Claudia Backenecker ist nicht nur Wildkräuterexpertin, sie ist auch noch gelernte Köchin und Konditorin. Eine besondere Liebe hat die Lünerin daher für Pflanzen, die man essen kann. © Stefan Milk
Kräuterkunde

Verpönte Unkräuter können Küche und Ernährung bereichern

Kräuterexpertin Claudia Backenecker ist gelernte Köchin und Konditorin. Beim Thema Pflanzenkunde geht es für sie weniger um Gattungen und Familien, sondern um die Frage: Kann man das essen?

Claudia Backenecker ist Feuer und Flamme. Endlich kann sie wieder Führungen zur Pflanzen- und Kräuterkunde anbieten und ihr Wissen über nahezu alle pflanzlichen Bewohner des Gartens weitergeben. „Was unsere Vorfahren darüber wussten, muss immens gewesen sein“, sagt sie, und bedauert, dass durch die Hexenverfolgung und -verbrennung so viel Wissen verloren ging.

„Viele Informationen wurden dann zwar verschlüsselt von Generation zu Generation weitergegeben, aber dieses Mega-Wissen der Kräuterfrauen, das hat heute niemand mehr“, bedauert die Lünerin, die ab der kommenden Woche Führungen auf der Ökologiestation anbietet, um zumindest ihr eigenes Wissen weiterzugeben.

Wichtig ist, was man essen kann

„Meine Kollegin ist studierte Botanikerin“, sagt Claudia Backenecker. Da ginge es bei Führungen oft um Gattungen, Familienzugehörigkeiten, das Wissenschaftliche rund um die Pflanzenwelt. „Ich bin aber gelernte Köchin und Konditorin, mich interessiert, was man essen kann“, sagt sie lachend und aus ihren Augen blitzt dabei der Schalk.

Ökologiestation

Spaziergang mit der Wildkräuterexpertin

  • Wildkräuterexpertin Claudia Backenecker stellt die oft unscheinbaren Helfer am Wegesrand am Dienstag, 8. Juni, sowie eine Woche später am 15. Juni, auf der Ökologiestation vor.
  • Sie berichtet von ihrer Verwendung in der Küche, als Heilkräuter und erzählt mystische Geschichten, die sich um sie ranken.
  • Der etwa zweistündige Spaziergang beginnt um 17 Uhr.
  • Die Kosten betragen 5 Euro je Teilnehmer.
  • Anmeldung unter Tel. (0 23 89) 98 09 11 (auch Anrufbeantworter) oder (0 23 89) – 98 09 0 beim Umweltzentrum Westfalen.
  • Teilnehmer benötigen einen negativen Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Eigentlich ist sie auf dem Weg in den Garten der Ökostation, um zu sehen, was dort gerade wächst und Gegenstand ihrer Führung werden kann. Doch schon vor dem Tor fällt ihr eine Pflanze ins Auge. „Das ist Mutterkraut“, sagt sie. „Das Zerkauen der Blüten hilft gegen Migräne.“

Im Garten selbst wachsen Lilien, aber nicht die richtigen. „Mein Nachbar hat in seinen Garten Taglilien gepflanzt. Direkt an unseren Zaun“, schildert sie augenzwinkernd, dass der an den an sich üppigen Blüten aber keine Freude habe. „Ich muss da hingehen und die naschen“, gesteht sie lachend.

Wie „Unkräuter“ die Küche bereichern

Beinwellblätter backt sie in Bierteig aus, aus Rosenblütenblättern macht sie eine erfrischende Sommerbowle. Die Vogelmiere schmeckt wie frische Erbsenschoten und fügt sich hervorragend in Salate ein.

Rezept

Sommerliche Rosenbowle

1 Liter Wasser mit 250 ml Apfelsaft vermischen. Eine Handvoll frische Rosenblütenblätter darin ziehen lassen und servieren. Tipp: Ein paar Blätter jungen Giersch dazu geben dem Getränk noch eine weitere besondere Note.

Die Eberraute hingegen wird in der Küche nur dosiert eingesetzt, sie ist eher für die Parfümindustrie interessant. „Vor allem in Männerdüften kommt das vor. Und wenn ein Mann das hat, dann komm ich dem gleich nah“, schildert sie lachend.

Mit der Brennessel verbindet Claudia Backenecker ein heimlicher Pakt, wie sie sagt. Wenn diese sie verbrenne, würde sie nur Schlechtes über sie erzählen. Aber das ist natürlich Unsinn: Die Fachfrau weiß einfach, welche brennt und welche nicht. © Stefan Milk © Stefan Milk

Und bekleckere man sich mal die Bluse beim Essen, helfe das Labkraut weiter: Dank der klettenartigen Struktur der Stengel haftet es an der Kleidung wie eine Brosche und verdeckt den Fleck. „Frau Merkel war neulich im Fernsehen zu sehen und hatte Flecken in der Kleidung. Da dachte ich noch, die hat wohl kein Labkraut gefunden.“

Minze wird völlig unterschätzt

Als absolut unterschätzt in der Verwendung empfindet Claudia Backenecker hierzulande die Minze. „Die wird viel zu wenig genommen“, sagt sie, denn die Minze mit ihren zahlreichen Sorten könne mehr als nur für Tee oder selbstgemachte Deos genutzt werden. „Für Desserts, Eis, Marmeladen, als Sauce zu Fleisch“, zählt sie auf.

Heilende Wirkung

Die Wildkräuter haben zudem noch mehr in sich als guten Geschmack. Sie sind vor allen Dingen gesund. Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen, sage der Volksmund nicht umsonst. Aber Claudia Backenecker glaubt noch fest an etwas anderes: „Die Pflanzen kommen genau dann zum Menschen, wenn er sie braucht.“ Genau dann würden sie ihm ins Auge fallen.

Eine ungemähte, wilde Wiese ist für Claudia Backenecker eine wahre Augenweide. Nahezu jedes Kraut, das dort wächst, kennt sie mit Namen. © Stefan Milk © Stefan Milk

So wächst der Breitwegerich oft am Rande von Wanderwegen. „Legt man den zum müden Fuß in den Schuh, massiert das die Fußsohle und sorgt schon fast für eine Aromatherapie.“ Gundermann ist ein Krebshemmer, die Goldrute gut für die Niere. Der Sonnenhut ist ein super Abwehrmittel und auch Blätter von Himbeere, Brombeere und Erdbeere ließen sich gut als Tee genießen. „Bitter im Mund, macht den Menschen gesund“, nennt die Kräuterfachfrau ein Sprichwort. Doch kocht macht Spitzwegerich mit Wasser und Zucker auf, „dann haben so um die 50-Jährige wieder den Geschmack der Kindheit.“

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