Wenn Kinder zu weiterführenden Schulen wechseln, haben Eltern die Qual der Wahl. Die Empfehlungen der Schulen geben Orientierung, werden aber oft nicht aufgegriffen. Das zeigen neue Zahlen.

Bergkamen

, 28.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Frage, welche weiterführende Schule ein Kind nach dem Wechsel von der Grundschule besuchen soll, ist nicht immer leicht zu beantworten. Und dabei geht es auch um die Frage, welche Schulform die richtige ist.

Die Grundschulen geben den Eltern eine Empfehlung für ihr Kind: Hauptschule, Hauptschule/Realschule eingeschränkt, Realschule, Realschule/Gymnasium eingeschränkt und Gymnasium lauten die Empfehlungen, die die Eltern schriftlich bekommen.

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Grundschulen versuchen dabei abzuschätzen, welche Chancen Kinder in den bestimmten Schulformen haben. Das ist wahrlich nicht leicht, schließlich steckt in den Mädchen und Jungen im Alter von zehn oder elf Jahren noch jede Menge Entwicklungspotenzial. Möglicherweise sehen auch Bergkamener Eltern vor allem dieses Potenzial, denn längst nicht immer folgen sie den Empfehlungen.

Beispiel 1 – Realschulen

Die Freiherr-vom Stein-Realschule werden (Stand: 11. Mai) im nächsten Jahr 62 Kinder besuchen. Fünf von ihnen haben sonderpädagogischen Förderbedarf im Rahmen des Gemeinsamen Lernens (GL) und daher keine Empfehlung. Von den 57 übrigen Kindern haben nur 39 eine klare Realschul-Empfehlung. Dreien wurde das Gymnasium empfohlen, einem die Hauptschule. Die übrigen haben eingeschränkte Empfehlungen.

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An der Realschule Oberaden (58 Schüler/innen) haben sogar nur 26 Kinder eine klare Realschul-Empfehlung. Sieben Kindern wurde zur Hauptschule geraten, vieren zum Gymnasium. 15 Kinder haben eingeschränkte Empfehlungen erhalten, die sechs GL-Kinder gar keine.

Beim Tag der offenen Tür im Städtischen Gymnasium Bergkamenhat sich auch das Schulorchester, der Bachkreis, vorgestellt.

Beim Tag der offenen Tür im Städtischen Gymnasium hat sich auch das Schulorchester, der Bachkreis, vorgestellt. © Marcel Drawe

Beispiel 2 – Gymnasium

Auch das Städtische Gymnasium werden ab dem Schuljahr 2020/21 viele Fünftklässler besuchen, die keine klare Gymnasial-Empfehlung haben. Von den 78 neuen Fünftklässlern haben die nur 49, 17 Kinder haben zumindest eine eingeschränkte Gymnasial-Empfehlung. Immerhin zwölf Kindern wurde aber eigentlich zur Realschule geraten. Sie werden sich möglicherweise ordentlich strecken müssen, sollten sie von ihren Grundschullehrern passend beurteilt worden sein.

Sonderfall Gesamtschule

Gesamtschulen sind im deutschen Bildungssystem insofern ein Sonderfall, dass es für sie keine Empfehlungen gibt. Sie versuchen, einen Mix aus den verschiedenen darzustellen. Das Problem: Kinder, die eine Gymnasial-Empfehlung bekommen, sind an der Willy-Brandt-Gesamtschule die Ausnahme. Nur eines der dort neu angemeldeten Kinder hat eine klare Gymnasial-Empfehlung, ein weiteres eine eingeschränkte. Damit werden nur zwei der insgesamt 144 neuen Schülerinnen und Schüler im Vorfeld als besonders leistungsfähig eingeschätzt. Allerdings bestehen an der Gesamtschule jedes Jahr etliche Schüler die Abiturprüfung, die nie eine Empfehlung für das Gymnasium hatten.

Dagegen macht der Kinder mit Hauptschul-Empfehlung (84) den weitaus größten Anteil aus. 22 Kinder haben eine eingeschränkte, 23 eine klare Realschul-Empfehlung. 13 Kinder des Gemeinsamen Lernens haben gar keine Empfehlung erhalten.

Viele Kinder zieht es in andere Städte

Relativ hoch ist mit 60 auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die ab der 5. Klasse nicht mehr in Bergkamen, sondern in anderen Städten beschult werden. Die meisten von ihnen zieht es nach Werne. 18 werden das dortige Christopherus-Gymnasium besuchen, acht das Anne-Frank-Gymnasium. Hinzu kommen 16 Schülerinnen und Schüler, die es zur Sekundarschule zieht. Diese Schulform wird in Bergkamen nicht angeboten.

Zehn Kinder werden künftig in Kamen zur Schule gehen – acht zum Gymnasium, zwei zur Gesamtschule.

Nach Lünen fahren demnächst acht Kinder, um dortige Schulen zu besuchen. Vier wechseln zu dortigen Realschulen, drei zu Lünener Gymnasien. Hinzu kommt ein Kind, das die Hauptschule besuchen wird. Auch diese Schulform gibt es in Bergkamen nicht mehr.

Die Freie Waldorf-Schule in Hamm wird ebenfalls ein Kind besuchen

Fast alle Kinder angemeldet

Viel wird sich an diesen Zahlen nicht mehr ändern. Nur fünf Bergkamener Grundschülerinnen und Grundschüler sind (Stand: 11. Mai) noch nicht angemeldet.

Die Gründe, warum Bergkamener Eltern den Empfehlungen der Grundschulen oft nicht folgen, können höchst unterschiedlich sein. Zum einen arbeiten die Schulen mit unterschiedlichen Konzepte und setzen jeweils andere Schwerpunkte. Die stellen sie in der Regel bei einem Tag der offenen Tür vor. Zum anderen dürfte aber auch die Lage der weiterführenden Schule eine Rolle spielen. Und schließlich spielt es ja vielleicht auch noch ein Rolle, zu welcher Schule die Freundinnen und Freunde der Kinder wechseln werden.

Weniger Wechsel zu weiterführenden Schulen

Die Zahl der Bergkamener Kinder, die in diesem Jahr zu einer weiterführenden Schule wechseln werden, ist mit 399 übrigens vergleichsweise gering. Im vergangenen Jahr waren es 429, und auch in den kommenden Jahren erwartet die Schulverwaltung höhere Zahlen. Im Jahr 2023 sollen es sogar 484 sein.

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