Angeklagter rastet beim Drogenprozess aus

dzGericht

Eigentlich war der Angeklagte in einem Drogenprozess geständig. Doch als er erfuhr, dass er keine Bewährung bekommt, rastete er aus. Und dabei vergreift er sich nicht nur im Ton.

von Jana Peuckert

Bergkamen, Kamen

, 13.02.2020, 11:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Drogenprozess im Amtsgericht Kamen fing an, wie jeder andere. Keiner der Beteiligten ahnte zu der Zeit, dass schon bald Wachtmeister zur Hilfe gerufen werden mussten, um den Angeklagten zu bändigen.

Der 27 Jahre alte Bergkamener auf der Anklagebank hatte am 10. Oktober vergangenen Jahres zu viel getrunken und dann auf einem Hinterhof in Bergkamen einen Roller beschädigt. Als die Polizei kam, entdeckten die Beamten 15,5 Gramm Marihuana in der Umhängetasche des Mannes. Dementsprechend lautete der Vorwurf im Gericht: unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln.

Der Angeklagte gesteht: „Stimmt so“

„Stimmt so“, legte der Angeklagte ein kurzes Geständnis ab. Der Richter verlas die drei Vorstrafen des Bergkameners wegen Körperverletzung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und Diebstahls. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 500 Euro, der Angeklagte blieb ruhig. Schließlich neigte sich die Verhandlung ihrem Ende zu. Der Richter verkündete das Urteil: drei Monate Haft. Bewährung gab es nicht. Als der Bergkamener das höret, kippte die Stimmung im Saal schlagartig. Fassungslosigkeit war im Gesicht des Angeklagten abzulesen. Der 27-Jährige ließ sich hörbar in den Stuhl zurückfallen, schlug die Hände über den Kopf zusammen.

Der Angeklagte nennt den Richter „Alter“

Dann unterbricht er den Richter einfach: „Krasse Methode, dafür, dass ich ein bisschen Marihuana hatte, Alter.“ Ja, der Angeklagte hatte den Vorsitzenden tatsächlich „Alter“ genannt. Und das in aufbrausender Art und mit lauter Stimme. Seine Mutter verließ daraufhin weinend den Saal. Das ließ den Angeklagten noch mehr aus der Fassung geraten. Es könte nicht sein, dass seine Mutter jetzt weine, regte er sich auf.

Der Richter hatte genug gehört. Er machte kurzen Prozess und änderte sein Urteil noch einmal ab. Bevor er die neue Strafe jedoch verkündete, rief er zur Sicherheit Wachtmeister dazu. Aus den drei Monaten wurden am Ende vier. Und damit nicht genug: Der Vorsitzende ordnete zudem zwei Stunden Ordnungshaft an. „Wenn Sie noch ein Wort sagen oder grinsen, werden daraus drei Tage Ordnungshaft“, drohte der Richter an. Der Angeklagte riss sich zusammen – bis ein Wachtmeister ihm Handfesseln anleget: „Jetzt kriege ich auch noch Handschellen. Das ist eine Katastrophe, wenn meine Mutter das sieht.“

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