Eine volle Elisabeth-Kirche ist in Zeiten der Pandemie undenkbar. Corona wirkt sich auch auf die Gemeinde-Bilanz 2020 aus. © Archiv/Stefan Milk
Katholische Kirche

Weniger Kirchenaustritte: Für den Pfarrer ist das kein Grund zur Freude

Die katholische Gemeinde hat 2020 weniger Kirchenaustritte registriert als in den Vorjahren. Pfarrer Neudenberger sieht aber keine Trendwende. Die Ursache für die Zahlen freut ihn keineswegs.

Eigentlich müsste Pfarrer Thorsten Neudenberger zufrieden auf die erste Statistik der vor einem Jahr gegründeten Fusions-Gemeinde Heilig Geist blicken. Zum Stichtag 16. November 2020 sind 62 Bergkamener Katholiken aus der Kirche ausgetreten.

In den beiden Vorjahren, in denen es noch fünf katholische Kirchengemeinden in Bergkamen gab, lagen diese Zahlen mit 74 und 77 deutlich höher.

Neudenberger glaubt allerdings nicht, dass der Rückgang etwas mit der Gemeindefusion zu tun hat oder gar eine Trendwende ist. „Das liegt vermutlich an Corona“, sagt er. Wer aus der Kirche austreten will, der muss das beim Amtsgericht tun. Und dort selbst erscheinen. „Eine Austrittserklärung in einfacher Schriftform ist nicht möglich. Sie kann nur höchstpersönlich abgegeben werden, eine Bevollmächtigung ist nicht zulässig“, heißt es auf der Homepage des Amtsgerichts Kamen, das für Bergkamen zuständig ist.

Kirchenaustritt ist derzeit mit Mehr-Aufwand verbunden

In Zeiten der Pandemie ist das mit ziemlichem Aufwand verbunden, weil man nicht so ohne weiteres ins Gerichtsgebäude an der Poststraße gehen kann, sondern einen Termin vereinbaren muss.

Ein Kirchenaustritt ist zwar auch bei einem Notar möglich. Aber auch dort ist eine Terminvereinbarung notwendig, außerdem muss man mehr bezahlen als die Gerichtsgebühren von 30 Euro.

Belegen kann Neudenberger seine Corona-These nicht. Aber es gibt weitere Indizien: „Normalerweise treten viele Menschen zum Jahresende aus der Kirche aus.“ Das hängt mit dem Hauptmotiv für den Austritt zusammen, der Kirchensteuer. Im Corona-Jahr 2020 war das anders.

Nur fünf Paare lassen sich in der Kirche trauen

Auch bei weiteren Teilen der Gemeinde-Statistik spiegeln sich die Corona-Folgen wider: So gab es bis Mitte November gerade einmal fünf Trauungen in der Gemeinde Heilig Geist. Viele Brautpaare warten mit der kirchlichen Trauung vermutlich auf bessere Zeiten, in denen sie wieder mit einer größeren Festgesellschaft feiern können.

Auch die Zahl der Taufen war 2020 ziemlich niedrig. © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Gleiches gilt offenbar für Taufen: Mit 63 Täuflingen registrierte die Gemeinde einen Niedrigstand. Gleichwohl spielt auch die Demografie ein Rolle. Schon seit vielen Jahren müssen Neudenberger und die anderen Priester mehr Beerdigungen abhalten als Taufen. Im zurückliegenden Jahr waren es 97.

Aber die Gemeinde erlebte auch Zuwachs. Neudenberger berichtet von zwei Kirchen-Eintritten. Außerdem gab es einen Übertritt von einer anderen Konfession.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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