Wege durch die dunklen Zeiten

Neue Trauerkurse

Trauer ist nicht abhängig von der Jahreszeit, aber wenn die „dunkle Zeit“ kommt und mit ihr Gedenktage, Weihnachten und der Jahreswechsel sich ankündigen, tut sie manchmal doppelt weh.

Bergkamen

, 29.10.2018, 14:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wege durch die dunklen Zeiten

Friedhöfe, wie der Parkfriedhof in Weddinghofen, geben Trauernden Raum für ihren Schmerz: In Trauerkursen, die die Gemeinden beider Konfessionen in den kommenden Monaten anbieten, bestehen Möglichkeiten, den Schmerz in Worte zu fassen. © Stefan Milk

Ein Allheilmittel gegen die Trauer gibt es nicht, aber manchmal Hilfe, die den Schmerz ein wenig mildert und Wege anzeigt, mit ihm umzugehen. Die Trauerkurse, die die evangelischen Gemeinden und der katholische Pastoralverbund ab November anbieten, bieten einen geschützten Raum für Angehörige. Und die Möglichkeiten, gemeinsam über Gedanke und Gefühle zu sprechen. Denn das „Drüber“-Sprechen, über die Verstorbenen, das frühere Leben und Erinnerungen ist irgendwann kaum noch möglich. Spätestens dann, wenn gute Freunde sagen, „jetzt ist aber mal gut, ist doch schon ein Jahr her,“ ziehen sich die meisten Trauernden zurück. Für sie ist es „erst“ ein Jahr her. „Die Begriffe noch und erst wertet jeder anders“, sagt Pastor Günter Kischkewitz, „und geben Trauernden schnell das Gefühl, dass sie mit niemandem mehr drüber reden können.“ Obwohl die meisten genau dies aber wollen. „Das Maß der Trauer ist das Maß der Beziehung und es erstreckt sich nicht über einen bestimmten Zeitraum“, sagt Kischkewitz.

Wege durch die dunklen Zeiten

Die ehemalige Gemeindereferentin Irene Langwald und Pastor Günter Kischkewitz bieten auch in diesem Jahr im Pastoralverbund eine Gesprächsreihe für Trauernde an. © Stefan Milk

Selbsthilfe mit Impulsen

Zum zweiten Mal bietet der Pastoralverbund ab Montag, 19. November, vierzehntäglich einen Trauerkurs an. Denn mit dem Angebot aus dem Vorjahr hat die katholische Gemeinde gute Erfahrungen gemacht: Die Teilnehmer haben der Austausch, das gemeinsame Erleben und auch die gemeinsamen Tränen zusammengeschweißt. Auch ein Großteil der Trauerkurse, die die evangelischen Gemeinden seit mittlerweile rund zehn Jahren in Bergkamen anbieten, trifft sich weiterhin: „Das ist unser Ziel, es sind Selbsthilfegruppen, wir geben die Impulse, die Trauernden bestimmen“, sagt Pfarrerin Petra Buschmann-Simons.

Wege aus der Wüste zum Regenbogen - unter diesem Leitwort bietet der Pastoralverbund Bergkamen eine Gesprächsreihe an, die an insgesamt neun Abenden die Möglichkeit bietet, vierzehntäglich von November bis März kommenden Jahres über Trauer und die damit verbundenen Gefühle zu sprechen. Die neunteilige Gesprächsreihe „Wege aus der Wüste“ soll den Trauernden Möglichkeiten aufzeigen, neue Wege aus der Trauer zu finden. Angefangen von der Wüste, in der alles verdorrt scheint, wie das eigene Leben, über Türen, die man manchmal erst aufbrechen muss, bevor man weitergehen kann, bis zum Fluss, der sich schlängelt wie das eigene Leben. Und auch der Regenbogen wird Thema sein, als Symbol für das Neue, das kommt. Auf dem Weg von der Wüste bis zum Regenbogen gibt es Zwischenstopps: Dann können sich die Kursteilnehmer über Trauerliteratur informieren oder aber auch die unterschiedlichen Trauerphasenmodelle näher betrachten. „Trauer ist eine lange Etappe mit vielen verschiedenen Phasen“, sagt der Seelsorger. „Man denkt, es sei schon ein großer Teil des Weges geschafft, und dann taucht da plötzlich ein Gegenstand auf, und alles kommt wieder hoch,“ so Kischkewitz.

Vom Dunkel ins Licht

Beide Gemeinden bieten Trauerkurse vorrangig in der „dunklen Zeit“ an. Dann, wenn die Gedenktage kommen, Advent und Weihnachten. Trauer sei natürlich an keine Zeit gebunden, und wenn er mehr Zeit hätte, würde er auch einen Trauerkurs das ganze Jahr hindurch anbieten, sagt Kischkewitz.

Wege durch die dunklen Zeiten

Pfarrerin Petra Buschmann-Simons bietet gemeinsam mit Pfarrer Bernd Ruhbach einen Trauerkurs in der Friedenskirche an. © Marcel Drawe

Aber erfahrungsgemäß hätten die meisten Trauernden vor allem während der dunklen Jahreszeit mehr Probleme. Bis Ostern trifft sich auch der Trauerkurs in der Friedenskirche. „Wir gehen gemeinsam vom Dunkel ins Licht“, sagt Buschmann-Simons. Und es sei erstaunlich, welche Veränderungen die Teilnehmer in dieser Zeit erlebten, wie intensiv sie mit sich selbst arbeiteten und wie viel mehr sie schließlich wieder am Leben teilnehmen.

  • Der Trauerkurs der Martin-Luther- und Friedenskirchengemeinde trifft sich jeden ersten Freitag im Monat ab 15.30 Uhr in der Friedenskirche, Schulstraße 156, in Bergkamen.
  • Informationen gibt Pfarrerin Petra Buschmann-Simons, Tel. (02307)84873 oder pfr.bu-simons@helimail.de
  • Der Trauerkurs des Pastoralverbundes beginnt am Montag, 19. November, und trifft sich dann vierzehntäglich im Elisabethhaus, Parkstraße 2, in Bergkamen.
  • Weitere Informationen gibt es bei Irene Langwald, Tel.(02303)53610 oder Günter Kischkewitz, Tel.(02389)4037168.
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