Zu Fuß durch Bergkamen: Diese zwei Straßen werden genau unter die Lupe genommen

dzFußverkehrs-Check

Wie fußgängerfreundlich ist Bergkamen eigentlich? Das will die Stadt jetzt herausfinden. Zwei Routen werden im Rahmen eines Fußverkehr-Checks genau unter die Lupe genommen.

20.09.2019, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fehlende Beleuchtung, zu wenige Sitzmöglichkeiten und Spielplätze oder gar Wege, auf denen Fußgänger durch falsch parkende Autos nicht gesehen werden und sich so in Gefahr begeben: Es gibt viele Faktoren, die dazu führen, dass eine Stadt oder ein Ortsteil nicht gerade fußgängerfreundlich ist. Wie Bergkamen abschneidet und wo nachgebessert werden muss, will die Stadt jetzt herausfinden.

Dank eines vom Land geförderten Projektes – dem Fußverkehrs-Check – bekommt Bergkamen wie berichtet Unterstützung von dem Dortmunder Stadtplanbüro Planersocietät und dem Zukunftsnetzwerk Mobilität NRW. Nach einem ersten Auftaktworkshop folgen im nächsten Schritt zwei Begehungen durch Rünthe und Oberaden.

Teilnehmer der Begehung sollen die Wege aus anderen Augen sehen

Die Begehungen sollen dabei keine entspannten Spaziergänge sein, bei denen jeder für sich entscheidet, ob er sich auf der Strecke wohlfühlt. Es geht vielmehr auch darum, den Blickwinkel anderer Personen einzunehmen. Mal wie ein Kind von unten auf den Verkehr blicken oder eine Altersbrille aufsetzen und verstehen, dass Senioren mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben.

Es sei wichtig, sich in andere hineinzuversetzen, sagte Inga Wolf von der Planersocietät bei der Auftaktveranstaltung. Auch wenn Mütter mit Kindern mit dem Auto zu den Lebensmittelgeschäften im Norden Oberadens fahren könnten, sei es für sie angenehmer, einfach mit dem Kinderwagen loszugehen als den Wagen erst im Auto verstauen zu müssen.

Und es gebe auch Menschen, die gar keinen Führerschein haben, sagt Wolf mit Blick auf den Oberadener Norden, den die Teilnehmer des Workshops als „autoorientierten Bereich“ einstuften. Dass dort keine Fußgänger gesichtet werden, sei ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich dort etwas ändern sollte. „Wir müssen die Fußgänger dahin bringen.“

Jeder darf an den Begehungen teilnehmen – auch aus anderen Stadtteilen

Der Fußverkehrs-Check soll also dazu führen, dass jede Personengruppe in Bergkamen angstfrei, sicher und ohne Hürden zu Fuß von A nach B laufen kann. Besondere Problemkinder sind in Rünthe und Oberaden die beiden ortsdurchschneidenden Straßen mit denen die Stadtteile „gesegnet“ sind. Auf der Rünther Straße stören falsch parkende Autos, auf der Jahnstraße sind es viele, schnelle Fahrzeuge. Doch das ist längst nicht alles, wie sich im ersten Workshop herauskristallisierte.

Die Stadt ist bei der Eruierung der Problemstellen auf die Bürger angewiesen, denn sie kennen ihre Stadtteile am besten. Wer Wünsche oder Beschwerden hat, der kann sie bei den Begehungen loswerden. Zu denen dürfen übrigens nicht nur die Bewohner der beiden ausgewählten Stadtteile kommen. Denn was sich dort ändert, könnte sich auch in anderen Stadtteilen verändern.

Die Stadt möchte den Fußverkehrs-Check nutzen, um an den Beispielen Rünthe und Oberaden zu lernen. Die Verbesserungen könnten auf die anderen Stadtteile übertragen werden, sagte Thomas Reichling, Leiter des Amtes für Planung, Tiefbau und Umwelt beim Workshop. „Fußgänger sollen weiter in den Fokus geraten und nicht am Rand der Straßen bleiben“, so Reichling. Das unterstreicht auch die Planersocietät. Oft würden beim Bau einer Straße vor allem Autos und Radfahrer berücksichtigt. Die Stadtplaner schlagen vor, es andersherum anzugehen und Zufußgehen „en vogue“ zu machen. Und je attraktiver Zufußgehen in Bergkamen wird, desto mehr Menschen lassen das Auto stehen – so ist zumindest der Plan.

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