Warum die Bibliotheks-Mitarbeiter zu Lotsen im Medien-Dschungel werden sollen

dzDigitalisierung

Wer ein gutes Buch sucht, wird in der Stadtbibliothek nach wie vor fündig. Aber längst geht es dort nicht mehr allein um gedruckten Lesestoff. Und die Digitalisierung schreitet voran.

12.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es nach Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich geht, dann bricht in der Bergkamener Stadtbibliothek bald die neue Zeit der Digitalisierung an. Allerdings muss er erst einmal eine neue Leiterin oder einen neuen Leiter suchen. Der Posten ist vakant, seitdem die bisherige Bücherei-Chefin Jutta Koch im Juni in den Ruhestand gegangen ist. „Wir wollen die Stelle zum 1. Mai 2020 besetzen“, sagt Ulrich. Bis dahin ist die Bücherei bei der kommissarischen Leiterin Katrin Gabriel in guten Händen.

Warum die Bibliotheks-Mitarbeiter zu Lotsen im Medien-Dschungel werden sollen

Die Stadtbibliothek hat sich längst zu einem Ort des Lernens entwickelt. © Stefan Milk


Freitagnachmittags ist geschlossen

Die Nutzer bekommen die dünnere Personallage allerdings zu spüren. Bis auf weiteres bleibt die Bibliothek am Stadtmarkt Freitagnachmittags geschlossen. Wenn es nach den Plänen von Ulrich geht, werden die Bücherfreunde aber demnächst ein Stück weit von den Öffnungszeiten unabhängig werden. Ulrich hegt schon seit Längerem den Plan, einen Selbstleihautomaten für die Bibliothek anzuschaffen. Der soll von außen zugänglich sein, so dass die Nutzer ihre Bücher rund um die Uhr zumindest zurückgeben können. Die neue Büchereileitung soll sich allerdings auch Gedanken darüber machen, wie auch die Ausleihprozedur auf Selbstbedienung umgestellt werden kann. Ulrich denkt dabei an Automaten, die ähnlich funktionieren, wie die Selbst-Scannerkassen in großen Möbel- oder Supermärkten. In anderen Stadtbibliotheken, zum Beispiel in Unna, gibt es so etwas schon.

Warum die Bibliotheks-Mitarbeiter zu Lotsen im Medien-Dschungel werden sollen

Wer ein gutes Buch sucht, wird immer noch fündig. © Stefan Milk


Bei der Onleihe kann man E-Books leihen

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in der Kreisstadt zeigt aber auch, dass die Bergkamener Bibliothek die Digitalisierung schon bisher nicht komplett ignoriert hat. Seit geraumer Zeit haben sich die Bibliotheken aus Bergkamen, Kamen, Unna und Werne zu dem Portal www.bibliotheken-im-kreis-unna.de/ zusammengetan, in dem sich zum Beispiel die jeweiligen Medienbestände abfragen lassen. Außerdem gibt es auch in Bergkamen eine Möglichkeit, Lesestoff völlig unabhängig von den Öffnungszeiten zu entleihen: die Onleihe. Sie bietet registrierten Nutzern die Möglichkeit, sich E-Books befristet auf ihr Lesegeräte herunterzuladen. „Das wird gut genutzt und immer wichtiger“, sagt Ulrich. Allerdings glaubt der Kulturdezernent auch weiterhin an die Zukunft des gedruckten Buches. Das sei letztlich eine Frage der Lese-Gewohnheiten, meint er.

Warum die Bibliotheks-Mitarbeiter zu Lotsen im Medien-Dschungel werden sollen

Die Stadtbibliothek ist im Begegnungszentrum am Stadtmarkt untergebracht. © Marcel Drawe




Neue Vielfalt, neue Unübersichtlichkeit

Auf diese Weise führt die Digitalisierung zu einer neuen Vielfalt - und zu einer neuen Unübersichtlichkeit. Dass ist auch der Grund, warum Ulrich in der Bibliothek auf Automatisierung setzt, die auf Dauer die große Ausleihtheke überflüssig machen könnte. Ihm geht es keineswegs darum, Personal einzusparen. „Aber die Mitarbeiter sollen mehr Zeit dafür haben, die Nutzer zu beraten“, sagt Ulrich. „Sie sollen zu Lotsen durch den Medien-Dschungel werden.“ Denn längst kommen nicht nur Menschen ins Begegnungszentrum am Stadtmarkt, die ein Buch für die entspannende Abendlektüre suchen. Die Bibliothek begreift sich als Bildungs- und Lernzentrum. Und die Informationsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Ausgefallene Fachbücher können die Bibliotheksmitarbeiter per Fernleihe besorgen. Und an den Computern leisten sie Hilfe bei der Suche nach verlässlichen Informationsquellen in den Weiten des Internets. Aber auch an die Menschen, die ein Buch vor allem aus Genuss-Gründen in die Hand nehmen, ist nach wie vor gedacht: Sie dürfen zum Beispiel in den gemütlichen Lesesesseln in der jüngst neu gestalteten Romanabteilung Platz nehmen.

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