Wenn der Seelsorger Abstand halten muss, bleibt nur das Telefon

dzKirche und Corona

Seelsorge lebt von einer gewissen menschlichen Nähe. Genau die ist aber im Moment nicht möglich. Die Seelsorger der katholischen Gemeinde Heilig Geist halten aber Kontakt zu den Gläubigen.

Bergkamen

, 08.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die seelsorgerischen Gespräche führen die drei Priester aus der Kirchengemeinde Heilig Geist derzeit nahezu ausschließlich am Telefon. In Zeiten der Corona-Krise gilt die Kontaktsperre auch für Katholiken. Wobei es in sehr dringenden Fällen auch Ausnahmen gibt. So berichtet Pfarrer Sebastian Zimmert, dass er den Hinterbliebenen eines Verstorbenen einen Hausbesuch angeboten habe.

Die Trauernden hätten aber aus Vorsichtsgründen lieber darauf verzichtet und mit dem Pfarrer telefoniert. Beerdigungen sind natürlich noch möglich. Allerdings nur im engsten Familienkreis – und ohne Trauerfeier in der Kirche. „Ich halte einen kleinen Gottesdienst am Grab“, sagt Zimmert. „Damit es nicht ganz so nüchtern wirkt.“

Gemeinde Heilig Geist


Kontakt zu den Seelsorgern

Das Telefon des Pastors klingelt nicht häufiger als vor der Krise

Ansonsten klingele sein Telefon aber nicht unbedingt häufiger als vor der Krise, berichtet Zimmert. Das erstaunt ihn etwas, er hätte gedacht, dass die Menschen jetzt mehr Redebedarf haben. „Vielleicht ist das auch ein Symptom für den Bedeutungsverlust der Kirchen“, sinniert der Pastor. Möglicherweise hätten viele aber auch Hemmungen, einfach einen Priester anzurufen, den sie gar nicht kennen.

Bis Gemeindereferent Markus Brinkmann, Pastor Günter Kischkewitz und Pastor Thorsten Neudenberger wieder Gottesdienste mit Besuchern in der Kirche feiern können, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Bis Gemeindereferent Markus Brinkmann, Pastor Günter Kischkewitz und Pastor Thorsten Neudenberger wieder Gottesdienste mit Besuchern in der Kirche feiern können, wird es wohl noch eine Weile dauern. © Roman Grzelak

Mit den bekannten Gemeindemitgliedern stehen Zimmert und seine Kollegen, die Pastoren Thorsten Neudenberger und Günter Kischkewitz, aber auch weiterhin im Kontakt. Bei der Seelsorge am Telefon merke man schon, dass die Gespräche ernster werden und die Menschen Sorgen über den Verlauf der Krise haben, berichtet Neudenberger. Weil es vorerst keine persönlichen Treffen gebe, sei es wichtig, die Menschen auf anderem Wege zu erreichen.

Das merkt vor allem Kischkewitz, der sich normalerweise um Bewohner der Bergkamener Seniorenheime kümmert. Derzeit herrscht auch für den Priester absolutes Besuchsverbot. Das sei für die betroffenen Menschen sehr schwer, meint Kischkewitz. Er hat an jedes Seniorenheim in Bergkamen eine Karte geschrieben, die er und die beiden anderen Pastoren unterzeichnet haben.

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Etwas leichter beim Kontakthalten hat es Gemeindereferent Markus Brinkmann, der für die Jugendarbeit zuständig ist. „Die Jugendlichen telefonieren nicht gerne“, sagt er. Deshalb hat er schon vor der Krise hauptsächlich über die sozialen Medien mit ihnen kommuniziert. Die Gruppentreffen kann das natürlich nicht ersetzen.

Erstkommunion muss verschoben werden

Zumal natürlich auch die für die Wochen nach Ostern geplante Erstkommunionen verschoben werden müssen: „Wir werden sie nach den Sommerferien nachholen und den Termin noch mit den Eltern absprechen“, sagt Zimmert.

Beichten im Beichtstuhl sind derzeit nicht möglich. Die Kommunionkinder müssen aber auch vorerst nicht bei Pastor Sebastian Zimmer beichten, die Erstkommunionsfeiern sind verschoben.

Beichten im Beichtstuhl sind derzeit nicht möglich. Die Kommunionkinder müssen aber auch vorerst nicht bei Pastor Sebastian Zimmert beichten, die Erstkommunionsfeiern sind verschoben. © Stefan Milk

Auch sonst entfällt vieles, was das Gemeindeleben ausmacht. Natürlich auch die Messen, die können Gläubige immerhin auf der Homepage online mitfeiern. „Im Fernsehen gibt es zwar auch Gottesdienste“, meint Neudenberger. „Aber die Menschen freuen sich vielleicht, wenn sie die vertrauten Kirchen sehen.“ Taufen und kirchliche Hochzeiten sind zwar möglich, aber nur im kleinsten Kreis. In dieser Woche war eine Eheschließung geplant, berichtet Neudenberger. Aber das Brautpaar habe von sich aus abgesagt.

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Die Priester dürfen auch weiterhin die Beichte abnehmen. Allerdings nicht im Beichtstuhl, sondern nur im Beichtgespräch, bei dem man Abstand halten kann. Bisher habe aber niemand davon Gebrauch gemacht, sagt Neudenberger. Eine Beichte am Telefon schließt er aus: „Das kann man abhören, da ist das Beichtgeheimnis nicht gesichert.“

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