Im Römerpark laufen die Vorbereitungen für das Römerfest am 14. und 15. September. Museumschef Mark Schrader plant einige Neubauten – und will damit archäologische Erkenntnisse gewinnen.

Oberaden

, 29.08.2019, 14:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Römermuseum in Haltern am See ist um einige Nummern größer als das Bergkamener Stadtmuseum. Gleichwohl blicken die Museumsfachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) durchaus auch nach Oberaden. Insbesondere in den Römerpark. Dort steht bekanntlich eine Holz-Erde-Mauer, eine Rekonstruktion eines Abschnittes des Bauwerkes, das in der Zeit um 11 v. Chr. das Römerlager im heutigen Oberaden umfasste. Auch in Haltern gibt es eine Römermauer.

Warum die Archäologen aus Haltern auf das Holz im Bergkamener Römerpark blicken

Im Römerpark laufen die Vorbereitungen für das Römerfest am Wochenende 14. und 15. September. © Stefan Milk


Das Holz der Bergkamener Römer-Mauer ist haltbarer

Sie ist größer als das Bergkamener Gegenstück, aber auch deutlich jünger. Die Bergkamener Holz-Erde-Mauer ist bereits 2012 gebaut worden. Und zwar aus abgelagertem Holz, wie der Bergkamener Museumsleiter Mark Schrader berichtet. Das Bauwerk in Haltern hingegen besteht aus frisch geschlagenen Stämmen, was dazu führt, dass das Holz noch arbeitet und die LWLer baulich auch schon mal nachbessern müssen. Das muss kein Schaden sein. Denn aus solchen Erfahrungen können die Altertumsforscher durchaus wissenschaftliche Erkenntnisse ziehen, erläutert der Archäologe Mark Schrader.

Der Park ist eine experimentelle Baustelle

Und deshalb betrachtet Schrader den Römerpark als eine experimentelle Baustelle. Denn die Neubau-Projekte dienen nicht nur dazu, Besucher anzulocken. Schrader will auch herausfinden, auf welche Weise die Alten Römer gebaut haben: „Das sind noch viele Frage offen“, sagt der Altertumsforscher. Ein Beispiel dafür ist ein Holz-Unterstand im Schatten der Holz-Erde-Mauer, den Schrader gerade in Arbeit hat. Der soll Besuchern und Handwerkern einerseits Schutz vor dem Wetter bieten. Zugleich bemüht sich Schrader um eine möglichst authentische Konstruktion, um der Bauweise der Römer auf die Spur zu kommen. So verwenden die Handwerker für den Unterstand ausschließlich Holznägel, wie es sie schon in der Antike gab.

Fest im Römerpark

Legionäre und Gladiatoren

Das Stadtmuseum Bergkamen feiert sein Römerfest im Römerpark am Wochenende 14. und 15. September. Der Römerpark, der sich an der Straße Am Römerberg 1 in Oberaden befindet, hat am Samstag von 14 bis 21 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Darsteller von römischen Legionären und germanischen Stämmen werden den Besuchern einen Eindruck vom Leben im Römerlager und in der Antike geben. In der Arena im Römerpark gibt es Gladiatorenkämpfe. Informationen über den Römerpark gibt es im Internet unterwww.roemerpark-bergkamen.de

Baumstämme lagern seit zwei Jahren im Römerpark

Manchmal besteht so ein archäologisches Experiment auch darin, den Dingen ihren Lauf zu lassen und zu sehen, was passiert. So lässt Schrader schon seit zwei Jahren Baumstämme im Römerpark unter freiem Himmel liegen, um herauszufinden, wie sich die lange Zeit auf ihre Verwendbarkeit für Bauten auswirkt. Das Holz ist auf unterschiedliche Weise bearbeitet worden. Ein Teil ist gesägt, so wie es in modernen Sägewerken üblich ist. Diese Stämme hätten sich verändert, berichtet Schrader, und das sei für Baumaterial keine gute Voraussetzung. Die anderen Stämme haben die Handwerker nach antiker Manier gespalten: „Da tut sich nichts“, sagt Schrader. Die alten Römer wussten also, womit sie bauten.

Warum die Archäologen aus Haltern auf das Holz im Bergkamener Römerpark blicken

Beim Römerfest erfahren die Besucher, wie die römischen Legionäre an ihr Brot kamen: vom Mahlen des Korns bis zum Backen im Ofen. © Stefan Milk


Beim Römerfest wird auch gebacken

Aktuell wartet Schrader auf eine Lieferung Lehm. Damit will er den Ofen fertigstellen, der im Zentrum der Küchenabteilung des Römerparkes steht. Dort können die Besucher nachvollziehen, wie die römischen Legionäre an ihr Brot kamen. „Wir zeigen den Prozess vom Mahlen des Korns bis zum Backen.“ Der Ofen soll spätestens zum Wochenende 14. und 15. September wieder funktionsfähig sein. Dann feiert das Stadtmuseum sein 3. Internationales Römerfest. Dafür haben sich laut Schrader rund 60 Akteure angemeldet, die das antike Leben nachstellen wollen. Und den Titel der Veranstaltung müsste der Museumschef eigentlich erweitern.

Warum die Archäologen aus Haltern auf das Holz im Bergkamener Römerpark blicken

Auch für die Germanen ist Platz im Römerpark: Mark Schrader hat dort einen „Heiligen Hain“ zur Darstellung von Kulthandlungen eingerichtet. © Stefan Milk


Ein „Heiliger Hain“ für die Germanen

Denn es kommen auch germanische Gruppen. Die haben ebenfalls ihren Platz im Römerpark. Am Waldrand hat Schrader inzwischen einen „Heiligen Hain“ eingerichtet, in dem die Germanen-Darsteller kultische Handlungen demonstrieren. Das experimentelle Bauen im Römerpark geht auch nach dem Römerfest weiter. Bei einem Holz-Workshop in den Herbstferien könnten zum Beispiel Teilnehmer die Holzschindeln für das Dach des neuen Unterstandes bauen. Aber der Herr des Römerparkes hegt auch längerfristige Pläne: Darauf weist eine lehmige Baustraße hin, die auf dem Gelände in Richtung Norden führt. An ihrem Ende soll dereinst das Nordtor stehen.

Entwurf für das Nordtor wird im November vorgestellt

Die Pläne dafür gibt es schon, der Architekt und Archäologe Dr. Kees Peterse wird seinen Entwurf dafür bei der nächsten Mitgliederversammlung des Museumsfördervereins vorstellen. Dann will Schrader auf die Suche nach Spendern und Sponsoren gehen, um das Ganze zu finanzieren. Und er wird sich mit noch einer weiteren Schwierigkeit befassen müssen, vor der die Römer beim Lagerbau nicht standen: „Für das Nordtor brauchen wir eine Baugenehmigung.“

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