Sich einmal wie ein richtiger Wissenschaftler fühlen, tiefe Einblicke in die Welten der Chemie und der Technik erhalten – genau dies ermöglichte das Bayer-Werk Bergkamen Besuchern am Tag der offenen Tür.

von Katja Wiemers

Bergkamen

, 21.09.2019, 19:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Was bei uns zählt, das ist der Spaß an der Arbeit und nicht unbedingt die Noten. Der Rest gibt sich mit der Zeit von ganz allein“, sagt Karl Heinz Grafenschäfer. Der Ausbildungsleiter, seit 35 Jahren beim Chemie-Unternehmen Bayer, begrüßt beim Tag der offenen Tür viele Interessenten in dem Chemiewerk. Von der Ausbildung zum Chemikanten über den Beruf des Anlagenmechanikers bis hin zur Ausbildung bei der Wehrfeuerwehr hat das Unternehmen viele unterschiedliche Ausbildungsberufe vorzustellen. Durchschnittlich 50 Lehrstellen werden im kommenden Jahr angeboten.

„Was bei uns zählt, sind nicht unbedingt die Noten“

Die Teilnehmer konnten mit Tablet und Barcodes die Anlagenteile in der Labor-Abteilung kennen lernen. © Marcel Drawe

Franziska Müller ist bereits im dritten Lehrjahr zur Chemikantin und definiert die Kern-Voraussetzung für die Ausbildung folgendermaßen: „Unser Arbeitsplatz ist hier wie eine große Küche, die wichtigste Voraussetzung für die Ausbildung zum Chemikanten ist es, kochen zu können“, sagt sie. Bayer als Arbeitgeber scheint für Müller allmählich zur Familientradition zu werden. „Mein Papa arbeitet auch hier. Und noch andere Familienmitglieder, daher kannte ich Bayer vor Ausbildungsbeginn natürlich schon ganz gut.“

„Was bei uns zählt, sind nicht unbedingt die Noten“

In der Metall-Lehrwerkstatt konnten die Besucher unter Anleitung selber Flaschenöffner bauen. © Marcel Drawe

In ihrem Arbeitsalltag hat die Auszubildende Überwachungsmonitore im Blick, beispielsweise kontrolliert sie Temperatur oder Reaktionsverhalten von Wirkstoffen. Vor allem schätzt Müller an Bayer das Arbeitsklima: „Hier läuft alles ganz ruhig ab, vor allem finde ich es toll, dass man eine Aufgabe nach der anderen erledigen kann und nicht hundert Dinge gleichzeitig tun muss.“

„Was bei uns zählt, sind nicht unbedingt die Noten“

Chinemerem (9, l.) und Chidiebere (11, r,) versuchen, mit Fahrrädern die Energie für die Rennautos zu erzeugen © Marcel Drawe

Stichwort

Bayer

  • Bergkamen ist der größter Standort des Chemie-Unternehmens Bayer zur Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe
  • Weltweit bekannt ist der Standort durch sein Fachgebiet der Hormonsynthese
  • Das Werk beschäftigt aktuell ca. 1500 Mitarbeiter, darunter ca. 150 Auszubildende

Jan Seeplöcker besucht mit seiner Klasse den Tag der offenen Tür. Nach seinem Besuch bei der Werksfeuerwehr sagt er: „Bei der Feuerwehr scheint es hier nicht so viel Action zu geben wie bei der normalen Berufsfeuerwehr.“ Dass dieser erste Eindruck des 15-jährigen Besuchers falsch ist, das weiß Ausbildungsleiter Grafenschäfer ganz sicher: „Die Feuerwehrleute haben oft Alarmbereitschaft. Das Kritische ist, dass wenn etwas passiert, die Arbeitsleistung binnen weniger Sekunden von null auf hundert ansteigen muss. Das ist nicht immer so leicht.“ Jasmin Dietke, Auszubildende bei der Wehrfeuerwehr im zweiten Lehrjahr, ist nach wie vor begeistert von ihrer Ausbildung. Zuerst absolvierte sie anderthalb Jahre lang eine Lehre im Handwerk, nun durchläuft sie die reine Feuerwehrausbildung. Als Vorteil sieht Dietke dass eine hohe Chance bestehe, nach der Ausbildung bei Bayer bleiben zu können.

„Was bei uns zählt, sind nicht unbedingt die Noten“

Auch die Lehrer (hier der Anne-Frank-Schule Hamm) probieren die Angebote aus, hier mit möglichst vielen Treffern in den Löchern die Autos auf der Rennstrecke voran bringen. © Marcel Drawe

Ein weiterer Ausbildungsberuf ist der des Anlagenmechanikers. Manuel Zielinski befindet sich in der Endphase seiner Ausbildung mit der Fachrichtung Schweißtechnik. Wie schon Franziska Müller kam Zielinski durch einen Familienangehörigen zu Bayer. Ursprünglich verfolgte er den Plan, Klempner zu werden. Nach reichlichen Überlegungen aber bewarb er sich bei dem Chemieriesen, der das frühere Schering-Werk in Bergkamen übernommen hatte. „Hier stimmt alles. Wir haben Gewerkschaften, wir haben hier als Azubis Rechte und werden fair bezahlt.“ Ein weiterer Pluspunkt für das Unternehmen ist für den Auszubildenden die Gesundheitsförderung, die eines der Grundprinzipien des Unternehmens darstellt. „Es ist Pflicht, sich hier regelmäßig durchchecken zu lassen und bald nehme ich auch eine kostenlose Impfung in Anspruch, die normalerweise nicht so günstig ist“, sagt er.

„Was bei uns zählt, sind nicht unbedingt die Noten“

© Marcel Drawe

Am Tag der offenen Tür können Besucher auch selbst tätig werden. Der Höhepunkt des Tages ist ein Wettbewerb, an dem 50 Schulmannschaften aus drei Jahrgängen teilnahmen und gegeneinander antreten. Von Fragen über die Bereiche Chemie und Technik geht es dabei über zum selbstständigen Experimentieren in den Laboren. Sich einmal wie echte Wissenschaftler fühlen, diese Chance nutzen die Schüler. Christine Oro Saavedra ist Werkstattleiterin bei den Anlagenmechanikern und hat die jungen Nachwuchstalente genau im Blick: „Die Schüler müssen bestimmte Aufgaben erledigen, wir wollen erkennen, wie strukturiert sie vorgehen, wie sie in einem Team zusammenarbeiten und ob sie Spaß an den Aufgaben haben.“

„Was bei uns zählt, sind nicht unbedingt die Noten“

Schülerwettbewerb bei Bayer: Jona (14, l.) und Lene (15, r.) vom Pestalozzi-Gymnasium Unna sollen das Werkstück auf die vorgegebenen Maße feilen. © Marcel Drawe

Als Sieger des Wettbewerbs des neunten Jahrgangs geht das Städtische Gymnasium Kamen hervor. Auf Platz fünf landete das Pestalozzi-Gymnasium Unna. Die Jahrgangsstufe 12 des Städtischen Gymnasiums Bergkamen erreichte Platz 2, gefolgt von der Gesamtschule Fröndenberg auf dem dritten Rang. In dem sechsten Jahrgang erkämpfte sich das Pestalozzi-Gymnasium Unna den vierten Platz.

Für Ausbildungsleiter Grafenschäfer ist der Tag der offenen Tür dann als erfolgreich anzusehen, wenn er seine Azubis bei Ausbildungsbeginn fragt, wie sie auf die Idee kamen, sich bei Bayer zu bewerben und diese dann antworten: „Durch den Tag der Chemie.“

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