Immer mehr Menschen wollen Plastikmüll vermeiden. Im Idealfall verzichtet man ganz auf die Verpackung. Bergkamener Lebensmittelhändler sind offen für Alternativlösungen. Das wissen aber wenige.

Bergkamen

, 26.09.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Was zu machen ist, das machen wir“, sagt Rita Köling von der Metzgerei Flechsig in Weddinghofen. Ihre Aussage trifft auf viele Lebensmittelhändler in Bergkamen zu. Sie sind offen für Umweltschutz und für die Vermeidung von Verpackungen. Die Metzgerei Flechsig betreten immer mehr Kunden mit eigenen Brotdosen. „Die Kunden stellen die Dosen auf die Theke und wir befüllen sie.“

Auch die Fleischerei Kralemann in Oberaden und die Metzgerei Jörrihsen in Rünthe befüllen auf Wunsch mitgebrachte Dosen. Weil sie die Dosen nicht berühren dürfen, ist das relativ aufwendig. „Es wäre schön, wenn es dafür ein System geben würde“, sagt Veronika Kralemann. Auch Mechthild Niggemann, die manchmal alleine hinter der Theke der Metzgerei Jörrihsen steht, sagt, dass sie mitgebrachte Dosen nur befüllt, wenn sie dafür genug Zeit hat. „Es nimmt Zeit in Anspruch.“

Das hat hygienische Gründe. „Es dürfen keine Keime von den Dosen in die Theke gelangen“, erklärt Dr. Katja Moss von der Lebensmittelüberwachung des Kreises Unna. Die Kunden müssten ihre Dosen deshalb auch selber mit einem Deckel verschließen.

Die hygienischen Grundregeln müssen eingehalten werden

Laut Moss gibt es zwei Möglichkeiten, wie das Fleisch in die Dosen der Kunden gelangen kann. Entweder die Dose wird auf einem Tablett hinter die Theke gereicht oder sie wird auf der Theke abgestellt und das Fleisch gelangt quasi fliegend in die Dose – ohne dass die Verkäuferin diese berührt.

Moss und ihre Kollegen finden an dieser Methode nichts Bedenkliches, solange die Vorschriften eingehalten werden. „Die Grundregeln sind die gleichen“, betont sie. Es werde jedoch künftig eine spezielle Leitlinie für den verpackungsfreien Verkauf herausgeben.

Moss lobt die Kunden, die Verpackungen vermeiden wollen. Das Thema sei jedoch noch sehr neu. Noch wissen längst nicht alle Kunden, dass sie bei ihrem Metzger des Vertrauens Verpackungen vermeiden können. Mechthild Niggemann macht ihre Kunden deshalb auch darauf aufmerksam. „Wenn ein Kunde nur ein Teil braucht, dann frage ich, ob er wirklich eine Tragetasche benötigt.“ Leider gebe es aber noch viele Leute, die dann trotzdem eine Tüte wollen.

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Umstellung für Kunden und Verkäufer

Niggemann verwendet nicht mehr Papier als nötig und auch die Metzgerei Kralemann versucht sparsam mit Verpackungen – vor allem Plastik – umzugehen. Es gebe aber Fleisch, dass durchnässe, wenn man es nur in Papier einpacke, erklärt Veronika Kralemann. Sie sei jedoch offen für neue Lösungen.

Dass es erst einmal umständlich und kompliziert für die Lebensmittelhändler ist, dafür hat die Lebensmittelüberwacherin Moss Verständnis.

„Es ist noch neu und man muss sich erst einmal umgewöhnen. Der Arbeitsablauf muss sich noch einspielen“, sagt sie. Während noch nicht alle Kunden von der neuen Art, frisches Fleisch oder Käse zu kaufen, wissen, beschäftigen sich die Lebensmittelhändler schon länger damit.

„Sie wenden sich auch an uns, wenn sie Fragen haben“, sagt Moss. Die Lebensmittelüberwachung kontrolliert nicht nur, sondern steht auch beratend zur Seite – was vor allem jetzt wichtig ist, da es noch keine einheitliche Leitlinie gibt und viele nach dem besten, umweltfreundlichsten Weg suchen, ihre Ware zum Kunden zu befördern.

Dazu gehören übrigens nicht nur die Metzger, sondern auch die Bäckereien, die so viel wie möglich in Papier einpacken. „Viele Kunden wollen ihr Brot noch in der Plastiktüte haben, weil sie glauben, dass es darin frischer bleibt. Das ist aber nicht so“, erklärt Benjamin Brasse von Kathi‘s Café Konditorei Backmanufaktur an der Hochstraße. Das Café setzt zunehmend auf Papierverpackungen und hat längst Plastikflaschen durch Glasflaschen ersetzt.

Auch eigene Kaffeebecher sind gerne gesehen. Wie die Metzger sind auch Bergkamener Bäcker offen für die Reduzierung von Verpackungen. Doch viele Kunden haben das noch nicht verinnerlicht. „Es kommt im Schnitt zwei Mal pro Woche ein Kunde mit einem Jutebeutel“, sagt Brasse. Denn auch beim Brötchenkauf geht es ohne Tüte – ebenfalls unter bestimmten Hygiene-Voraussetzungen.

Warum immer mehr Bergkamener mit Brotdose zum Metzger gehen (sollten)

Natalie Rommel packt in Kathis Café ein Roggenmischbrot in eine umweltfreundliche Papiertüte. © Stefan Milk

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Auch Supermärkte bieten verpackungsfreien Verkauf an

Nicht nur die Verkäufer, sondern auch die Kunden müssen sich also noch an die neuen, umweltfreundlichen Möglichkeiten gewöhnen. Gut eingespielt sind laut Moss mittlerweile einige Supermarktketten.

Sie hätten die Möglichkeit, einheitliche Regelungen für ihre Geschäfte zu schaffen. Die gibt es zum Beispiel auch in den beiden Kaufland-Filialen in Mitte und Rünthe, an deren Theken Kunden mit Frischeboxen willkommen sind.

Von der Theke in die Brotbox

Darauf sollten Kunden achten

  • Dr. Katja Moss von der Lebensmittelüberwachung des Kreises Unna sieht keine gesundheitlichen Bedenken im Kauf mit einem eigenen Behälter. Wichtig sei, dass die mitgebrachten Boxen sauber sind. Verschmutzte Behälter sollen die Verkäufer nicht annehmen.
  • Laut Annika Amshove, Sprecherin von Rewe, ist es zudem aus hygienischen Gründen vorgeschrieben, dass die Behältnisse nicht aus Glas oder Holz bestehen.
  • Kunden sollten sich zudem nicht wundern, dass es etwas länger dauert, wenn man mit der eigenen Box einkauft. Die Verkäuferinnen müssen sich noch an die neuen Abläufe gewöhnen. Doch das wird sich einspielen.
  • In Bergkamen achten mittlerweile viele Anbieter darauf, Verpackungen zu sparen. Also: Einfach eine eigene Box zum Metzger oder einen Coffee-To-Go-Becher zum Bäcker mitbringen und nachfragen.

„Da aus hygienischen Gründen keine Ware aus dem Verkaufsraum über die Theke gereicht werden darf, stellen unsere Kunden ihre Frischeboxen auf die Theke. Unsere Mitarbeiter wiegen die gewünschte Ware ab, legen sie direkt in die Behälter und befestigen den Bon auf dem Deckel“, beschreibt Sprecherin Anna Münzig den Vorgang. Es gebe immer wieder Kunden, die auf die Umverpackung verzichten möchten.

Auch der Rewe-Markt Liebendahl in Oberaden nimmt mitgebrachte Behältnisse an der Servicetheke an. „Dies geschieht auf Initiative unseres selbstständigen Rewe-Kaufmanns Norbert Liebendahl und in enger Absprache mit dem jeweils zuständigen Ordnungs- bzw. Veterinäramt“, so Pressesprecherin Annika Amshove. Da es noch keine bundesweite einheitliche Empfehlung gebe, müsse das Handhabungskonzept für jeden Markt individuell abgestimmt werden. Ob andere Rewe-Märkte in Bergkamen ebenfalls mitziehen, ließe sich aufgrund der dezentralen Struktur nicht herausfinden.

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Wie im Kaufland, ist auch im Oberadener Rewe der Ablauf beim Kauf ohne Verpackung genau vorgegeben. „Die Mitarbeiter kommen in keinem Prozessschritt mit dem Kundenbehälter in Kontakt“, so die Amshove.

Wie die meisten Bergkamener Lebensmittelhändler beobachtet auch Rewe, dass längst nicht alle Kunden von dem Angebot wissen bzw. davon Gebrauch machen. „Grundsätzlich ist die tatsächliche Nutzung des Services noch durch Kundenzurückhaltung gekennzeichnet“, sagt Amshove.

Mehr als den verpackungsfreien bzw. verpackungsarmen Kauf können die Lebensmittelhändler in Bergkamen nicht anbieten. Jetzt sind die Kunden gefragt.

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