Was soll das nur für ein Wahlkampf werden

dzBürgermeisterwahl im September

Beiden großen Parteien SPD und CDU haben ihre Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im September benannt. Nun kann der Wahlkampf starten. Bei der Ausgangslage könnte er spannend werden. Eigentlich.

Bergkamen

, 14.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seitdem die Bergkamener vor 21 Jahren ihr Stadtoberhaupt zum ersten Mal direkt bestimmen durften, waren Bürgermeisterwahlen meist so spannend wie die Deutsche Fußballmeisterschaften der jüngeren Vergangenheit – nur, dass am Ende nicht Bayern München gewann, sondern Roland Schäfer (SPD).

Das wird am 13. September anders sein, denn Roland Schäfer tritt nicht wieder an. Und da inzwischen die beiden größten im Stadtrat vertretenen Parteien ihre Kandidaten benannt haben, könnte nun ein spannender Wahlkampf beginnen. Denn Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen.

Beim Neujahrsempfang der CDU Bergkamen hielt der damals noch unerklärte Kandidat Thomas Heinzel eine wenig kämpferische Rede.

Beim Neujahrsempfang der CDU hielt der damals noch unerklärte Kandidat Thomas Heinzel eine wenig kämpferische Rede. © Marcel Drawe

Und wenn es keinen Titelverteidiger gibt, der auf den Amtsbonus setzen kann, dann lässt sich der Ausgang nur schwer prognostizieren und es kommt schon einmal zu überraschenden Ergebnissen.

Beide Kandidaten sind kommunalpolitisch alte Bekannte

In Bergkamen hält sich das Überraschungsmoment allerdings bis jetzt in überschaubaren Grenzen. Die beiden bisher bekannten Kandidaten Bernd Schäfer (SPD) und Thomas Heinzel (CDU) jedenfalls sind altbekannte Figuren der Kommunalpolitik. Beide sitzen seit ewigen Zeiten im Stadtrat und sind seit etlichen Jahren Vorsitzende ihrer Fraktionen.

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Das macht sie zumindest zu so etwas wie geborenen Bürgermeisterkandidaten. Bei ihren bisherigen Auftritten im Kommunalwahljahr erschienen sie aber nicht als feurige Wahlkämpfer. Bernd Schäfers Nominierungsrede beim SPD-Stadtverband riss wohl noch nicht einmal die überzeugtesten Sozialdemokraten im Treffpunkt von den Stühlen. Der Redner Schäfer lässt sich dann vielleicht mit Attributen beschreiben, die Spötter auch seinem Arbeitgeber, der Sparkasse, nachsagen: Solide, aber auch ein bisschen langweilig.

Die Stimme der Opposition im Stadtrat

Thomas Heinzel, der im Stadtrat ja so etwas wie die Stimme der Opposition gegen die in Bergkamen übermächtige Sozialdemokratie ist, neigt dann schon eher zu scharfen Formulierungen. Allerdings weiß man bei seinen Auftritten in Ratsdebatten zuweilen nicht so genau, wo die Grenzen zwischen der politischen Polemik und dem persönlichen Eingeschnapptsein verläuft.

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Bei seinem ersten Auftritt als – allerdings noch unausgesprochener – Bürgermeisterkandidat, beim Neujahrsempfang seiner Partei, macht er allerdings nicht den Eindruck, als wolle er das Rathaus im Sturm erobern. Und bei der offiziellen Vorstellung in dieser Woche hatte Heinzel die Abteilung Attacke ebenfalls zu Hause gelassen.

Bis die Wahlplakate in Bergkamen hängen, wird es noch ein wenig dauern. Die Kandidaten laufen sich aber schon mal warm.

Bis die Wahlplakate hängen, wird es noch ein wenig dauern. Die Kandidaten laufen sich aber schon mal warm. © Roman Grzelak

Beide Kandidaten verbreiten bisher auf ihre Weise eine gewisse „Weiter so“-Stimmung. Im Wahlkampf passt das besser zu Schäfer, dem Bewerber der Mehrheitsfraktion. Schließlich beansprucht es die SPD im Zweifelsfall auch als ihr Verdienst, wenn über Bergkamen die Sonne scheint.

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Man darf deshalb gespannt sein, ob und mit welchem Thema Heinzel angreifen wird. Die Ablehnung der Bergkamener Beteiligung an der Internationalen Gartenausstellung 2027, die sich Heinzel und die CDU ganz oben auf ihre Fahne geschrieben haben, ist womöglich zu wenig, um eine Wahlkampagne darauf aufzubauen.

Bei der Kommunalwahl am 13. September werden die Bergkamener auf jeden Fall über einen neuen Bürgermeister abstimmen.

Bei der Kommunalwahl am 13. September werden die Bergkamener auf jeden Fall über einen neuen Bürgermeister abstimmen. © picture alliance/dpa

Ansonsten drängt sich der Eindruck aus, dass sich im Wahlkampf eine ähnlich kooperative Stimmung ausbreitet, wie sie zu weilen im Stadtrat herrscht. Das muss kein Schaden für das Gemeinwesen sein. Aber ein wenig mehr mit demokratischen Argumenten unterfütterten Meinungskampf würden sich die politischen Beobachter dann manchmal doch wünschen. Das würde ja vielleicht auch die Wähler vermehrt ins Wahllokal locken.

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