Wie sich zwei Museen die wertvollen mittelalterlichen Funde aus Bergkamen teilen wollen

dzArchäologie

Im Magazin der LWL-Archäologen lagern wertvolle Funde aus Bergkamen. Auf Dauer sollen sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und nach Möglichkeit im Bergkamener Museum.

Bergkamen

, 24.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der „Herr von Bergkamen“ befindet sich derzeit in fachkundigen Händen, ist aber für die Öffentlichkeit unzulänglich. Die frühmittelalterlichen Funde aus dem Logistikpark A2 lagern im Magazin der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. Die LWL-Fachleute hatten die wertvollen Grabfunde im Sommer 2011 auf der Baustelle für das heutige Gewerbegebiet zwischen der Lünener Straße und der Autobahn ausgegraben, was einer wissenschaftlichen Sensation gleichkam.

Kulturdezernent verhandelt mit dem LWL

Die will der LWL auch interessierten Laien nicht vorenthalten. Im vergangenen Jahr waren die restaurierten Funde bei einer Ausstellung in Berlin zu sehen. Auf Dauer sollen sie auch in einem Museum präsentiert werden. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie zumindest zeitweise im Stadtmuseum in Oberaden besichtigt werden können. Schon seit geraumer Zeit laufen Gespräche zwischen dem LWL und der Stadt Bergkamen über die Präsentation der Funde. Sowohl Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich als auch Museumsleiter Mark Schrader sind optimistisch, dass die Verhandlungen in eine Vereinbarung münden, von der beide Seiten etwas haben.

Wie sich zwei Museen die wertvollen mittelalterlichen Funde aus Bergkamen teilen wollen

Wenn der Umbau des Museums abgeschlossen ist, sollen dort geeignete Ausstellungsbedingungen für den „Herrn von Bergkamen“ herrschen. © Stefan Milk


Verbesserte Ausstellungsbedingungen

Schrader will den Umbau des Stadtmuseums nutzen, um die richtigen Ausstellungsbedingungen für die empfindlichen Funde herzustellen. Unter Zeitdruck steht er dabei nicht. Mitte nächsten Jahres muss er das Haus ohnehin für einen längeren Zeitraum schließen. Zur Wiedereröffnung hofft er, den „Herrn von Bergkamen“ in der neu gestalteten Dauerausstellung zu präsentieren. Die LWL-Archäologen wollen ihn zwar auch in ihrem Museum in Herne zeigen. Doch das muss nicht unbedingt mit den Bergkamener Plänen kollidieren. Wie Schrader berichtet, muss auch das Herner Museum in absehbarer Zeit wegen anstehender Sanierungsarbeiten schließen. Wenn der Zeitplan für den Museumsumbau in Bergkamen aufgeht, könnten die Fundstücke zunächst in Oberaden ausgestellt werden und dann nach Herne wechseln, wenn die LWL-Einrichtung wieder öffnet.

Archäologische Funde

„Der Herr von Bergkamen“

Die Archäologen des LWL stießen im Sommer 2011 auf der Baustelle für den Logistikpark A2 auf die Gräber eines Kriegers, einer Frau und eines Kindes, die aus dem siebten Jahrhundert stammen. Insbesondere im Grab des Mannes fanden sich wertvolle Beigaben, zum Beispiel drei Kampfschilde und mehrere Waffen. Die Forscher vermuten deshalb, dass der Bestattete eine hohe soziale Stellung hatte und Kontakte weit über Westfalen hinaus pflegte. Wegen des Fundortes nennen sie ihn deshalb „Herr von Bergkamen“

Wechselspiel zwischen zwei Museen

Falls es tatsächlich zu diesem Wechselspiel zwischen zwei Museen kommt, muss Schrader allerdings nicht befürchten, dass zwischenzeitlich eine Lücke in seiner Ausstellung klafft. Der Plan, über den Stadt und LWL verhandeln, sieht vor, originalgetreue Kopien der Grabfunde zu erstellen. „Das ist allerdings mit einem großen Aufwand verbunden“, meint Kulturdezernent Ulrich, der auch Stadtkämmerer ist. Die Kosten könnte sich die Stadt Bergkamen wohl nicht leisten. Aber auch hier setzt Ulrich auf eine Einigung mit dem LWL. Dessen Archäologen wollen die Originale auch deshalb nicht vollständig aus der Hand gegeben, um die Möglichkeit zu haben, sie als Leihgabe für Sonderausstellungen in anderen Museen zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug hätten sie dann die Möglichkeit, sich selbst attraktive Exponate auszuleihen.

Schrader hofft auf Leihgaben

Davon könnte auch Schrader profitieren. Auch er bekäme auf diese Weise Zugriff auf interessante Leihgaben für Sonderausstellungen. Da die LWL-Fachleute die Um- und Ausbaupläne für das Bergkamener Museum bereits positiv bewertet haben, rechnet Schrader mit Unterstützung von dieser Seite. Auch Kulturdezernent Ulrich ist der Überzeugung, dass die Bergkamener und der LWL sich auf ein gemeinsames Ziel verständigen können: „Am Ende geht es vor allem darum, die wichtigen Funde der Öffentlichkeit zu präsentieren.“

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