Manuela Marchlewski aus Bergkamen weiß, warum viele Pferde krank werden – und warum viele Reiterinnen Schmerzen haben, über die sie nicht sprechen wollen. Marchlewski hat eine einfache Lösung.

Bergkamen

, 03.11.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Pferde standen immer an erster Stelle“, sagt Manuela Marchlewski. Die Bergkamenerin reitet seit vielen Jahren und stieg auch für Turniere in den Sattel. Ihren Beruf bei AB Elektronik in Werne habe sie nur gewählt, weil die Arbeitszeiten ihr viel Zeit für ihre Hobby ermöglichten: Pferde.

Als die erste Kündigungswelle im Jahr 2009 das Unternehmen erschütterte, begann Marchlewski zu zweifeln. Und als man der gelernten Malerin und Lackiererin Ende 2015 eine Abfindung anbot, griff sie zu. Marchlewski wollte ihr Hobby zum Beruf machen und traute sich nach 25 Jahren in der Firma AB, endlich.

„Ich hätte 30 Jahre früher anfangen sollen“, sagt Marchlewski heute. Die 52-Jährige ist mittlerweile eine ausgebildete Sattelergonomin und eine Physio-, und Osteopathie-Therapeutin für Tiere, seit 2012 ist sie selbstständig. Dank zahlreicher Fortbildungen behandelt sie Pferde und Hunde auch mit Akupunkturnadeln und sogar mit Blutegeln.

„Die kleinen Helferchen sind vielseitig einsetzbar“, sagt Marchlewski – etwa zur Behandlung von Blutergüssen, Arthrosen oder Wunden. Während Tierärzte die Schmerzen oder Verletzungen behandeln, sucht sie nach den Ursachen. Und die sind nicht immer offensichtlich.

Viele Frauen leiden heimlich: Diese Bergkamenerin erlöst Pferd und Reiter von Schmerzen

Manuela Marchlewski passt die Sättel vor Ort für den Kunden an. Mehrmals im Jahr kontrolliert sie, ob der Sattel noch richtig sitzt. © Stefan Milk

Wie sehr ein falscher Sattel dem Pferd schaden kann

Marchlewski musste bei ihrer eigenen Stute Filiya selber miterleben, wie sehr etwa ein falsch sitzender Sattel einem Tier schaden kann. Das Pferd, mit dem sie erfolgreich an Turnieren teilnahm, fiel plötzlich aus. Marchlewski ging der Sache auf den Grund und als Sattelergonomin weiß sie heute, warum ihre Stute so leiden musste.

„Nach der Ausbildung wurde mir bewusst, dass ich jahrelang den falschen Sattel benutzt habe“, sagt sie heute.

Geahnt hat die Bergkamenerin das nicht – wie auch: „Pferde können Schmerzen über Jahre kompensieren. Und auf einmal knallt es dann.“ Viele Reiter seien sich nicht bewusst darüber, was ein falscher Sattel anrichten kann. Doch durch Fehlbelastungen können die Tiere schwerwiegende Verletzungen und Krankheiten davontragen.

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Auch Hunde behandelt Marchlewski. Für Patienten wie Abby (l.), die Angst vor Akupunkturnadeln haben, hat Marchlewski ein Lasergerät. Damit kann sie per Laserdusche auch ganze Partien bearbeiten – zum Beispiel nach einem Bänderriss. © Stefan Milk

„Es gibt sogar Leute, die das wissen, aber ignorieren, solange das Pferd läuft und Schleifen holt.“ Wenn Marchlewski auf solche Reiter trifft, dann ist das eine der wenigen Schattenseiten ihres Traumberufes: „Man kann nicht alle retten.“

Marchlewski ist jedoch froh, dass der Trend in die andere Richtung geht und immer mehr Reiter auf den richtigen Sattel achten.

Manuela Marchlewski

Sättel und Naturheilverfahren

  • Manuela Machlewski aus Bergkamen ist Sattelergonomin und Akupunkteurin. Außerdem ist sie Physio-, und Osteopathie-Therapeutin.
  • Erreichbar ist Marchlewski unter Tel. (0163) 25 85 723 oder via E-Mail an manuelamarch@aol.com.
  • Im Internet gibt es Informationen unter www.sättel-naturheilverfahren.de

Marchlewski ist eine Sattelergonomin nach der Philosophie von „Saddlefit 4 Life“ von Jochen Schleese. Spezialisten wie sie sind eher selten, weshalb sie auch Kunden hat, für die sie bis zu 200 Kilometer fährt.

Sättel sind neben Therapie und Ernährungsberatung Marchlewskis Hauptgeschäft. Die Berkamenerin passt vor allem Schleese-Sättel an und verkauft sie. Aber auch bereits gekaufte Sättel bearbeitet sie. „Wenn das Geld nicht da ist, dann schaue ich mit meinen Kunden auch gemeinsam nach gebrauchten Sätteln“, sagt sie.

Hat sie einen Sattel angepasst und verkauft, ist ihr Job aber noch nicht vorbei. Marchlewski besucht die Pferde regelmäßig und kontrolliert, ob der Sattel noch sitzt. Vor allem junge Tiere verändern sich noch, bauen Muskeln auf.

Bergkamenerin nimmt sich Zeit zum Anpassen

Marchlewski nimmt sich Zeit bei ihrer Arbeit. Bis ein Sattel richtig sitzt, dauere es schon mal eineinhalb Stunden. Die Sattel-Expertin misst das Pferd aus, beobachtet es in Bewegung und schaut, wie der Sattel sich auf dem Tier macht. Mit einer Wärmebildkamera kontrolliert sie zudem den Pferderücken und kann dadurch feststellen, wo zu viel Druck ensteht oder wo Entzündungen sind. Dabei deckt sie dank ihrer Zusatzausbildung auch schon mal Krankheiten auf.

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Saddlefit 4 Life - Hat Dein Sattel die richtige Baumweite?

Doch nicht nur für das Pferd kann ein gut sitzender Sattel eine wahre Wohltat sein. Auch Reiterinnen leiden häufig unter unbequemen Sätteln. Viele sind laut Marchlewski nämlich für Männer gemacht, „obwohl eigentlich mehr Frauen reiten.“ Und weil Frauen anders gebaut sind – sie haben zum Beispiel ein breiteres Becken und ein kürzeres Steißbein – kann der falsche Sattel für sie schmerzhaft oder sogar gesundheitsschädlich sein.

Viele Reiterinnen klagten etwa darüber, sich förmlich „wund“ zu reiten. Andere haben laut Marchlewski Hüftschmerzen oder Probleme mit dem Becken. „Viele kommen gar nicht auf die Idee, dass das am Sattelmodell liegt.“

Sättel für Frauen seien in der Taille schmaler und die Steigbügel hängen weiter hinten. Schleese-Sättel werden speziell für Frauen hergestellt, so Marchlewski – aber auch Männer können sie ohne Probleme benutzen. „Die haben nicht die Probleme, die Frauen haben.“

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In ihrem Bulli hat Marchlewski alles dabei, was sie zum Anpassen der Sättel braucht. Sie fährt einen Tisch aus und passt den Sattel vor Ort an. © Stefan Milk

Manchmal liegt es am Sattel, manchmal am Reiter

Damit Pferd und Reiter profitieren, nimmt Marchlewski übrigens nicht nur das Pferd, sondern auch das Gesäß des Reiters unter die Lupe – beziehungsweise vor die Wärmebildkamera. Denn manchmal ist nicht der Sattel das Problem, sondern der Reiter.

Wenn jemand schief auf dem Pferd sitze, dann könne das auch ein perfekt angepasster Sattel nicht auffangen. „Dann schicke ich den Reiter zum Physiotherapeuten“, sagt Marchlewski. Denn eines hat sich in all den Jahren nicht geändert: An erster Stelle steht bei Manuela Marchlewski immer noch das Pferd.

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