Vom Bergbau bleibt bald nur noch ein Förderturm

dzBergbaustadt Bergkamen

Die Bergbaustadt Bergkamen hat nach und nach ihre Wahrzeichen eingebüßt: die Fördertürme. Zumindest der jüngste soll erhalten bleiben und ins rechte Licht gerückt werden.

Bergkamen

, 07.11.2018, 16:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als zur Aktion „Schachtzeichen“ zur Kulturhauptstadt 2010 über jedem ehemaligen Bergbau-Schacht ein großer, gelber Luftballon aufstieg, war der Himmel über Bergkamen voll von den Flugkörpern. Zehn Bergbauschächte gab es zur großen Zeit des Bergbaus in der ehemals größten Bergbaustadt Europas. Wer jetzt allerdings noch nach einem Förderturm sucht, dem Symbol für den Bergbau schlechthin, muss schon etwas länger suchen: Es gibt nur noch zwei – und die Tage des einen sind schon gezählt.

Vom Bergbau bleibt bald nur noch ein Förderturm

Schacht Haus Aden Wasserstadt Aden © Stefan Milk

Vom Abriss bedroht

Nur noch über dem Schacht Grimberg 2 auf der ehemaligen Zeche Monopol in Bergkamen-Mitte und über dem Schacht 2 auf der ehemaligen Zeche Haus Aden gibt es einen Förderturm – übrigens die beiden einzigen Schächte, die noch nicht verfüllt sind. Der Schacht auf der Zeche Haus Aden wird noch für die zentrale Grubenwasserhaltung im östlichen Ruhrgebiet benötigt. An der Schachtsohle befinden sich große Pumpen, die das Grubenwasser in Richtung Lippe pumpen. Für Wartungs- und Reparaturarbeiten müssen immer noch Techniker einfahren. Trotzdem hat die RAG den Abrissantrag schon bei der Stadt Bergkamen gestellt: Im Rahmen des neuen Grubenwasserkonzepts, das auch ein Ansteigen des Wassers vorsieht, will das Unternehmen die fest installierten Pumpen durch Tauchpumpen ersetzen. Sie sind nicht mehr fest installiert, sondern hängen im Schacht und können für Wartungs- und Reparaturarbeiten nach oben gezogen werden. Dafür ist der Förderturm nicht mehr erforderlich und Einfahren in den Schacht ist auch nicht mehr nötig. Angesichts der hohen Unterhaltungskosten, sei die Erhaltung des Turms auf Dauer für die RAG nicht mehr finanzierbar, sagt ihr Sprecher Ulrich Aghte. Allein der regelmäßige Korrosionsanstrich, der alle paar Jahre fällig ist, verschlingt große Summen.

Noch aber wird der Turm für einige Zeit stehen. Aktuell gebe es noch keine Zeitplanung, wann er abgerissen werden soll, sagt Aghte – denn noch gibt es keine Zeitplanung für die Umstellung der Grubenwasserhaltung auf Tauchpumpen.

Eigentlich würde dem Förderturm am Schacht Grimberg 2 das gleiche Schicksal drohen. Er ist übrigens der jüngste der Bergkamener Fördertürme und wurde erst um 1980 beim Neubau der Zeche Neu-Monopol über dem Schacht errichtet. Die RAG hält ihn nur in Reserve, falls der Förderturm auf Haus Aden ausfällt. Auch an diesem Schacht sei es möglich, Tauchpumpen einzusetzen, sagt Aghte. Der Förderturm steht allerdings unter Denkmalschutz, weil die Drei-Scheiben-Anlage in Deutschland technisch einmalig ist. Der Bergbau würde zwar trotzdem versuchen, einen Abriss bewilligt zu bekommen, um den Unterhaltungskosten zu entkommen – die Stadt Bergkamen aber hat noch Pläne mit dem Schachtgerüst.

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Bergbauschächte in Bergkamen

Zehn Bergbauschächte gab es früher in Bergkamen. Nur über zwei von ihnen stehr noch ein Förderturm. Der Rest ist zum Teil schwer zu finden.
07.11.2018
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Bergkamen. Das Fördergerüst über dem Schacht Grimberg 2 ist wahrschienlich das einzige, das in Bergkamen erhalten bleibt.© Stefan Milk
Früher prägten die Fördertürme die Stadt, wie die der Zeche Haus Aden in Oberaden.
Der Förderturm über einem der beiden Schächte wurde schon vor Jahren geprengt.
Auch dem verbleibenden Förderturm droht der Abriss.© Stefan Milk
Über Weddinghofen erhoben sich die Fördertürme der Zeche Grimberg 3/4.
Schacht 3 ist noch an der Abdeckplatte und Ablassleitung für Grubengas zu erkennen.© Marcel Drawe
Nur eine Gedenktafel erinnert an die Zeche und die beiden Schächte.© Marcel Drawe
Der Schacht Werne 3 in Rünthe, dessen Standort noch zu erkennen ist, hat eine wechselhafte Geschichte. Er wurde 1930 stillgelegt, diente ab 1946 wieder als Seilfahrtschaft für die Personenbeförderung und wurde 1960 erneut stillgelegt.© Marcel Drawe
Der Schacht Grillo 4, auch "Drei Finken" genannt, befand sich auf dem Gelände der heutigen Firma Busemann an der Friedhofstraße.© Marcel Drawe
So sah der Schacht in Overberge noch in den 90er Jahren aus. Er gehörte damals zur Zeche Monopol und später zum Verbundbergwerk Haus Aden/Monopol.© Stefan Milk
Auch der Schacht Grillo 3, der zur Zeche Monopol in Kamen gehörte, ist noch an der Protego-Haube zu erkennen. Er befand sich bis 1983 neben der Kleingartenanlage Bergkamen an der Weddinghofer Straße.© Marcel Drawe
Zum Abschluss noch einmal ein historisches Bild von 1959, das die Zeche Grimberg 1/2 zeigt. Sie wurde zunächst stillgelegt und um 1980 noch einmal fast ganz neu gebaut - zunächst als Neu-Monopol und zum Schluss als Zeche Monopol.

Gestaltung mit Licht

Es soll nach Angaben von Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich in das integrierte Stadtentwicklungskonzept eingebunden werden – in dem auch der geplante „Gewerbepark Monopol“ auf dem ehemaligen Zechengelände enger an die Stadtmitte angebunden werden soll. Das Konzept sieht vor, den Turm zu illuminieren, um ihn als Symbol für die Bergbau-Vergangenheit zu inszenieren. Dabei sei allerdings noch die Frage, ob der Förderturm zum Lichtkunstwerk wird oder ob er unter Gesichtspunkten des Stadtmarketings mit einer „Ambiente-Beleuchtung“ illuminiert wird. „Das muss letztlich der Kulturausschuss entscheiden“, sagte er. Falls er zum Lichtkunstwerk wird, will die Stadt einen Wettbewerb für die Gestaltung unter Lichtkünstlern ausschreiben.

Auch die Stadt steht vor dem Problem, den letzten Förderturm der Bergbaustadt Bergkamen auf Dauer zu finanzieren. „Darüber müssen wir uns unterhalten, wenn die Pläne für den Turm konkret werden“, sagte er. Möglicherweise könne die Bergbau-Stiftung sich an den Kosten beteiligen – oder es fänden sich Sponsoren.

Vom Bergbau bleibt bald nur noch ein Förderturm

Karte mit den ehemaligen Bergbauschächten

Zehn ehemalige Schächte

Der mittlerweile verfüllte Schacht Grimberg 1 ist der erste Schacht, der auf Bergkamener Stadtgebiet abgeteuft wurde. Die Teufarbeiten begannen 1890, die Förderung 1893. Im gleichen Jahr 1893 begannen die Arbeiten am Schacht Grimberg 2, der 1896 in Betrieb ging.

Es folgte der Schacht Werne 3, der ab 1912 für die Zeche Werne in Rünthe abgeteuft wurde. Der Schacht, der 1915 in Betrieb ging, wurde gleich zweimal stillgelegt: 1930 in der Weltwirtschaftskrise und 1960, nachdem 1946 die Personenseilfahrt wieder aufgenommen wurde.

Die beiden Schächte der ehemaligen Zeche Grimberg 3/4 wurden ab 1923 und 1934 abgeteuft. Stillgelegt wurden sie 1994 und anschließend verfüllt.

Die Schächte 1 und 2 der Zeche Haus Aden wurden ab 1938 abgeteuft und waren bis 2001 in Betrieb. Hinzu kommt ein Luftschacht in Heil.

Außerdem befanden sich die Schächte Grillo 3 (Kiwitt) und Grillo 4 (Drei Finken) der Kamener Zeche Monopol auf Bergkamener Stadtgebiet. Sie wurden 1983 und 1999 stillgelegt.

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