Menschen stehen am Montag (3. Mai) für eine Coronaschutz-Impfung an. Die Stadt Köln hat im Stadtteil Chorweiler mit Impfungen in sozialen Brennpunkten begonnen. Für Menschen mit geringerem Einkommen und beengtem Wohnraum ist auch in Bergkamen die Gefahr einer Corona-Infektion größer. © picture alliance/dpa

Wer wenig Geld hat, infiziert sich leichter mit Corona

Die Verhältnisse in Bergkamen sind nicht so schlimm wie in manchen Großstädten. Trotzdem gibt es auch hier einen Zusammenhang zwischen Einkommen, Wohnverhältnissen und Corona.

Die Bergkamener Sozialdezernentin Christine Busch ist erstaunt über die Diskussion über den Zusammenhang zwischen Lebens- und Wohnverhältnissen und der Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona zu infizieren. „Ich wundere mich, dass dafür wissenschaftliche Untersuchungen notwendig sind. Den Zusammenhang haben wir schon im vergangenen Jahr gesehen“, sagt sie.

Mit anderen Worten: Überall dort, wo das Einkommen der Menschen geringer ist und sie auf engem Raum zusammenleben, kommt es auch in Bergkamen besonders häufig zu Corona-Infektionen. Das habe mit der Herkunft oder einem möglichen Migrationshintergrund nichts zu tun, sagt Busch. „Das hat eher mit dem verfügbaren Einkommen und den damit verbundenen Wohnverhältnissen zu tun.“

Keine Häufung von Fällen in bestimmten Stadtteilen

Wer ein eigenes Haus mit Garten habe, infiziere sich nicht so schnell mit Corona.

Busch kann auch keine besondere Häufung in bestimmten Stadtteilen erkennen. Fälle, in denen sich mehrere Menschen mehr oder weniger gleichzeitig infiziert hätten, habe es in fast allen Ortsteilen gegeben. „Das hatte aber fast immer mit den Wohnverhältnissen zu tun“, erklärt die Sozialdezernentin.

Maßnahmen wie sie in einigen Großstädten diskutiert werden, hält sie in Bergkamen nicht für erforderlich. „Bei uns ist es nicht so wie in Köln-Chorweiler“, sagt sie in Anspielung auf den dortigen sozialen Brennpunkt, der nun im Mittelpunkt einer gesonderten Impfkampagne steht. „Wir haben solche Brennpunkte nicht.“

In Bergkamen sieht die Sozialdezernentin eher das Phänomen, dass es Bereiche gibt, in denen größere Familien relativ eng zusammenwohnen. Wenn Eltern, Kinder und Großeltern in nächster Nähe zusammenwohnen, komme es oft zu mehreren Infektionen innerhalb einer Familie. „Dann haben wir sofort fünf, sechs Infektionen mehr und das fällt bei einer Stadt von der Größe Bergkamens schnell ins Gewicht“, sagt sie.

Nur wenig Sprachprobleme bei der Pandemiebekämpfung

Sprachprobleme machen der Stadt dagegen bei der Pandemiebekämpfung nicht so sehr zu schaffen. Zu den Geflüchteten, die in den vergangenen Jahren nach Bergkamen gekommen sind, gebe es ohnehin noch immer einen engen Kontakt. Außerdem habe die Stadt auch gleich zu Beginn der Pandemie Informationsmaterial über den Integrationsrat und den Integrationsbeauftragten verteilt.

Es gab auch schnell Kontakte zu den Moscheevereinen in Bergkamen. Damals gab es ein besonderes Problem: Der Beginn der Pandemie fiel mit dem Beginn des Ramadan zusammen. Die Aufklärung habe Erfolg gehabt, sagt die Dezernentin: Damals kam es kaum zu Infektionen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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