Landratskandidaten zum Klimaschutz: Für einen „kein Notstand“, für einen „Chefsache“

dzKommunalwahl 2020

Klimaschutz ist eines der großen Zukunftsthemen, der Kreis Unna hat 2019 sogar den Klimanotstand ausgerufen. Die Landratskandidaten antworten ganz unterschiedlich auf Fragen zum Klimaschutz.

Kreis Unna

, 08.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Renergie Ruhr-Hellweg heißt ein Verein zur Förderung regenerativer Energien aus Fröndenberg, dessen Kernanliegen der Klimaschutz ist. Wie wichtig dem künftigen Landrat – oder der künftigen Landrätin – Erhalt und Förderung von Umwelt und Klima sind, wollte der Verein von den fünf Kandidaten fürs Landratsamt wissen. Neun Fragen hat Renergie Ruhr-Hellweg ihnen gestellt, alle Kandidaten haben geantwortet. Wir fassen die Standpunkte zusammen.

Mario Löhr ist Landratskandidat der SPD im Kreis Unna.

Mario Löhr ist Landratskandidat der SPD im Kreis Unna. © Alexander Heine

Mario Löhr (SPD): Mehr Rad, mehr Bus, mehr Schiene

SPD-Kandidat Mario Löhr (49) will den Kreis Unna „deutlich vor 2050 klimaneutral aufstellen“. Als Standort für die Erzeugung von „grünem Wasserstoff“ könne die Region auch wirtschaftlichen Nutzen aus dem Klimaschutz ziehen. Einen besonderen Schwerpunkt will Löhr auf Mobilität legen. Er schreibt dazu: „Mehr Rad, mehr Bus, mehr Schiene, intelligent vernetzt und mit fairen Preisen! Wir brauchen ein attraktives Angebot, damit die Menschen ihr Auto öfter stehen lassen.“ Auf die Frage nach seiner persönlichen CO2-Bilanz räumt Löhr ein, da sei noch viel Luft nach oben. Er würde dies als Ansporn nehmen und seine CO2-Bilanz als Landrat auch veröffentlichen.

Marco Morten Pufke ist Landratskandidat der CDU im Kreis Unna.

Marco Morten Pufke ist Landratskandidat der CDU im Kreis Unna. © Kevin Kohues

Marco Morten Pufke (CDU): „Es besteht kein Notstand im Kreis Unna“

Auch CDU-Kandidat Marco Morten Pufke (47) gibt an, er würde seine persönliche CO2-Bilanz als Landrat veröffentlichen. Ansonsten fallen seine Antworten auf die neun Fragen von Renergie Ruhr-Hellweg von allen Kandidaten am knappsten aus. Das Ziel der Klimaneutralität sollte spätestens 2050 erreicht sein, schreibt Pufke. Auf die Frage, was er als Landrat verändern würde, um dem 2019 vom Kreistag ausgerufenen Klimanotstand zu begegnen, antwortet Pufke: „Es besteht kein Notstand im Kreis Unna.“ Klimaschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, doch bei Entscheidungen seien alle Aspekte ins Auge zu fassen: „Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte müssen in jedem Fall gut abgewogen werden.“

Herbert Goldmann ist Landratskandidat der Grünen im Kreis Unna.

Herbert Goldmann ist Landratskandidat der Grünen im Kreis Unna. © Kevin Kohues

Herbert Goldmann (Grüne): Klimaneutralität bis 2035

Der Kandidat der Grünen, Herbert Goldmann (66), nennt das ehrgeizigste Ziel in punkto klimaneutraler Kreis, nämlich das Jahr 2035. Die auf Antrag der Grünen eingestellte Klimaschutzmanagerin würde er in die Stabsstelle des Landrats einbinden, um die Bedeutung und Unabhängigkeit dieser Stelle zu dokumentieren. Eine ausschließliche Bevorzugung ökologischer Belangen werde es aber „allein auf der Grundlage der gesetzlich verbindlichen Rahmenbedingungen nicht geben können, da auch eine Verwaltung an wirtschaftliches Handeln gebunden ist“, schreibt Goldmann. Ob er seine eigene CO2-Bilanz veröffentlichen würde, habe er für sich noch nicht beantwortet.

Susanne Schneider ist Landratskandidatin der FDP im Kreis Unna.

Susanne Schneider ist Landratskandidatin der FDP im Kreis Unna. © Alexander Heine

Susanne Schneider (FDP): Öffentliche Gebäude energetisch sanieren

Die FDP-Kandidatin Susanne Schneider (53) will Klimaneutralität im Kreis Unna „möglichst bis 2040“ erreichen. Eine Kernaufgabe sehe sie in der energetischen Sanierung von öffentlichen Gebäuden. Große Dachflächen sollten verstärkt mit Photovoltaik- und Solarthermieanlagen ausgestattet werden. Entscheidungen sollten aber nicht allein anhand eines Kriteriums (Klimaschutz) getroffen werden. Wichtiger als die Veröffentlichung ihrer persönlichen CO2-Bilanz fände Schneider konkrete Maßnahmen wie „die weitere Umstellung des Fuhrparks auf E-Autos und Hybridfahrzeuge“.

Andreas Dahlke ist Landratskandidat von "Gemeinsam für Lünen" (GfL).

Andreas Dahlke ist Landratskandidat von „Gemeinsam für Lünen" (GfL). © Alexander Heine

Andreas Dahlke (GfL): „Klimaschutz ist für mich Chefsache“

Der Kandidat von „Gemeinsam für Lünen“, Andreas Dahlke (55), sagt in Bezug auf den ausgerufenen Klimanotstand: „Das Bedrucken von Papier bewirkt keinen Klimawandel.“ Der Klimanotstand verlange ein Umdenken in vielen Bereichen, aber um die Menschen mitzunehmen, dürfe die Transformation in Mobilität, Produktion, Wirtschaft und Konsum nicht das Etikett „Verzicht“ tragen, sondern müsse Spaß machen. Beispielhaft nennt er die kostenlose Nutzung von Bus und Bahn. „Klimaschutz ist für mich Chefsache“, schreibt Dahlke weiter, als Unternehmer im Landschafts- und Gartenbau hänge sein Herz an der Natur. Seine persönliche CO2-Bilanz würde er veröffentlichen.

Alle Fragen und Antworten in voller Länge stehen auf der Seite des Vereins Renergie Ruhr-Hellweg: www.renergie-ruhr-hellweg.de
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