Fitnessverträge im Baumarkt: Fiese Maschen und wie man aus den Verträgen herauskommt

dzRechtliches

Dass viele am Jahresanfang abnehmen möchten, nutzen manche Fitnessstudiobetreiber aus. Sie locken mit vermeintlichen Angeboten im Baumarkt und Co. In Bergkamen tappen einige in die Falle.

Bergkamen

, 03.02.2020, 18:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Abnehmen, gesunde Ernährung und sich endlich wieder wohl im eigenen Körper fühlen – Ziele wie diese stecken sich Jahr für Jahr viele Menschen. Auch in Bergkamen. Doch einige sind so übereifrig, dass sie Verträge unterschreiben, die sie nachher an ein Studio binden, das doch nicht zu ihnen passt. Oder sie übersehen, dass der Vertrag versteckte Kosten enthält und monatlich eine höhere Summe abgebucht wird als sie zunächst angenommen haben.

Dass sich dieser Tage viele verführen lassen und in solche Fallen tappen, bemerkt auch Thomas Kiefer, Inhaber des Fitnessstudios „Fit Plus“ an der Rathenau Straße. In den vergangenen Wochen seien immer wieder Menschen in sein Studio gekommen, die voreilig irgendwo einen Vertrag unterschrieben hatten und damit nicht zufrieden sind.

Keinen Vertrag am Werbestand abschließen

Einige von ihnen hätten an Werbeständen einen Vertrag unterschrieben. In Bergkamen komme es auch vor, dass in Baumärkten, Supermärkten etc. an solchen Ständen Angebote mit Sonderkonditionen angeboten werden – oder ein kostenloses Probetraining. Dabei könne man generell in jedem Studio ein kostenloses Probetraining machen, weiß Kiefer. In Bergkamen gibt es viele seriöse Fitnessstudios, die nur darauf warten, ausprobiert zu werden. Sie richten sich teilweise an ein bestimmtes Publikum – zum Beispiel an Frauen. Andere warten mit einer besonderen Einrichtung auf – wie das neue Studio „Limitless“ in Rünthe, das im vergangenen Sommer eröffnete. Es ist in einer ehemaligen Waschkaue der früheren Zeche Werne untergebracht. Wer gerne Kurse besucht, ist zum Beispiel im „iFit“ an der Legionärstraße richtig: Dort gibt es laut Homepage über 140 Kurse im Monat.

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Thomas Kiefer rät davon ab, bei Sonderangeboten voreilig zuzuschlagen. Auch wenn damit gelockt wird, dass die Anmeldegebühr wegfällt oder der Partner kostenlos mittrainieren kann.

„Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man immer wieder zurücktreten kann.“
Fred Dahlmann

„Häufig haben die Verträge nach Ablauf der Sonderkonditionen viel zu lange Laufzeiten oder sind danach einfach vom Beitrag her nicht mehr marktgerecht, schlicht zu teuer“, erklärt Kiefer.

Oft finde man zudem im Kleingedruckten versteckte Nebenkosten wie Versicherungs- oder Trainerpauschalen, oder verstricke sich in einem unüberschaubaren Bausteinsystem, was im Studio benutzt werden darf und was nicht.

Ein Anwalt erklärt, aus welchen Verträgen man wieder herauskommt

Doch auch für jene, die beim Baumarkt-Besuch merken, dass sie nicht in der Lage sind, einen Farbeimer mit einer Hand zu heben und dann voller Tatendrang am Promotionsstand einen Vertrag unterschreiben, gibt es noch Hoffnung.

Fitnessverträge im Baumarkt: Fiese Maschen und wie man aus den Verträgen herauskommt

Trainer wie Miguel Neumüller erklären Interessenten, wie die Geräte funktionieren. Auch die Atmosphäre spielt eine wichtige Rolle bei der Wahl nach dem richtigen Studio. © Stefan Milk (Archiv)

Denn so ein Stand zählt zu sogenannten Haustürgeschäften und können widerrufen werden, wie der Bergkamener Rechtsanwalt Fred Dahlmann erklärt. Wer zu Hause, am Arbeitsplatz oder eben an so einem Stand unterschreibt, kann den Vertrag innerhalb von vierzehn Tagen widerrufen.

Das kann sogar funktionieren, wenn man auf der Straße für ein Probetraining geworben wurde und hinterher im Studio seine Unterschrift unter den Vertrag setzt. „Dann kann gegebenenfalls auch das Widerrufsrecht greifen, denn es geht zurück auf Werbung im öffentlichen Raum“, so Dahlmann.

Verträge kann man nicht zurückgeben wie Einkäufe

Kaum eine Chance haben indes jene, die ins Fitnessstudio gehen, sich dort beraten lassen und dann unterschreiben. Wenn dann kein Widerspruchsrecht vereinbart worden ist, dann müsse man ganz normal kündigen, so Dahlmann.

Das wissen aber längst nicht alle. „Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man immer wieder zurücktreten kann – das geht aber nur, wenn es vertraglich vereinbart wurde oder eben bei Haustürgeschäften“, weiß der Experte. Auch Verträge, die im Internet abgeschlossen werden, kann man meist widerrufen.

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Dahlmann hat immer wieder mit solchen Fällen zu tun, nicht immer sind es Fitnessverträge, aus denen die Bergkamener wieder heraus möchten.

Es sei immer wieder ein Problem, dass Menschen etwas unterschreiben, und erst hinterher überlegen, was sie das kostet. Viele glaubten, sie könnten einen Vertrag widerrufen, so wie sie auch im Geschäft einen Artikel wieder zurückgeben können. Doch so einfach ist das nicht.

Beim Probetraining nicht nur die Geräte, sondern auch die Atmosphäre testen

„Schaut euch die Studios im Umkreis an und macht zwingend ein Probetraining.“
Thomas Kiefer, Inhaber „Fit Plus“

Deshalb sollte man sich gut überlegen, was man unterschreibt – oder eine Nacht darüber schlafen. „Bevor Hobbysportler einen Vertrag unterschreiben, sollten sie den Text und vor allem das Kleingedruckte gründlich prüfen – am besten in aller Ruhe zu Hause“, rät auch die Verbraucherzentrale. Auch dort kann man sich Tipps holen, wenn man nicht sicher ist, ob der Vertrag, den man unterschrieben soll, fair ist. Die Verbraucherzentrale in Kamen ist unter Tel. (02307) 4380101 zu erreichen.

Die Verbraucherschützer raten generell, vorher Erreichbarkeit, Öffnungszeiten und Mitgliedsbeiträge des Fitnesstudios zu checken. Und auch die Atmosphäre sollte passen. Für Thomas Kiefer ist sie das wichtigste Element bei der Auswahl, denn Sport sollte auch Spaß machen.

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