Warum Senioren in der freien Natur baden – und übers Wasser laufen

dzHermann-Görlitz-Seniorenzentrum

Das Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum setzt auf Natur pur. Die Waldbilder an den Wänden sind erst der Anfang. Senioren gehen im Wald baden – und laufen über Stock und Stein. Das Ganze hat einen Grund.

Bergkamen

, 17.09.2019, 13:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst auf hellem, feinen Sand, über grobe Kieselsteinchen laufen, über Holzbretter und schließlich auf blauen, rund geschliffenen Glasstücken, die sich unter den Füßen anfühlen sollen, wie erfrischendes Wasser. Um das zu erleben, müssen die Bewohner des Hermann-Görlitz-Seniorenzentrums nicht an die Ostsee fahren oder in den tiefsten Schwarzwald.

Die verschiedenen Böden, die der Haut unter den Füßen eine wahre Tastkirmes bieten, gibt es bald direkt vor ihrer Tür. Ein sogenannter Barfußpfad mit unterschiedlichen Stationen führt sie über Böden mit unterschiedlichsten Beschaffenheiten. „Das fördert die Durchblutung, aber auch die Kommunikation. Die Bewohner sollen mit ihren Angehörigen über den Pfad gehen“, erklärt Einrichtungsleiter Ludger Moor. Auch für die Haltung sollen Barfußpfade förderlich sein und für das Immunsystem. Außerdem wird die Fußmuskulatur gestärkt.

Der Weg ist rund 120 Meter lang und stehe kurz vor der Fertigstellung. Realisieren konnte die Einrichtung das Projekt dank Spenden, sagt Moor. Er warte derzeit auf eine angekündigte größere Spende. Sie soll in eine Fußwasch-Station am Ende des Weges investiert werden.

Der Pfad ist ein Teil auf dem Weg zur Kneipp-Zertifizierung, die das Seniorenzentrum anstrebt. Der Kneipp-Bund ist ein gemeinnütziger Verein. Er zertifiziert Einrichtungen, die das Kneipp-Gesundheitskonzept in ihren Alltag einbinden. Die Vision des Verein ist es, dass gesunde Menschen im Einklang mit sich, den Anderen und der Natur sind.

Senioren gehen in den Wald und der Wald kommt zu den Senioren

Elf Mitarbeiter des Seniorenheimes lassen sich fortbilden. Sie lernen unter anderem Wasseranwendungen kennen und erfahren, wie man Pflanzen für Tees selber anbaut. „Naturbelassene und vollwertige Ernährung und ein wohl durchdachtes Bewegungsangebot inklusive Gedächtnistraining runden das Alltagsprogramm ab“, so der Kneipp-Bund über die Voraussetzungen für eine Zertifizierung.

In dem Bergkamener Seniorenheim, das sich im Oktober 2020 zertifizieren lassen will, sieht es schon jetzt nach Natur pur aus.

An den Wänden hängen große Bilder mit schönen Wäldern oder saftig grüne Baumkronen, durch die Sonnenstrahlen scheinen. Hinzu kommen bald große Waldtapeten, die in jedem Wohnbereich aufgehängt werden. „Durch das Ansehen der Waldbilder werden positive Erinnerungen hervorgerufen. Außerdem haben sie eine beruhigende Wirkung“, sagt Moor.

Zusätzlich wird seit neustem Waldbaden angeboten – „ein Trend aus Japan“, so Moor. Dabei baden die Senioren nicht wirklich, sondern halten sich einfach im Wald auf und machen zum Beispiel Atemübungen. Durch den Aufenthalt im Wald sollen Angstzustände, Depressionen und Wut verringert, Stresshormone abgebaut und die Vitalität gesteigert werden Außerdem soll durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume in die Luft abgeben, das Immunsystem stärken.

Warum Senioren in der freien Natur baden – und übers Wasser laufen

Saftiges grün, frische Luft und angenehme Stille – Waldbaden ist ein neuer Trend, der sehr gesund sein soll.

Nicht nur Senioren beschreiten den Barfußpfad

Nicht nur die Senioren sollen von der neuen Ausrichtung der Einrichtung profitieren. Auch die Kita, die auf dem Gelände des Seniorenzentrums entstehen wird, soll eine Kneipp-Zertifizierung erhalten, sagt Moor. Die Kinder dürfen den Barfußpfad ebenso benutzen wie die Senioren – und zwar nicht nur die Kinder von nebenan, sondern auch andere Kindergruppen. Der Pfad zeigt, dass es bei dem Projekt nicht nur um die Gesundheit geht, sondern auch ums Miteinander.

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