Vorbestrafter Bergkamener dachte, er hat das Hanf legal erworben – dann kam die Anklage

dzGericht

Ein Bergkamener wollte sein Leben ändern. Entsprechend groß war sein Entsetzen, als er die Ladung zur Gerichtsverhandlung erhielt. Der Grund für die Anklage waren 14,4 Gramm Marihuana.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 30.10.2019, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach 14 gesammelten Vorstrafen wollte ein Mann aus Bergkamen sein Leben ändern. Inzwischen Vater in einer Beziehung mit fester Arbeitsstelle, wollte er nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten, so seine Angaben.

Entsprechend groß war sein Entsetzen, als er die Ladung zur Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Kamen erhielt. Der Vorwurf am Mittwoch: unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln. Für den Angeklagten völlig unverständlich, hatte er doch die 14,4 Gramm Marihuana, die die Polizei am 9. Januar bei ihm gefunden hatte, seiner Ansicht nach legal im Internet erworben.

Es habe sich um männliche, wirkstofffreie Pflanzen gehandelt, so der Bergkamener. „Die kann man nicht rauchen. Ich wollte mich auf keinster Weise berauschen“, beteuerte der 31-Jährige. Es habe sich um Hanf gehandelt, das er als Tee habe trinken wollen. Entdeckt habe er dieses auf einer Internetseite.

Dort habe gestanden, dass es sich um legalen Anbau handelte. Der Angeklagte versuchte mit allen Mitteln, den Richter davon zu überzeugen, dass er gutgläubig gehandelt hätte.

Angeklagter weint vor Verzweiflung

Er legte einen WhatsApp-Verlauf vor. Darin hatte er die Verkäuferin nach der Kontrolle durch die Polizei gefragt, was das sollte, dass er davon ausgegangen sei, das Hanf kaufen zu dürfen. Antwort der Frau: „Sie haben ein legales Produkt aus legalem Anbau gekauft.“ Gegen die Frau läuft derzeit übrigens ein eigenes Verfahren.

Der Richter glaubte dem Bergkamener, dass dieser davon ausgegangen sei, nichts Illegales zu tun. Dennoch habe er sich wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz strafbar gemacht. Denn: Selbst wenn er das Hanf aus zertifiziertem, legalen Anbau erworben habe, dürfte es nicht zum privaten Konsum veräußert werden.

Legal sei nur eine Weiterverarbeitung zu nicht berauschenden Produkten wie Papier, oder wenn das Hanf wissenschaftlichen Zwecken diene. Das sei vorliegend aber nicht der Fall. Damit habe sich der Angeklagte strafbar gemacht.

Mit Blick auf drei offene Bewährungsstrafen forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Monaten. Das ließ den Angeklagten in Tränen ausbrechen. In seinem letzten Versuch beteuerte er erneut, gutgläubig gehandelt zu haben.

Er könnte doch nicht wegen so etwas zwei Monate ins Gefängnis und dann auch noch Gefahr laufen, dass die anderen Bewährungen widerrufen würden. Er habe doch jetzt Familie.

Der Richter zeigte sich gnädig und ersparte dem 31-Jährigen den Knast. Er verurteilte ihn stattdessen zu 800 Euro Geldstrafe.

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