Wie die Vögel am Beversee den Klimawandel spüren - mit vielen Bildern

dzNabu-Wanderung

Wenn Karl-Heinz Kühnapfel zur Nabu-Weihnachtswanderung aufbricht, ist natürlich auch der Klimawandel ein Thema. Dessen Folgen sind im Naturschutzgebiet am Beversee konkret zu spüren.

Bergkamen

, 26.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den „Vogel des Jahres 2020“ sehen die Teilnehmer der Nabu-Weihnachtswanderung nicht. Die Turteltaube kommt im Wald rund um den Beversee nicht vor. Das war allerdings früher anders. Sagt Karl-Heinz Kühnapfel vom Naturschutzbund Nabu. Und er muss es wissen. Kühnapfel kennt das Bergkamener Naturschutzgebiet wie seine Westentaschen. Seit Jahrzehnten zeigt er Naturfreunden bei der naturkundlichen Wanderung am zweiten Weihnachtstag die Vogelwelt am Beversee. Die hat sich im Lauf der Jahre gewandelt.

In den 70er Jahren gab es noch Turteltauben am Beversee

„In den 70er Jahren hat hier auch die Turteltaube gebrütet“, sagt Kühnapfel. Inzwischen hat sie es schwer. Nicht nur in Bergkamen. Deshalb hat der Nabu sie ja zum „Vogel des Jahres“ gekürt. Nach Angaben der Naturschutzorganisation sind sie die Bestände seit 1980 um rund 90 Prozent zurückgegangen. Das liegt an der intensiven Landwirtschaft. „Es gibt ja kaum noch Ödland oder Waldränder“, sagt Kühnapfel.

Wie die Vögel am Beversee den Klimawandel spüren - mit vielen Bildern

Trotz aller negativen Einflüsse ist das Waldgebiet um den Beversee ein halbwegs intaktes Stück Natur. © Stefan Milk

Allerdings will er den Bauern dafür die Verantwortung nicht alleine zuschieben. Mit ihren Produktionsweise folgten sie letztlich nur dem Verlangen vieler Konsumenten, Lebensmittel möglichst billig auf den Tisch zu bekommen, argumentiert der Naturschützer: „Was bleibt den Landwirten denn anderes übrig?“

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Nabu-Weihnachtswanderung am Beversee

26.12.2019
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Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk
Nabu Weihnachtswanderung am Beversee mit Karl-Heinz Kühnapfel© Stefan Milk

Vor allem Langstreckenzieher spüren den Klimawandel

Die Turteltaube hat noch ein anderes Problem. Sie gehört als einzige heimische Taubenart zu den so genannten Langstreckenziehern, die den Winter in Afrika verbringen. Die bekommen den Klimawandel besonders zu spüren. Weil die Winter hierzulande viel milder sind als in der Vergangenheit und Schnee und Eis im Dezember die absolute Ausnahme, geschieht vieles früher als in kälteren Zeiten. Zum Beispiel die Verpuppung der Insektenlarven: „Wenn die Langstreckenzieher dann im Frühjahr bei uns eintreffen, finden sie kein Futter mehr“, erläutert Kühnapfel.

Wie die Vögel am Beversee den Klimawandel spüren - mit vielen Bildern

Naturschützern wie Herbert Reiss ist es zu verdanken, dass sich am Beversee heute ein große Naturschutzgebiet befindet. © Stefan Milk

Andere Vogelarten reagieren flexibeler. Zum Beispiel die Bachstelzen, die einst nach Südeuropa flogen und nun den Winter hier verbringen - weil es Insekten gibt, von denen sich die Vögel ernähren, erklärt Kühnapfel. Das könne man auch auf der Wasserfläche des Beversees erkennen, wo sich sogar in der Weihnachtszeit Mücken beobachten ließen.

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Der Specht steckt sein Revier schon im Dezember ab

Ein anderes Beispiel für die Folgen des Klimawandels erleben die Weihnachtswanderer, als Kühnapfel sie auf einen Buntspecht in den Baumwipfeln hinweist. Früher habe der Ende Februar oder Anfang März damit begonnen, sein Revier abzustecken. Inzwischen geschehe das bereits im Dezember.

Es gibt also durchaus Vögel, die mit dem Klimawandel klarkommen. „Gedanken müssen Sie sich über uns selbst machen“, meint Kühnapfel. Die Natur werde das sich wandelnde Klima auf irgendeine Weise überstehen - der Mensch nicht unbedingt.

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Schwankungen bei der Artenvielfalt

Allerdings weiß der Vogel-Experten, der die Brutvogelbestände am Beversee von 1980 bis 2000 systematisch erfasst hat, dass die Schwankungen bei der Artenvielfalt nicht ausschließlich am negativen Einfluss des Menschen liegen. Es gebe auch natürliche Ursachen. Trotz aller ökologischen Widrigkeiten ist das Waldgebiet noch ein einigermaßen intaktes Stück Natur, meint Kühnapfel. Und manches habe sich im Lauf der Jahre sogar zum Besseren verändert. So ein Naturschutzgebiet unterliege eben immer dem Wandel: „Vielleicht kommt ja auch eines Tages die Turteltaube wieder.“

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