Warum die Stadt „gute“ und „schlechte“ Schulden hat

dzStädtische Finanzen

Der Schuldenstand der Stadt Bergkamen liegt mit fast 108 Millionen Euro erschreckend hoch. Der Kämmerer sieht dennoch Raum für Investitionen. Die haben auch etwas mit den Schulden zu tun.

Bergkamen

, 09.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Bergkamener haben die Bürger der Stadt weniger Schulden als als Bewohner des Kreises Unna und als Nordrhein-Westfalen. Nach Berechnungen von Kämmerer Marc Alexander Ulrich liegt die Pro-Kopf-Verschuldung in der Stadt Bergkamen bei 2.210 Euro. Im Kreis beträgt sie 2.649 Euro, im Land 2.571 Euro. Der aktuelle Schuldenstand der Stadt hat eine Höhe von knapp 108 Millionen Euro. „Allerdings muss man zwischen guten und schlechten Schulden unterscheiden“, erläutert Kämmereileiter Volker Marquardt.

„Gute Schulden“ für Investitionen

„Gute Schulden“, das sind die Investitionskredite: Die Stadt leiht sich Geld, um zum Beispiel ihre Schulen zu renovieren, Straßen zu reparieren oder ein neues Schwimmbad zu bauen. Das mehrt das Vermögen der Stadt und letztlich haben auch die Bürger etwas davon, lautet die Argumentation. Aktuell hat das Rathaus solche Außenstände in Höhe von rund 38,7 Millionen Euro.

„Schlechte Schulden“ überziehen das Konto

Die „schlechten Schulden“ sind kurzfristige Liquiditäts- oder Kassenkredite, die die Stadt aufnimmt, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. „Das ist so, als ob man sein Girokonto überzieht“, sagt Marquardt. Derzeit steht die Stadt mit 69 Millionen Euro in den Miesen.

Warum die Stadt „gute“ und „schlechte“ Schulden hat

Die Kassenkredite sind für das Rathaus das, was für den Verbraucher der Dispo-Kredit des Giro-Kontos ist. Und wer überzieht, muss Zinsen zahlen. © Stephan Teine

Wer Schulden hat, muss Zinsen zahlen. Auch wenn die derzeit extrem niedrig sind. Und so hat Ulrich in seiner Finanzplanung auch den Schuldendienst einkalkuliert. Im Jahr 2020 bleibt das noch halbwegs überschaubar. Die jährlichen Zinszahlungen für die Investitionskredite sollen leicht über die Eine-Million-Euro-Marke steigen, die für die Kassenkredite knapp unter der 500.000-Euro-Linie bleiben.

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Ab 2021 steigen die Zinszahlungen

Ab 2021 ändert sich das. Die Zinszahlungen für die Investitionskredite wachsen Richtung 1,5 Millionen Euro. Das hängt damit zusammen, dass die Stadt in den nächsten Jahren ordentlich Geld in die Hand nehmen will, um zu investieren. Der Doppelhaushalt 2020/21 werde „ein Investitionshaushalt, kein Sparhaushalt“, sagt der Kämmerer. Allerdings liegen auch die Zahlungen für die Kassenkredite in den nächsten Jahren konstant über 500.000 Euro. Ulrich rechnet dennoch mit einem jährlichen Haushaltüberschuss, der bis 2024 auf rund 3,2 Millionen Euro steigen soll.

Das funktioniert aber nur, wenn sie Zinsen so niedrig bleiben, wie sie sind. Doch selbst ein moderater Anstieg wäre wohl zu verkraften, meint Maquardt: Um das Zinsrisiko aufzufangen, seien für die Kredite unterschiedliche Laufzeiten vereinbart.

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