Warum die Bergkamener Protestanten das Wort „Fusion“ - noch - nicht in den Mund nehmen

dzEvangelische Kirche

Die Probleme der katholischen und evangelischen Gemeinden gleichen sich. Die Bergkamener Katholiken reagieren darauf mit einer Fusion. Dieses Wort meiden die Protestanten lieber.

Bergkamen

, 17.09.2019, 13:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stetig sinkende Mitgliederzahlen, Mangel beim Pfarrer-Nachwuchs und perspektivisch einbrechende Kirchensteuerzahlen. Die Probleme der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinden in Bergkamen ähneln sich. Die Katholiken ziehen daraus den Schluss, ihre fünf Gemeinden zu Beginn des neuen Jahres zu fusionieren. Später soll die neue Gemeinde mit dem Namen „Heiliger Geist“ Bestandteil des so genannten Pastoralen Raumes mit Kamen und Bönen werden.

Warum die Bergkamener Protestanten das Wort „Fusion“ - noch - nicht in den Mund nehmen

Ihre Kinderbibelwoche gestalten die Gemeinden eigenständig, aber auch in der Jugendarbeit gibt es Kooperationen. © Stefan Milk


Protestanten entscheiden selbst über eine Fusion

Dass die Bergkamener Protestanten diesem Beispiel nicht folgen, hat auch etwas mit der Struktur der evangelischen Kirche zu tun. „Die einzigen, die entscheiden können, ob wir fusionieren wollen, sind wir selbst“, sagt Pfarrer Reinhard Chudaska aus der Martin-Luther-Gemeinde. Die Pläne der Katholiken für den Pastoralen Raum hingegen gingen vom Erzbistum in Paderborn aus. Wobei auch eine evangelische Gemeinde nicht völlig autonom agieren kann. Das zeigt das Beispiel der Kapelle Heil, die die Luther-Gemeinde im vergangenen Jahr aufgegeben hat. Die Initiative dazu ging von der Evangelischen Landeskirche von Westfalen aus, die die Gemeinden aufforderte, einen kritischen Blick auf ihren Gebäudebestand zu werfen.


Warum die Bergkamener Protestanten das Wort „Fusion“ - noch - nicht in den Mund nehmen

Im Sommer 2018 hat die Luther-Gemeinde die Kapelle Heil aufgegeben. © Stefan Milk


Empörung in Heil

Viele Heiler reagierten empört auf das Kapellen-Aus, sie fürchteten, dass die Gemeinde ihren Stadtteil vernachlässigt. Das ist vermutlich einer der Gründe, warum etliche Gemeindemitglieder auf das Wort „Fusion“ eher allergisch reagieren. Die Martin-Luther-Gemeinde ist bereits das Ergebnis eines Zusammenschlusses, den die Kirchengemeinden von Oberaden einerseits sowie Rünthe und Heil andererseits vollzogen. Bis aus der formellen Fusion eine echte Einheit wurde, hat es gedauert. Zumal die Luther-Gemeinde im Lauf der Jahre auch andere Einrichtungen wie zum Beispiel das Jochen-Klepper-Haus aufgegeben hat.

Warum die Bergkamener Protestanten das Wort „Fusion“ - noch - nicht in den Mund nehmen

Ihre Kinderkirche bietet die Martin-Luther-Gemeinde abwechselnd in Oberaden und in Rünthe an. © Stefan Milk


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Gläubige mussten sich von Gemeindehäusern verabschieden

Ähnliche Erfahrungen haben auch die Gläubigen der Friedenskirchengemeinde gemacht, die 1971 aus dem Zusammenschluss der Protestanten aus Bergkamen, Weddinghofen und Overberge entstand. Auch deren Mitglieder mussten sich im Lauf der Jahren von Gottesdienststätten wie dem Wichernhaus oder der Büscherstiftung verabschieden. Anfangs spielten die verschiedenen Pfarrbezirke noch ein wichtige Rolle. Inzwischen sind viele Gemeindegruppen stadtteilübegreifend aktiv, meint Pfarrer Frank Hielscher aus der Friedenskirchengemeinde

Warum die Bergkamener Protestanten das Wort „Fusion“ - noch - nicht in den Mund nehmen

Auch bei der Kirchenmusik kooperieren die Gemeinden. © Stefan Milk


Die Gemeinden wachsen zusammen

In der Luther-Gemeinde sei das ähnlich, berichtet Chudaska. Er sieht noch ein weiteres Indiz für die Gemeinde-Einheit: Vor einigen Jahren hat das Presbyterium die Parität abgeschafft, nach der die Sitze in dem Führungsgremium gleichwertig zwischen Oberaden und Rünthe/Heil verteilt sein mussten. Das wiederum hängt vermutlich damit zusammen, dass es für die Gemeinden angesichts des Mitglieder-Schwundes immer schwieriger wird, ehrenamtlich Engagierte zu rekrutieren. Und auch bei den Hauptamtlichen könnte es auf Dauer eng werden.

Die große Ruhestandswelle

Zwar hat in der Luther-Gemeinde vor rund zwei Jahren mit Sophie Ihne eine neue Pfarrerin angefangen. Und dass sich das Presbyterium für eine Theologin, die Anfang 30 ist, entschied, hat einen guten Grund. Chudaska, Hielscher und die anderen evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer sind alle in einem ähnlichen Alter und gehen demnächst innerhalb weniger Jahre in den Ruhestand. Spätestens dann könnte das Thema Fusion doch auf die Tagesordnung rücken.

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