Wiedergewählter Vorsitzender Rocholl hinterfragt Strukturen und Arbeitsteilung der SPD

dzSPD-Stadtverband

Der SPD-Stadtverband wählt seinen Vorsitzenden André Rocholl wieder und hadert ansonsten mit dem Europawahlergebnis. Nur ein wichtiger Sozialdemokrat verbreitet Optimismus.

Bergkamen

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Als SPD-Führungsperson hat man es im Moment wirklich nicht einfach - auch nicht in Bergkamen. „Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätten wir uns nicht aussuchen können“, sagt André Rocholl am Donnerstagabend kurz vor Beginn der SPD-Stadtverbandskonferenz im Treffpunkt. Immerhin, um seine Wiederwahl muss Rocholl nicht fürchten. 56 der Ortsvereins-Delegierten stimmen für ihn; sieben gegen ihn. Macht 89 Prozent.

Gute Ergebnisse auch für die Stellvertreter

Dieter Mittmann aus Oberaden und Linda Römke-Krumme aus Overberge erhalten als stellvertretende Vorsitzende ähnlich gute Ergebnisse. Aber das tröstet die Sozialdemokraten auch nicht über die jüngsten Wahlschlappen hinweg. Die Europawahl im Mai sei der dritten Urnengang in Folge, bei der die SPD in Bergkamen Stimmen verloren hat, sagt Rocholl in seinem bemerkenswert kurzen Bericht, in dem so gut wie keine kommunalpolitischen Themen vorkommen. Die SPD blieb in Bergkamen unter 30 Prozent, verglichen zum Erststimmen-Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017 bedeutet das ein Minus von 15 Prozent.

Wiedergewählter Vorsitzender Rocholl hinterfragt Strukturen und Arbeitsteilung der SPD

Auch in für die SPD schwierigen Zeiten ist André Rocholl und dem Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek das Lachen nicht ganz vergangen. © Stefan Milk


Klausurtagung zur Wahlanalyse

Da können die Bergkamener Genossen nicht einfach zu Tagesordnung übergehen: „Wir müssen uns als Partei hinterfragen und unsere Strukturen und Arbeitsteilung infrage stellen“, sagt Rocholl. Er kündigt eine gründliche Wahlanalyse an. Dafür wollen Stadtverband und Ratsfraktion am 28. Juni eine Klausurtagung abhalten. Und da sollen vor allem die Mandatsträger aus den Wahlkreisen zu Wort kommen, sagt Rocholl: „Die kennen sich in ihren Bezirken wirklich aus.“ Bisher sei es immer die Stärke der Bergkamener SPD gewesen, dass sie schon im Vorfeld wusste, was die Leute wollten.

Der Bürgermeister verbreitet Optimismus

Das bestätigt der Bundestagsabgeordnete und Unterbezirksvorsitzende Oliver Kaczmarek. Doch er warnt auch davor, dass sich inzwischen Strukturen gebildet hätten, zu denen die SPD keinen Zugang mehr habe. Kaczmarek spricht sich zudem für eine Mitgliederbefragung aus, um einen neuen Bundesvorsitzenden zu küren. Dass im Treffpunkt nicht ausschließlich sozialdemokratische Trübsal herrscht, liegt vor allem an einem betont optimistischen Bürgermeister Roland Schäfer: In den meisten Kommunen in Deutschland wären die Sozialdemokraten über ein Europawahl-Ergebnis wie in Bergkamen in Freudentaumel ausgebrochen, meint er. Und eine Europawahl sei auch nicht mit einer Kommunalwahl zu vergleichen. „Eine Europawahl hat kein Gesicht“, sagt Schäfer, der sich noch nicht festgelegt hat, ob er nächstes Jahr wieder als Bürgermeisterkandidat antritt: „Mir ist vor 2020 nicht bange.“

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