So teuer wird das neue Bergkamener Rathaus

dzRathaus-Neubau

Die Stadt hat sich festgelegt: Sie hält einen Rathaus-Neubau für sinnvoller, als das alte Rathaus zu sanieren. Eine preisgünstige Lösung wird das jedoch nicht.

Bergkamen

, 10.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadtverwaltung geht mittlerweile davon aus, dass es am besten ist, ein neues Rathaus für Bergkamen zu bauen und das alte abzureißen. Die Kosten dafür dürften viele Bürger aber mindestens auf den ersten Blick erschrecken. Die Bauabteilung der Stadt geht von etwa 40 Millionen Euro Kosten aus.

Für Bürgermeister Roland Schäfer ist diese Summe allerdings nur relativ hoch: Die Stadt hat für die Sanierung des Mitte der 70er Jahre gebauten Rathauses ebenfalls rund 30 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten sind etwa neun Millionen Euro für Bürocontainer, die für die Sanierungszeit aufgestellt werden müssten. Das Bergkamener Rathaus müsste bei einer Sanierung komplett geräumt werden, denn das Gebäude enthält jede Menge Asbest.

So teuer wird das neue Bergkamener Rathaus

Das Rathaus zumindest schon energiesparende Beleuchtung, wie der Sachgebietsleiter Innere Verwaltung, Thomas Hartl, zeigt. Andere Mängel lassen sich nicht so leicht beheben. © Marcel Drawe

Zu viel Platz für Akten, zu wenig für Besprechungen

Für Schäfer ist die Sanierung nicht nur deshalb keine gute Lösung. Die Stadt bekomme dann zwar ein energetisch saniertes Rathaus, stehe aber davon abgesehen vor den gleichen Problemen wie vorher. Das Rathaus ist nach seinen Angaben für die Arbeit einer Stadtverwaltung nicht mehr geeignet. Es habe zu viel Platz für Akten, die es im digitalisierten Zeitalter nicht mehr geben wird, und zu wenig Platz für die Menschen. Schon jetzt fehlen im Rathaus Besprechungsräume, die ausreichend Anonymität gewährleisten, damit die Anforderungen des Datenschutzes erfüllt sind.

So teuer wird das neue Bergkamener Rathaus

Die Heizungsanlage ist neu. Sie hat die Energiebilanz des Rathauses zwar verbessert. Gut ist sie aber immer noch nicht. © Marcel Drawe

Mehr Sicherheit für die Mitarbeiter

Das Rathaus biete aufgrund seiner Architektur auch nicht mehr ausreichend Sicherheit für die Mitarbeiter der Stadt.

Bergkamener Rathaus

1976 gebaut und inzwischen zu klein geworden

Das Bergkamener Rathaus ist im September 1976 eröffnet worden. Vorher war die Stadtverwaltung nach der Stadtgründung 1966 in mehreren Gebäuden im Stadtgebiet untergebracht, unter anderem in einer Baracke am Stadtmarkt, im spätern Heinrich-Martin-Heim und im heutigen Stadtmuseum. Architekt des Rathauses war der Bergkamener Friedrich Karl Schulte. Polizei und Gesundheitsamt, die früher ebenfalls dort ihren Sitz hatten, sind 1994 ausgezogen. Im kommenden Jahr soll auch das Kulturreferat aus Platzmangel ausziehen. Es zieht in das neue „Stadtfenster“, das die UKBS gegenüber vom Rathaus baut. Beim Bau des Rathauses wurde wie damals üblich kaum Wert auf Maßnahmen gelegt, das Gebäude zu dämmen und Energie zu sparen. Von allen städtischen Gebäuden hat es mittlerweile den höchsten Energieverbrauch.

„Auch bei uns kommt es immer häufiger zu Übergriffen“, sagt der Bürgermeister. Ein Umbau des alten Rathauses sei kaum möglich. Dazu müssten tragende Wände versetzt werden. Das würde die Sanierung noch einmal deutlich teurer machen.

Hinzu kommt, dass vor allem der Ratstrakt alles andere als barrierefrei ist. Die Zuschauertribüne ist nur über eine Treppe in die erste Etage zu erreichen. Die Toiletten befinden sich im Keller. Platz für einen Aufzug sehen die städtischen Planer nicht. Das geht nur auf Kosten der Fraktionsräume. Die Folge wäre nach Ansicht der Stadt, dass sie Fraktionen ausquartieren muss – denn sie rechnet künftig eher mit noch mehr Fraktionen im Rat.

Kosten für neue Bibliothek und Veranstaltungsräume enthalten

Nach Angaben von Schäfer sind in den 40 Millionen Euro auch die Kosten für eine neue Stadtbibliothek und ein kleines Veranstaltungszentrum am Rathaus enthalten. Dort sollen unter anderem die Vereine aus der Umgebung Veranstaltungsräume finden. Der Plan der Stadt sieht vor, das neue Rathaus zwischen dem bisherigen Bau und dem ehemaligen Friedhof Bergkamen-Mitte zu bauen. „Der Platz dort reicht aus“, versichert Schäfer. Das alte Rathaus soll abgerissen werden, sobald der Neubau bezogen ist.

Als ersten Schritt zum neuen Rathaus soll der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung an diesem Donnerstag beschließen, eine halbe Million Euro für einen Gutachter vorzusehen. Er soll klären, was in einem modernen Rathaus notwendig ist, das mindestens für die nächsten 30 Jahre zeitgemäß ist. „Ich gehe allerdings davon aus, dass wir diese Summe bei weitem nicht für das Gutachten ausgeben müssen“, sagt Schäfer. Sei sei nur ein „Platzhalter“ für die Absicht den Rathaus-Neubau in Angriff zu nehmen.

Die genauen Kosten werden wohl ohnehin erst feststehen, wenn sich Architekten mit einem Entwurf im Detail beschäftigen. Wenn die zu hoch würden, könne der Stadtrat immer noch die Reißleine ziehen.

So teuer wird das neue Bergkamener Rathaus

Der Energieausweis im Rathaus-Foyer zeigt, dass das Rathaus mittlerweile das energetisch ungünstigste städtische Gebäude sein dürfte. © Marcel Drawe

Bürgermeister sieht keine Probleme, 40 Millionen zu finanzieren

Er geht übrigens davon aus, dass die Stadt keine Probleme hat, 40 Millionen Euro für den Rathaus-Neubau zu finanzieren. Das Geld sei für fast null Prozent Zinsen zu haben, sagt Schäfer. Folgekosten seien nicht zu erwarten: Da das neue Rathaus energetisch besser wird, spare die Stadt eher bei den laufenden Kosten. Schäfer selbst wird übrigens wohl noch nicht einmal mehr den Baubeginn im Amt erleben, falls es dazu kommt: Er will bei den Kommunalwahlen im September nicht mehr antreten.

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