Kinder, die im Garten mit anpacken, haben nicht nur Spaß, sondern lernen auch eine ganze Menge über die Natur und die Herkunft der Lebensmittel. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/Westend61
Familie im Kleingarten

Wie Familien ihre Kinder in die Gartenarbeit einbinden: Aaron (4) hat Spaß und lernt so einiges

Ja, Gartenarbeit kann Kindern Spaß machen und ja, sie können dort sogar einiges lernen. Was, das weiß Kleingärtner Mai Michels. Sein Sohn Aaron (4) liebt die Gartenarbeit.

Wenn der vierjährige Aaron an Himbeer- oder Brombeersträuchern vorbeikommt, dann nascht er die süßen Beeren gerne. Dabei weiß er genau, um welche Beere es sich jeweils handelt und welche er nicht essen darf. „Für ihn ist der Garten wie ein Süßigkeiten-Kiosk, nur gesünder“, sagt sein Vater Maik Michels.

Der Kleingärtner findet es wichtig, dass Kinder früh mit der Natur in Berührung kommen. Den Kleinen macht das nicht nur Spaß, sie lernen auch eine Menge dabei. Wenn Aaron die Hummeln sieht, die aktuell schon in den Lavendel-Büschen vor sich hin brummen und dabei fleißig Pollen einsammeln, dann weiß er, dass sie den Blütenstaub weitertragen.

Und er trägt auch seinen Teil dazu bei, dass die Bienen Futter finden, wie sein Vater erklärt. „Wir haben die Löcher vorbereitet und er hat Samen hineingeworfen und etwas Wasser dazugekippt“, sagt der Bergkamener Vater. Wenig später schon kamen die Krokusse langsam aus der Erde. „Für ihn ist das ein tolles Erfolgserlebnis.“

Nein, Kartoffeln gibt es nicht nur im Lidl

Eltern, die also einen Garten haben oder etwas Gemüse wie zum Beispiel Tomaten auf dem Balkon züchten, sollten ihre Kinder ruhig in die Gartenarbeit integrieren, findet Michels. Wenn er den Rasen mäht, dann läuft Aaron mit einer kleinen Schubkarre hinterer und sammelt das Gras ein und auch beim Umgraben des Beetes ist der Kleine samt Schaufel ganz vorne mit dabei. „Man kann Kinder eigentlich überall einbinden“, sagt Aarons Vater.

Der vierjährige Aaron Michels hilft seinen Eltern gerne bei der Gartenarbeit. Dafür hat er auch eigene Gartengeräte. © privat © privat

Dass der Lerneffekt bei der Gartenarbeit nicht zu unterschätzen ist, weiß auch der langjährige Kleingärtner Heinrich Dziuba. „Meine Enkelin kann beim Unkrautjäten genau unterscheiden, was Unkraut ist und welche Pflänzchen einmal Blumen sein werden“, sagt er.

Mit seiner Enkelin habe er auch einmal eine doch ziemlich amüsante Geschichte erlebt. Das Mädchen habe vor vielen Jahren mal einen Freund mit in den Kleingarten von Dziuba gebracht. Auf das Grün einer Kartoffelpflanze zeigend habe der Freund wissen wollen, was das sei.

Als Dziubas Enkelin dann eine Kartoffel aus dem Boden zog, habe der Freund große Augen gemacht. „Ich dachte, Kartoffeln gibt es nur bei Lidl“, zitiert Dziuba diesen Kindergartenfreund.

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Damals waren der und Dziubas Enkelin noch Kinder. Und doch zeigt das Beispiel, dass manche Menschen, und das müssen nicht nur Kinder sein, Lebensmittel als selbstverständlich hinnehmen und nicht hinterfragen, woher sie kommen.

Bei Kartoffeln ist das freilich nicht ganz so verheerend, aber man denke nur an Milch- und Fleischprodukte, bei denen die Herkunft doch eine wichtige Rolle spielt. Das ist aber freilich ein anderes Thema und im Kleingarten sind schließlich auch keine Kühe und Co. erlaubt. Etwas über die Herkunft von Fleisch und Co. müssen Kinder also ohnehin an anderer Stelle lernen.

Ein Kleingarten bringt Spaß, aber auch Arbeit mit sich

Zurück in den Kleingarten, übrigens ein Hobby, das in den letzten Jahren bei jungen Familien einen regelrechten Boom erlebt hat. Ein Garten ist zwar immer mit Arbeit verbunden, aber gleichwohl wird der belohnt. Die Parzelle wird je nach Belieben zur Ruheoase, zur Zuflucht oder zum Treffpunkt, an dem man mit den anderen Kleingärtnern ein Fest feiert und gesellige Abende verbringt.

Wer einen Parzelle sucht, der findet in jeder Stadt eine größere Auswahl. Bei den Gärten kann man sich dann auf Wartelisten setzen lassen und sobald ein Kleingarten frei wird, gibt es ein Bewerbungsverfahren. Und dann kommt es ganz auf das Engagement an, das die Bewerber zum Ausdruck bringen. Es habe auch schon Bewerber gegeben, die Fotos vom bepflanzten Balkon geschickt haben, erzählt Michels, der übrigens im Bergkamener Kleingartenverein am Heidengraben im Vorstand ist.

Erste Arbeiten im Kleingartenverein Heidegraben in Bergkamen: Maik Michels (vorne) schneidet in seinem Kleingarten die trockenen Zweige von Sträuchern. Auch den Vorsitzenden des Vereins Marian Kardelka, zieht es bei dem Wetter zur Parzelle. © Claudia Pott © Claudia Pott

Es geht beim Bewerbungsverfahren zum Beispiel um die Frage, wer den Garten wirklich will und sich regelmäßig die Zeit nimmt, ihn zu pflegen. Und nicht nur die eigene Parzelle, Kleingärtner absolvieren auch eine gewisse Anzahl an Gemeinschaftsstunden, es gibt gemeinsame Arbeitsaktionen, bei denen zum Beispiel die Hecken der Anlagen gestutzt werden.

Die Belohnung in Form von frischem Obst und Gemüse, neuen Freundschaften und mehr kann sich dafür aber sehen lassen. Da lohnt sich die Arbeit, wie Michels findet. Außerdem gehen die Arbeiten mit den Jahren immer leichter und schneller von der Hand. Familie sollten sich anfangs Zeit geben und nach und nach eine eigene Routine erarbeiten. Für ihn und seine Frau war die Entscheidung für einen Kleingarten genau das Richtige. Und Aaron sieht das sicherlich genau so.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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