Krank und ausgetrocknet: Die Buchen und Fichten im Lüttke Holz verdursten

dzHitzewelle schadet Wäldern

So desaströs war die Lage noch nie. Die Hitze schadet den Wäldern enorm, Zeit zum erholen haben die Bäume nicht. Die Fichten leiden seit dem vergangenen Jahr – und jetzt gibt es noch ein Sorgenkind.

Bergkamen

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt der Forstamtsleiter beim Regionalverband Ruhr (RVR), Kersten Blaschczok. Besonders hoffnungsvoll klingt das, was der Baumexperte über die Wälder – unter anderem den Lüttke Holz in Bergkamen – sagt, aber nicht. Er könne sich nicht daran erinnern, dass die Lage jemals so desaströs gewesen sei. Im vergangenen Jahr schwächelten die Fichten. Der Baumbestand ist extrem zurückgegangen. Nun haben die Förster ein neues Sorgenkind: Die Buchen. „Die Lage ist ernst“, sagt Blaschczok. Vor ein paar Wochen war er mit dem für Bergkamen zuständigen Revierförster Oliver Stenzel-Franken vor Ort. Im Lüttke Holz seien rund zehn Prozent der Buchen erkrankt: „Die Bäume sahen schlecht aus“. Die Kronen sind licht, es gibt krallenartige Auswüchse. Betroffen sind vor allem alte Bäume, die über 120 Jahre alt sind. Das sei schade, denn was über Generationen wuchs, stirbt schlagartig.

Schuld an dem Zustand der Bäume ist die Dürre. „Wer durstig und hungrig ist, wird schneller krank. Das ist bei Bäumen so wie bei Menschen“, sagt Blaschczok. Auch Käfer – wie der Buchdrucker – befallen Buchen, auch wenn sie es in der Vergangenheit eher auf andere Baumarten abgesehen haben. Die Trockenheit verändert alles. Der deutsche Forstwirtschaftsrat spreche sogar von einem Burnout des Waldes, so Blaschczok.

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Dürre schadet Buchen

Hitze trocknet Äste aus: Warnung vor Grünastabbrüchen

Bäume die nicht – etwa weil sie an einer Straße stehen – schon jetzt gestutzt oder gefällt werden, werden wohl in der nächsten Einschlagperiode fallen. Der Forstamtsleiter warnt Waldbesucher zudem vor abbrechenden Ästen – das können kranke, aber auch grüne Äste sein. Sie sind ausgetrocknet und brechen schneller. Ein weiteres Problem hat nicht direkt mit der Waldlandschaft zu tun. Wenn es so weiter gehe, könnte bald der Holzmarkt einbrechen, sagt Blaschczok. Est waren die Fichten im Überangebot, bald vielleicht die Buchen. „Dann sind die Preise im Sinkflug.“

Blaschczok hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, doch er sagt deutlich, dass die Situation in diesem Jahr schlimmer ist, als im vergangenen. Alles begann mit dem Sturmtief Friederike im Januar 2018 und dem darauffolgenden Dürresommer. Die Bäume hatten seitdem keine Chance, sich zu erholen. Ein kurzes Gewitter reicht nicht aus. Bäume sind eben wie Menschen. Zwei Tage Urlaub heilen kein Burnout – und genau das könnte den Buchen bevorstehen. Sie sind gestresst und können sich langsam nicht mehr gegen Hitze und fiese Käfer wehren.

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