Weil viele Eltern nur aufs Handy achten: Im Schwimmbad herrscht jetzt Schwimmflügelpflicht

dzGSW-Hallenbäder

Nicht alle Eltern, die mit kleinen Kindern ins Schwimmbad gehen, passen richtig auf sie auf. Schwimmflügel sind offenbar auch keine Selbstverständlichkeit mehr. Nun werden sie zur Pflicht.

Bergkamen, Kamen

, 06.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eltern, die mit ihren kleinen Kindern ins Schwimmbad gehen, passen die ganze Zeit auf sie auf. Sollte man meinen. Aber das ist leider nicht so, berichtet Marcus Müller. Deshalb hat der Bäderleiter der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) jetzt eine Schwimmflügelpflicht in den Bädern in Bergkamen, Kamen und Bönen eingeführt. Sie gilt für kleine Kinder, die nicht oder nicht sicher schwimmen können.

Zu viele Eltern schauen nur aufs Smartphone

Müller reagiert auf diese Weise darauf, dass offenbar immer mehr Eltern ihr Smartphone mit ins Schwimmbad nehmen. Und dann mehr auf den Handy-Bildschirm als auf ihre Kinder achten. „Bisher ist zum Glück noch nichts passiert“, sagt Müller. Das soll auch so bleiben.

Zur Not stellen die Bademeister in den Hallenbädern in Bergkamen und Kamen  Leih-Flügel zur Verfügung.

Zur Not stellen die Bademeister in den Hallenbädern Leih-Flügel zur Verfügung. © Stefan Milk

Manche Eltern denken offenbar, dass die Schwimm-Meister in den Bädern schon auf die Kinder achten. Das tun sie natürlich auch. „Aber die Aufsichtspflicht liegt dennoch bei den Eltern“, betont Müller. In Bönen weisen die GSW dort sogar mit einem Schild am Kinderbecken darauf hin. Denn ebenso wie in den beiden anderen Hallenbädern ist der Weg von dort zum Schwimmerbecken nicht besonders weit. Kinder, die ins tiefe Wasser fallen und Schwimmflügel tragen, bleiben auf jeden Fall längere Zeit an der Oberfläche, sodass der Schwimm-Meister oder die Eltern sie aus dem Becken fischen können.

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Plakate weisen auf die Schwimmflügelpflicht hin

Die GSW weisen nun auch mit Plakaten in den anderen Hallenbädern auf die neue Schwimmflügelpflicht hin. Die Schwimm-Meister werden die Eltern ansprechen, die ihre Kinder ohne Schwimmhilfen durch das Bad laufen lassen, sagt Müller: „Dabei geht es uns aber darum, zu überzeugen, nicht zu ermahnen.“ Niemand werde aus dem Schwimmbad geschmissen, wenn er die Flügelpflicht missachte. Aber die GSW-Mitarbeiter sind schon gehalten, den Eltern klar zu machen, dass sie die Verantwortung für ihre Kinder nicht einfach an andere delegieren können. Zudem halten die Schwimm-Meister für den Fall der Fälle auch Leih-Schwimmflügel bereit.

Der Hinweis auf die Schwimmflügelpflicht findet sich schon im Eingangsbereich der Bäder in Bergkamen und Kamen

Der Hinweis auf die Schwimmflügelpflicht findet sich schon im Eingangsbereich der Bäder. © Stefan Milk

In Bönen können die Eltern Schwimmflügel an der Hallenbad-Kasse kaufen. Diese Möglichkeit will Müller auch in Bergkamen und Kamen schaffen: „Allerdings wird das etwas schwieriger, weil wir dort nur noch Kassenautomaten haben.“

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DLRG begrüßt die Schwimmflügelpflicht

Aber verantwortungsvolle Eltern sind sicherlich in der Lage, Schwimmflügel im Internet oder im Geschäft zu besorgen. Dabei sollten sie sich nicht ausschließlich am Preis orientieren, rät der Vorsitzende der DLRG Bergkamen, Tobias Schwittek. Gerade im Bereich der Sicherheit komme es auf die Qualität an. Die verspricht zum Beispiel das Siegel „Geprüfte Sicherheit“, das belegt, dass die Schwimmflügel gewissen Standards entsprechen. „Wichtig ist auch, auf die richtige Größe der Schwimmflügel zu achten“, sagt Schwittek. Die richtet sich nicht etwa nach dem Alter des Kindes, sondern nach dem Gewicht.

Die DLRG Bergkamen, die im Sommer Wachdienste an Seen und am Meer übernimmt, begrüßt die Schwimmflügelpflicht.

Die DLRG Bergkamen, die im Sommer Wachdienste an Seen und am Meer übernimmt, begrüßt die Schwimmflügelpflicht. © picture alliance / dpa

Schwittek begrüßt die Schwimmflügelpflicht in den GSW-Bädern. Kinder sollten die Schwimmhilfen auch im Sommer am See oder Meeresstrand tragen, rät er. Sogar, wenn sie nur am Wasserrand planschten. Die elterliche Aufsicht ersetzt das allerdings auch dort nicht. Selbst, wenn es eine Bade-Wache von der DLRG gibt. Schwittek hat es selbst schon erlebt, als er an der Ostsee ein Kind aus dem Wasser gezogen hat. Der Vater, so schildert der Lebensretter, hat sich nicht etwa bedankt, sondern geschimpft: „Sie sind doch der Rettungsschwimmer. Warum haben sie nicht besser auf mein Kind aufgepasst?“

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