Eigentlich ist der Datteln-Hamm-Kanal eine Bundeswasserstraße, die dem Schiffsverkehr dient. Doch in seiner 105-jährigen Geschichte haben die Menschen sich auch immer am Wasser vergnügt.

Bergkamen

, 25.08.2019, 14:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christiane Pense weiß, wie man sich an einem heißen Sommerwochenende abkühlt. Gerade ist sie am Nordufer des Datteln-Hamm-Kanals aus dem Wasser gestiegen. Den kurzen Weg von Werne hat sie zu Fuß zurückgelegt. Sie ist gerne hier am Wasser und hat sich heute mit Harald Vehring getroffen. Der hat es ebenfalls nicht weit, wohnt in Rünthe und ist zum Kanal geradelt. Was ein Bad im Kanalwasser betrifft, schaut er noch etwas skeptisch. Christiane Panse hingegen wirkt außerordentlich erfrischt.

Wie sich die Menschen im Sommer am und im Kanal vergnügen

Kay Krause aus Ibbenbüren und Julien Neumann aus Selm baden mit ihren Kindern im Kanal. © Johannes Brüne


Das Bad im Kanal hat Tradition

Mit dem Sprung ins Wasser folgt sie gewissermaßen einer Tradition. Denn der Dattel-Hamm-Kanal diente den Anliegern von Anfang als eine Art öffentliches Schwimmbad. Und das blickt inzwischen auf eine 105-jährige Geschichte zurück. In Betrieb genommen wurde der Kanal kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Juli 1914. Die Bauarbeiten hatten bereits 1909 begonnen. Die Planer dachten wohl nicht in erster Linie an Badende. Aber auch wer heute an heißen Sommertagen auf den Wegen auf beiden Seiten des Kanals entlang radelt, sieht etliche Menschen, die sich im Wasser erfrischen. Manche springen sogar ganz spontan hinein.

Wie sich die Menschen im Sommer am und im Kanal vergnügen

Der Kanal ist nach wie vor in erster Linie eine Wasserstraße, auf der Schiffe Güter transportieren. © Marcel Drawe


Erinnerungen an die Kindheit am Kanal

Kay Krause aus Ibbenbüren und Julien Neumann aus Selm zum Beispiel. Sie sind zu einem Verwandtenbesuch in Bergkamen und haben einen Stopp in Rünthe eingelegt - nun planschen sie mit ihren Kindern im Kanalwasser. Bei Krause werden dabei Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Ibbenbüren liegt am Dortmund-Ems und am Mittelland-Kanal. „Als Kind war ich immer mit meinem Opa am Kanal“, sagt Krause.

Wie sich die Menschen im Sommer am und im Kanal vergnügen

Patrick aus Rünthe mit seinem Labrador Keks, der gerade ein Bad im Kanal hinter sich hat. © Johannes Brüne


Auch Hunde baden im Kanal

Auch „Keks“ gehört zu den Kanalbadern. Der Labrador springt gerne mal ins Wasser, wenn er mit seinem Herrchen Patrick aus Rünthe am Ufer spazieren geht. „Selbst im Herbst ist es ihm nicht zu kalt“, sagt Patrick. Im Winter hält er seinen Vierbeiner aber doch lieber zurück. Dabei ist der Datteln-Hamm-Kanal ursprünglich nicht als Ort der Freizeit und des Vergnügens gebaut worden, sondern für den Schiffsverkehr. Auch heute noch firmiert er ganz offiziell als Bundeswasserstraße, auf der Schiffe Kohle und andere Güter transportieren. Radler und Spaziergänger können die großen Kähne, die langsam ihrer Wege fahren, beobachten, was den romantischen Eindruck eines Kanalausflugs noch verstärkt.

Wie sich die Menschen im Sommer am und im Kanal vergnügen

Die "Quo Vadis" von Schiffseigner Martin Glingener hat am Kanalufer festgemacht © Johannes Brüne


Ausflugsschiff gab es schon in den 1920ern

In der Geschichte der Wasserstraße spielte die Schifffahrt aber auch schon früh eine andere Rolle: Bereits zwischen 1920 und 1940 verkehrten die beiden Ausflugsboote „Christine“ und „Geschwisterliebe“ auf dem Kanal. Diese Tradition setzt heutzutage unter anderem Martin Glingener aus dem Sauerland fort. Sein Boot, die „Quo Vadis“, liegt in der Marina in Rünthe. Von der schwärmt Glingener in den höchsten Tönen. Und er liebt die Wochenendausfahrten auf dem Kanal. „Gerade, weil man hier nicht so schnell fahren kann“, sagt er. Auch diesmal lässt er es gemächlich angehen. Er hat die Quo Vadis am Nordufer des Kanals festgemacht, auf Kilometer 26,2, der zwischen der Evenkampbrücke und der Autobahnbrücke der A1 liegt. „Hier störe ich niemand und habe selbst meine Ruhe“, sagt er.

Wie sich die Menschen im Sommer am und im Kanal vergnügen

Eckhard Richter aus Rünthe angelt am Kanal. © Johannes Brüne


Raubfisch-Angler sind nachtaktiv

Ganz in der Nähe ist auch das Revier von Eckhard Richter - allerdings auf der Südseite des Kanals. Richter kommt hier meist zu später Stunde hin. Denn der Angler geht auf Raubfische: „Die sind abends und nachts aktiv“, sagt er. Oft sitzt er bis Mitternacht oder noch länger am Ufer. Die Ausrüstung transportiert er im Anhänger seines Fahrrades Das ist einer der Gründe, warum er sich den Platz zwischen den beiden Brücken ausgesucht hat: „Hier kommt keiner mit dem Auto hin.“

Wie sich die Menschen im Sommer am und im Kanal vergnügen

Sigrun und Dieter Scheuschner aus Herringen machen eine Radtour am Kanal © Johannes Brüne


Auch Fahrradfahrer lieben den Kanal

Die PKW-freie Zone am Kanalufer wissen auch Sigrun und Dieter Scheuschner aus Hamm-Herringen zu schätzen. Die beiden sind oft mit den Fahrrädern am Kanalufer unterwegs. „Da fahren wir schon mal bis Lünen“, sagt Sigrun Scheuschner. Gerade macht das Ehepaar eine Pause und hat auf einer Bank Platz genommen. Von diesen Sitzgelegenheiten könnte es aber mehr geben an dem Uferradweg, meint Sigrun Scheuschner. Ansonsten genießen sie und ihr Mann den Sommer am Kanal aber uneingeschränkt „Es ist einfach schön hier!“

Diesem Urteil pflichtet sicherlich auch Kanalbaderin Christiane Pense bei. Wobei sie abgehärtet ist und den Sprung ins Wasser auch noch wagt, wenn der Sommer eigentlich schon vorbei ist: „In den vergangenen beiden Jahren war ich noch im Oktober im Kanal.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Saisonstart in Bergkamen

Die schwarze Null muss stehen, findet der Eishockey-Torwart, der die Eishalle betreibt

Meistgelesen