Die Arbeiten liegen in den letzten Zügen. Ende des Jahres wird der Neubau der Firma Hildebrandt fertig sein, der schon sehnsüchtig auf den Umzug nach Bergkamen wartet. Nur ein Mieter fehlt noch.

Bergkamen

, 17.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war das letzte Grundstück an der Industriestraße, das noch zu vermarkten war. Doch die Baulücke in zweiter Reihe gleich hinter Schraubenhersteller Bulten ist nun geschlossen, die letzten Arbeiten laufen. „Dann machen wir Inventur - und Mitte Januar ziehen wir hier ein“, erklärt Jan Marcus, Vorstandsvorsitzender der Paul Hildebrandt AG. Am Montag war er mit dem Seniorchef nach Rünthe gekommen, um ihm erstmals den Neubau zu zeigen – und selbst nach dem Rechten zu sehen.

Jetzt lesen

Was sie sahen, stimmte die Männer zufrieden - wobei der Seniorchef anmerkte: „Schade, dass es so versteckt liegt.“ Doch das gelb-blaue Gebäude fällt auch so auf. Niederlassungsleiterin Dunja Faust strahlte bei der Präsentation der neuen Räume über das ganze Gesicht. „Wir können es kaum abwarten“, gab sie lachend zu. „Alle Mitarbeiter, die ich bei Besuchen hierhin mitnehme, bekommen ein Funkeln in den Augen, wenn sie das hier sehen.“

Jan Marcus, Dunja Faust und Albrecht Heike in einer der drei neuen Hallen, die in zweiter Reihe an der Industriestraße entstanden sind.

Jan Marcus, Dunja Faust und Albrecht Heike in einer der drei neuen Hallen, die in zweiter Reihe an der Industriestraße entstanden sind. © Stefan Milk

Tatsächlich gehört der Neubau in Rünthe zu den beiden größten Standorten der Firma Hildebrandt, die in Deutschland und Dänemark insgesamt 14 Dependancen betreibt. Das 9000 Quadratmeter umfassende Gebäude besteht aus einem dreistöckigen Bürotrakt und drei Hallenschiffen mit elf Verladetoren. Zwei Hallen dienen als Lagerstätte für Verpackungsmaterial, für die dritte Halle samt einer Etage des Verwaltungstrakts wird noch ein Mieter gesucht.

Unternehmen handelt mit Verpackungen

Weder produziert die Hildebrandt AG selbst noch verpackt sie eigenständig, sie handelt lediglich mit Industrieverpackungen. Von Kartonagen über Folien und Paletten bis hin zum benötigten Umfassungsband wird künftig alles an der Industriestraße gelagert, was derzeit noch auf zwei Standorte in Bönen und eine bislang genutzte Halle an der Industriestraße verteilt ist.

Jetzt lesen

Vom Neubau aus wird künftig gesamt NRW beliefert werden können – und deshalb ist die Nähe zur Autobahn und dem Kamener Kreuz ein echtes Pfund für die Firma. „Wir haben aber gleichzeitig die Möglichkeit, auch über Land zu fahren, wenn mal wieder Stau ist auf der A1 oder der A2“, erklärt Dunja Faust, was den Standort Bergkamen so besonders macht.

Dunja Faust präsentiert die 40 Quadratmeter großen Büroräume, in denen jeweils drei Mitarbeiter Platz finden werden. Die Fenster ermöglichen einen Blick in die Nachbarbüros und bieten die Vorzüge eines Großraumbüros.

Dunja Faust präsentiert die 40 Quadratmeter großen Büroräume, in denen jeweils drei Mitarbeiter Platz finden werden. Die Fenster ermöglichen einen Blick in die Nachbarbüros und bieten die Vorzüge eines Großraumbüros. © Stefan Milk

Um die 50.000 Kunden in ganz Deutschland und in Dänemark beliefern zu können, arbeitet Hildebrandt mit mehreren tausend Lieferanten zusammen. Warum dennoch große Lagerkapazitäten benötigt werden, erklärt Jan Marcus so: Man sei so immer nah am Kunden. Das Thema Verpackung spiele für viele Unternehmen eine untergeordnete Rolle, komme erst am Schluss oder sei oft Aufgabe der Logistiker, die das mitmachen sollten. Daher würde Verpackungsmaterial oft erst auf den letzten Drücker bestellt. „Dann liefern zu können, ist unsere Stärke. Wir haben eigene Lastwagen, so dass wir unabhängig sind. Wir sind hochgradig flexibel“, erklärt Jan Marcus –und sowohl die Umweltdiskussion als auch die Corona-Pandemie spiele der Firma somit in die Karten.

Hohe Brandschutzauflagen

In den elf Meter hohen Hallen hat die Hildebrandt AG künftig enormen Stauraum - selbst wenn die Hochregale in den für die Verpackungen genutzten Hallen aus brandschutztechnischen Gründen nur bis zu sieben Metern Höhe befüllt werden dürfen. Die Auflagen, die an ein Kartonagen-Lager geknüpft sind, sind gewaltig. Löschwasserleitungen liegen daher im Boden, an jedem Notausgang ist eine Wasserentnahmestelle für die Feuerwehr und, so erklärt Bauleiter Albrecht Heike, „wir haben eine Funkanlage eingebaut, damit auch die Kommunikation der Feuerwehrleute mit der Einsatzleitung funktioniert.“

Jetzt lesen

All das möge hoffentlich nie zum Einsatz kommen, sagt Jan Marcus - im Gegensatz zu den Küchen, Sozial- und Sanitärräumen und Büros gleich nebenan. Jeweils 40 Quadratmeter groß sind die jeweils abgeschlossenen Büros, die aber durch Fensterscheiben eine Sichtachse haben. „So haben wir die Vorzüge eines Großraumbüros – aber gleichzeitig Schallschutz“, erklärt Jan Marcus.

Der Strommast auf dem Grundstück und die darüberliegende Leitung sowie eine im Boden liegende Gasleitung machten eine Vermarktung des Grundstücks lange Zeit schwierig.

Der Strommast auf dem Grundstück und die darüberliegende Leitung sowie eine im Boden liegende Gasleitung machten eine Vermarktung des Grundstücks lange Zeit schwierig. © Stefan Milk

Weitere Arbeits- und Ausbildungsplätze sollen entstehen

25 Mitarbeiter werden hier künftig arbeiten – „zunächst“, wie Dunja Faust betont. „Wir wollen hier wachsen – und dann Leute einstellen, wie wir es müssen“, erklärt die Niederlassungsleiterin. Auch die Ausbildung soll intensiviert werden, wenn die Bewerber die erforderlichen Qualitäten mitbringen. Bislang wurde am Standort Bönen immer nur dann neu ausgebildet, wenn der Vorgänger die Ausbildung abgeschlossen hatte.

Jetzt lesen

„An diesem Rhythmus könnten wir jetzt etwas verändern. Wir haben nun die Kapazitäten“, beschreibt Dunja Faust einen weiteren Vorteil, aus drei Standorten einen zu machen. Und so könnten angehende Kaufleute für den Groß- und Außenhandel sowie Fachkräfte für Lagerlogistik künftig an der Industriestraße ihren Ausbildungsbetrieb finden.

Zunächst wird aber ein Mieter für das dritte, 2700 Quadratmeter große Hallenschiff und die Büroetage gesucht.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bauarbeiten verzögern sich
Ostenhellwegbrücke in Bergkamen bleibt noch mehrere Monate gesperrt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Kontaktbeschränkungen kaum zu überprüfen: Bürgermeister appelliert an die Vernunft
Hellweger Anzeiger Deutsche Bahn
Kurz vor der Sperrung der Bahnstrecke Dortmund-Hamm: Alle Einzelheiten auf einen Blick