Wie der Beversee zu einem Naturschutzgebiet wurde

dzFührung mit Stadtarchivar

Der Beversee liegt im Herzen Bergkamens. Stadtarchivar Martin Litzinger nimmt interessierte Bürger mit auf eine historische Tour durch das Naturschutzgebiet, das beinahe gar keins geworden wäre.

von Niklas Mallitzky

Bergkamen

, 02.09.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1979 ist der Beversee ein Naturschutzgebiet, das jeden Tag zahlreiche Wanderer und Naturfreunde anzieht. Doch nicht immer wurde die reichhaltige Flora und Fauna so geschätzt, wie heutzutage. So sahen Pläne in den 1960er-Jahren vor, das Waldgebiet dem Erdboden gleich zu machen und als Gewerbe- und Industriefläche zu nutzen. Auch das Steinkohlekraftwerk, das schließlich einen Platz in Heil fand, sollte zuerst hier erbaut werden.

Zwei „Grüne Spinner“ retteten den Wald

Dass es anders kam, sei vor allem zwei Herren zu verdanken gewesen, erklärt Stadtarchivar Martin Litzinger der Gruppe aus rund zehn Besuchern, die mit ihm durch das Waldgebiet streift. Herbert Reiss, bis 1971 Kreisdirektor beim Kreis Unna, und Helmut July, damals Lehrer in Bergkamen, erkannten den schützenswerten Charakter des Gebietes. Anfangs noch als „grüne Spinner“ verunglimpft, ließ das Duo nicht von seinen Ideen für den Beversee ab. Für ihren Einsatz sind zwei Wege nach den Männern benannt.

Wie der Beversee zu einem Naturschutzgebiet wurde

Der Beversee bietet einen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere.


Das Naturschutzgebiet umfasst 100 Hektar

Der Beversee selbst ist rund sechseinhalb Hektar groß, das gleichnamige Naturschutzgebiet umfasst rund 100 Hektar. Spannende Geschichten birgt nicht nur das Naturschutzgebiet selbst. Bereits der Weg vom Parkplatz an der Werner Straße zum Waldeingang ist ein Stück Geschichte. Das auffällige Kopfsteinpflaster wirkt wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit, und genau das ist es auch. Der Weg führte direkt zum Bergkamener Bahnhof. „Die Reichseisenbahndirektion fragte in verschiedenen Gemeinden an, ob sie sich am Bau eines Bahnhofs beteiligen würden“, erklärt Litzinger. „Rünthe lehnte ab, Bergkamen und Werne stimmten zu.“

Der See verdankt einem Bach den Namen

Doch wie ist der See eigentlich zu seinem eigentümlichen Namen gekommen? Die Antwort darauf bietet ein Bach, der heute kaum noch als solcher zu erkennen ist und nur geringste Mengen Wasser führt. Die „Bever“, ein niederdeutsches Wort für „zittern“ oder „bibbern“, lässt sich sicher bis zurück in die Mitte des 17. Jahrhunderts nachweisen. Ihren Namen erhielt sie von der geschlängelten Form, die durch die Landschaft „zitterte“. Der Beversee selbst enstand in erst in den 1940er-Jahren als Folge einer Bergsenkung und wuchs bis in die 70er-Jahre zu seiner heutigen Größe an. Doch auch hier fordert der Klimawandel mittlerweile seinen Tribut, verrät Litzinger: „In den vergangenen Jahren ist der Umfang des Sees wieder schleichend zurückgegangen.“

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