Tanja Koch und Louis Koch wohnen mit den Hunden Hilde und Hugo in Weddinghofen. Der Stadtteil hat seine Schattenseiten meinen sie. © Stefan Milk
Stadtteilcheck

Weddinghofen: Stadtteil mit viel Grün, aber schlechter Versorgung

Spazierengehen und Radfahren kann man in Weddinghofen gut, denn der Bergkamener Stadtteil bietet viel Grün. Aber Defizite gibt es bei den Einkaufsmöglichkeiten und bei der Sauberkeit.

Hilde und Hugo fühlen sich ganz offenkundig wohl in Weddinghofen. Die beiden Continental-Bulldoggen leben mit Tanja Koch (49) und ihrem Sohn Louis (12) in dem Bergkamener Stadtteil. Und eigentlich gefällt es auch Tanja Koch in Weddinghofen: „Das ist meine Heimat“, sagt sie. Sie ist hier aufgewachsen und hat, abgesehen von Abstechern nach Bergkamen-Mitte und Kamen, den Großteil ihres Lebens in Weddinghofen verbracht. Hier hat sie Freunde und Verwandte.

Trotzdem fällt das Urteil von Tanja Koch über ihren Stadtteil sehr zwiespältig aus: Vor ein paar Jahren habe sie sich in Weddinghofen wirklich wohl gefühlt. „Leider ist das nicht mehr so“, sagt sie. Wenn man Tanja Koch nach den Gründen für dieses Urteil fragt, nennt sie zwei Themen: Sicherheit und Sauberkeit.

So den Pluspunkten im Stadtteil zählt Tanja Koch das viele Grün. Negativ bewertet die die Themen Sicherheit und Sauberkeit. © Stefan Milk © Stefan Milk

Gerade erst sei bei einem Nachbarn eingebrochen worden, sagt sie, warum sie sich in ihrem Stadtteil nicht mehr richtig sicher fühlt. Schlimmer sei der Müll, der überall herumliege. Und dabei geht es nicht nur um Kleinkram. Bei ihren Spaziergängen im Wald entdecke sie häufiger Einrichtungsgegenstände, die dort illegal entsorgt werden. „Ein Bekannter von mir hat neulich einen Trockner entdeckt“, sagt sie. Der funktionierte noch und stehe noch im Keller des Mannes. „Warum bringen die Leute sowas nicht zum Wertstoffhof?“, fragt sich Koch, die für die Bezirksregierung in Arnsberg arbeitet und ihren Arbeitsplatz in Dortmund hat. Auch der Alltagsmüll, der in der Gegend rumliegt, ist ihr ein Dorn im Auge. „Und jetzt kommen auch noch die ganzen Masken dazu“, sagt Tanja Koch.

Es geht nicht nur um wilde Müllkippen, sondern auch um den Alltagabfall, der in der Gegend liegt. © Stefan Milk (Archiv) © Stefan Milk (Archiv)

Sie geht täglich mit den beiden Hunden spazieren. Und da hat Weddinghofen dann auch seine positiven Seiten. Es gibt viel Natur, mit der Kuhbachtrasse und dem Lüttken Holz schönen Spazierwege. „Man kann zu Fuß zur Halde gehen“, sagt Tanja Koch. Sohn Louis gefällt es in Weddinghofen auch ganz gut, sagt er. Er besucht die Freiherr-vom-Stein-Realschule. Das ist auch der Grund, warum Tanja Koch erstmal in Weddinghofen bleibt. Sie zieht zwar demnächst um, aber innerhalb des Stadtteils. Aber für alle Zeiten wolle sie nicht in Weddinghofen leben, sagt sie: Spätestens, wenn der Sohn die Schule abgeschlossen habe, könne sie sich vorstellen, nach Kamen zu ziehen.

Das wurde positiv bewertet

Radfahren: Dank Kuhbachtrasse und anderen Wegen kann man in Weddinghofen offenbar gut Fahrradfahren. Die Radwege bekamen dann auch die höchste Noten im Stadtteilcheck für Weddinghofen.

Grünflächen: Erholen kann man sich in Weddinghofen offenbar auch sehr gut, es gibt viel Natur und schöne Spazierwege, wie Hundefreundin Tanja Koch bestätigt.

Seelsorge: Ähnlich gut steht es um die religiösen Bedürfnisse der Weddinghofen. Kirchen und Gemeindezentren gibt es in ausreichender Zahl.

Kinderbetreuung: Auch der Kinderbetreuung geben die Wedinghofener relativ gute Noten. Vielleicht auch deshalb, weil sie mit dem Awo-Kindergarten „Lippestrolche“ gerade eine neue Einrichtung bekommen.

Das wurde negativ bewertet

Angebot für Jugendliche: Wenn die Kinder älter werden, scheint es in Weddinghofen problematischer zu werden. Den schlechtesten Wert bekommt der Stadtteil bei den Freizeitangeboten für Jugendliche. Das Kinder- und Jugendhaus Balu richtet sich eher an Jüngere. Ansonsten herrscht Fehlanzeige bei Jugendtreffpunkten in dem Stadtteil.

Nahversorgung: Ähnlich schlecht werden die Einkaufsmöglichkeiten bewertet. Kein Wunder, dass ist ein Thema, das vielen Weddinghofener auf den Nägel brennt. Seitdem der Kaufland an der Töddinghauser Straße geschlossen hat, gibt es nur noch eine Einkaufsmöglichkeit: Den ziemlich in die Jahre gekommene Netto an der Schulstraße. Der Neubau am Häupenweg ist hochgradig umstritten. Wann er kommt ist ungewiss.

Senioren: Auch Betreuungsangebote für Senioren vermissen die Weddinghofener. Mit dem „Haus Sophia“ am Lüttken Holz gibt es nur eine Einrichtung dieser Art.

Gastronomie. Auch bei Restaurants und Kneipen ist in Weddinghofen ist noch Luft nach oben. Kein Wunder, in den vergangenen Jahren haben viele Traditionsgaststätten geschlossen. So werden auch die Räume für Vereinstreffen und ähnliches knapp. Besserung verspricht das neue Kulturzentrum der Alevitischen Gemeinde, das sich gerade im Bau befindet.

Lebensqualität: Die Umfrageteilnehmmer geben ihrem Stadtteil auf der Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) die 6,8. Das sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Liegt allerdings unter der Bergkamener Gesamtnote von 7,8. Und mit Mitte hat nur eine Stadtteil eine schlechtere Bewertung.

Fazit für Weddinghofen

Der Stadtteil hat für Menschen, die gerne in der Natur unterwegs sind, durchaus Lebensqualität. Auch die Kinderbetreuung scheint in Ordnung, was für Familien wichtig ist. Für Jugendliche ist der Stadtteil aber offenbar langweilig. Probleme gibt es mit der Sauberkeit. Und ganz dringend muss sich etwas bei den Einkaufsmöglichkeiten tun. Besserung ist dabei allerdings zumindest kurzfristig nicht in Sicht.

Hier geht es zur großen Stadtteilcheck-Übersichtsseite www.hellwegeranzeiger.de/stadtteilcheck:

Ort des Grubenunglücks

Der WDR sendet eine Dokumentation über das Grubenunglück auf Zeche Grimberg, das sich am 20. Februar 1946 ereignete. © Archiv © Archiv
  • Weddinghofen war ursprünglich eine eher ländlich geprägte Gemeinde, die durch den Bergbau kräftig wuchs.
  • Am 20. Februar 1946 kam es hier zum schwersten Grubenunglück der deutschen Bergbaugeschichte, bei dem 405 Bergleute starben.
  • Am 1. Januar 1966 vereinigte sich die Gemeinde Weddinghofen mit Bergkamen, Oberaden, Rünthe und Heil zur späteren Stadt Bergkamen. Overberge kam erst 1968 dazu.
Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne

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