Werner Brix bringt Wiener Schmäh und schräge Geschichten nach Bergkamen

dzMittwochs-Mix

Der Stress eines Alltags, in dem Mitarbeiter in alten Welten verharren und die eigene Tochter ein Gedicht zum Einschlafen braucht, machte Werner Brix zum Programm. Das präsentierte er jetzt in der „sohle 1“.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Noch einmal richtig voll wurde es am Mittwochabend in der „sohle1“ beim letzten Mittwochs-Mix vor der Sommerpause. So voll, dass das Bergkamener Kulturbüro vorausschauend gleich die Vorankündigung von seiner Homepage nahm, denn freie Plätze gab es dort schon lange nicht mehr.

Kein Wunder, mit dem österreichischen Kabarettisten Werner Brix war zugleich ein echter Hochkaräter der kabarettistischen Kleinkunst zu Gast. Einer, der nicht nur jede Menge Wiener Schmäh, sondern auch reichlich schräge Geschichten aus dem Leben, genauer gesagt aus seinem und unserem Leben mitgebracht hatte.

Denn vieles davon dürfte so manch einer schon selbst erlebt haben – nur nicht in der geballten Intensität, die Brix in seinem aktuellen Bühnenprogramm „Mit Vollgas zum Burn-out“ nun präsentiert. Sein Leben ein Mega-Werbeblock, immer ganz dicht am alltäglich gelebten „Wahnsinns-Plexx“, machte Brix darin vor keiner Absurdität halt.

Auf dem Weg in den Wahnsinn

Wo heutzutage viele schon in einer Welt von WhatsApp und Co. leben, muß Brix seinem dusseligen Mitarbeiter im fernen Wien immer noch die „Basics“ der E-Mail erklären. Natürlich treibt dies Brix schon fast in den eigenen Wahnsinn, er bekommt Zuckungen am ganzen Körper und zu allem Überfluss auch noch einen plagenden Schluckauf.

Das Handy immer greifbar in der Brusttasche, hat Brix für den Schluckauf schon seine Mutter als die Schuldige ausgemacht: „Denk nicht immer an mich! Das nervt!“, schreit er durchs Telefon und gibt dem Handy gleich ein paar Ohrfeigen, als anschließend der nervige Mitarbeiter wieder in der Leitung ist.

Klappe halten als Therapie

Seine Termine folgen dicht auf dicht. Selbst das Therapiegespräch bei seinem Psychiater versucht Brix selbst zu führen – und ist perplex, als dieser ihm doch vorschlägt, einfach mal für fünf Minuten die Klappe zu halten.

Doch immer wieder klingelt bei Brix das Handy. Jetzt seine sechsjährige Tochter, die auf das Einschlafgedicht wartet, dass Brix dann in Dada-Form vorträgt. Auf die verdutzten Gesichter des Publikums erklärt dieser: „Die Bachblüten-Therapie hat nichts gebracht, aber mit Dada klappt’s bei der Tochter am besten.“

Wein ohne Traube

Mit viel Situationskomik lässt sich Brix sogar auf die anspruchsvolle „Besprechung“ von Wein ein, wo „Experten“ alle möglichen Aromen entdecken würden, nur nicht den der Weintraube. Oder auf die „Unox“-Suppe, die er für einen Geniestreich der Fertignahrung hält. Sind doch darin selbst die „Bröckele“ so klein, dass man sie mühelos mit dem Strohhalm aufsaugen und währenddessen wunderbar weiterarbeiten könne – um dabei mit einem Höllentempo in Richtung „Burn-Out“ zu sausen.

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