baubeginn noch auf die Fertigstellung. „Es sind noch nicht alle Finanzierungsfragen geklärt“, sagt Goepfert. Der Awo macht vor allem die Mietpauschale zu schaffen, die das Land den Kindergartenträgern zahlt.

Ungleiche Behandlung


Sie beträgt in kreisangehörigen Städten mit unter 50.000 Einwohnern etwa 8,60 Euro pro Monat und Quadratmeter. In Dortmund und Hamm, die beide kreisfrei sind und über 100.000 Einwohner haben, zahlt das Land etwa 10,60 Euro. „Die Baukosten unterscheiden sich aber zwischen Dortmund, Hamm und Bergkamen nicht“, kritisiert Goepfert. Deshalb muss die Awo erste einmal einen Investor finden, der die Kita für die Kosten baut, die von der Awo finanziert werden können.

Für die Stadt Bergkamen ist das keine gute Nachricht, denn der neue Kindergarten in Bergkamen-Mitte wird dringend gebraucht. Die Stadt kann insgesamt nicht ausreichend Kindergartenplätze anbieten. Ein Mangel an Kindergartenplätzen herrscht auch in den Stadtteilen Weddinghofen und Oberaden. Dort ist die Hoffnung, dass schnell neue Kindergärten gebaut werden können, allerdings deutlich größer.

In Weddinghofen plant die Awo ebenfalls einen neuen Kindergarten, der im Baugebiet Berliner Straße entstehen soll. Dort ist die Situation jedoch anders, denn die Awo hat bereits einen Investor gefunden, der den Kindergarten bauen will. Die Kreis-Baugesellschaft UKBS will den Kindergarten planen und bauen, der mittelfristig den Kindergarten „Vorstadtstrolche“ an der Schulstraße ersetzen soll. Die UKBS hat ein Modell entwickelt, wie sie die Bau- und Planungskosten reduzieren kann. Sie hat einen Modellkindergarten entwickelt, den sie in mehreren Kommunen im Kreis baut – für die Awo außer in Bergkamen auch in Unna und Holzwickede. Der Kindergarten sei auf das Konzept der Awo abgestimmt, sagte UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer. Die Kreis-Baugesellschaft spart durch ihr Modell, das für die Awo ein zweigeschossiges Gebäude vorsieht, nicht nur an den Architekten- sondern auch an den Baukosten. Auch mit den ausführenden Unternehmen ließen sich günstigere Verträge aushandeln, weil sie den Kindergarten mehrfach bauen.

Reaktion auf Baukosten


Fischer bestätigte, dass das Kindergartenmodell der UKBS eine Reaktion auf die steigenden Baukosten ist. Auch er beklagte, dass Städte wie Dortmund und Hamm bessere Finanzierungsmöglichkeiten haben – bei gleichen Baukosten und ähnlichen Grundstückspreisen.

Die für die Kindergärten zuständige Sozialdezernentin Christine Busch geht ebenfalls davon aus, dass der Kindergarten an der Berliner Straße planmäßig gebaut werden kann. Der städtebauliche Vertrag, der für den Bau der Kindertagesstätte erforderlich ist, sei auch schon unter Dach und Fach.

Es gibt in Bergkamen auch Kindergartenprojekte, die deutlich schneller vorankommen. Die Johanniter, die im Frühjahr den Zuschlag als Träger für einen neuen Kindergarten in Oberaden bekommen haben, gegen davon aus, dass sie ihre Pläne zügig umsetzen können.

Nach Angaben von Wolfgang Baumbach haben die Johanniter ihre Pläne bereits weitgehend mit dem Landschaftsverband abgestimmt. „Wir müssen nur noch zwei, drei Kleinigkeiten ändern, aber das geht schnell“, sagte er. Baumbach geht aus, dass der Verband bereits Anfang August einen Bauantrag bei der Stadt einreichen kann. Das Bauordnungsamt haben auch schon zugesichert, den Antrag schnell zu bearbeiten, sodass möglicherweise schon Mitte September die Baugenehmigung vorliegt. Danach soll der Bau des Kindergartens so schnell wie möglich beginnen. „Unser Ziel ist es, dass der Baukörper bereits geschlossen ist, wenn der Winter kommt“, sagte der Regionalleiter. Der Vorteil: Dann könnten die Installationsarbeiten im Gebäude unabhängig von der Witterung weitergehen.

Baumbach hat in Bezug auf die Inbetriebnahme der Kindertagesstätte ehrgeizige Pläne. Sie soll nicht erst zum Beginn des Kindergartenjahrs 2019/2020 am 1. August 2019 bezugsfertig sein, sondern deutlich früher. Die Johanniter gehen davon aus, dass sie den Kindergarten möglicherweise schon zum 1. Mai eröffnen.

Der Kindergarten soll wie das erste Projekt der Johanniter an der Eichendorffstraße in Bergkamen-Mitte wieder in Holzständer-Bauweise errichtet werden.

Auch bei einem weiteren Kindergartenprojekt – der Kindertagsstätte im geplanten Gesundheitszentrum „PueD“ auf der ehemaligen Zeche Grimberg 3/4 in Weddinghofen könnte es nach Angaben von Sozialdezernentin Christine Busch zügig vorangehen – nachdem es schon über Jahre immer wieder zu Verzögerungen gekommen ist. Das Architekturbüro, das für die Planung des Gesundheitszentrums zuständig ist, sei dabei die noch fehlenden Unterlagen für den Bauantrag zusammenzustellen, sagte sie. Der Antrag selbst war schon vor einiger Zeit bei der Stadt eingegangen. Träger der Kindertagesstätte soll das Lebenszentrum Königsborn werden.

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