Vergewaltigung in Oberaden: Angeklagter streitet alles ab

dzProzessauftakt im Landgericht

Die brutale Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Oberaden sorgte im Juli 2019 für Entsetzen. Zu Beginn des Prozesses streitet der Tatverdächtige alles ab. Der Zustand des Opfers ist erschütternd.

Bergkamen

, 10.01.2020, 13:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rafal S. ist 33 Jahre alt und sitzt seit dem vergangenen Sommer in Untersuchungshaft. DNA-Spuren, die von ihm stammen, sollen die Ermittler damals auf seine Spur gebracht haben. Von einem Geständnis ist der Angeklagte vor dem Dortmunder Landgericht dennoch weit entfernt. „Ich war das nicht“, sagte er am Freitag.

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Staatsanwältin ist überzeugt, dass der Angeklagte der Täter ist

Staatsanwältin Heike Sudhaus-Coenen sieht das ganz anders. Sie ist davon überzeugt, dass Rafal S. der Gewalttäter war, der die Oberadener Schülerin auf dem Heimweg mit unfassbarer Brutalität zum Geschlechtsverkehr gezwungen hat.

Das Mädchen sei vom Bahnhof gekommen und habe sich irgendwann in ein Gebüsch am Straßenrand gehockt, um sich zu erleichtern, heißt in der Anklageschrift. In diesem Moment sei der 33-Jährige gekommen, habe die Schülerin mit einer Schusswaffe bedroht und ihr immer wieder heftig vor den Kopf geschlagen.

Schließlich sei es erst in einem Waldstück zu einem Vergewaltigungsversuch und wenig später neben den Bahngleisen zu einer vollendeten Vergewaltigung gekommen.

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Als die Schülerin an diesem Abend zwei Passanten in die Arme torkelte, trauten diese ihren Augen kaum. Das ganze Gesicht war blutüberströmt und zugeschwollen. Die Ärzte stellten später zahlreiche Brüche im Gesicht, einen Schädelbasisbruch und weitere Prellungen fest. „Es bestand akute Lebensgefahr“, heißt es in der Anklageschrift.

Der Angeklagte kannte das Mädchen

Rafal S. will jedoch nichts damit zu tun haben. Völlig überrascht sei er gewesen, als die Polizei ihn wenige Tage nach dem Vorfall festnahm. Vor Gericht räumte er jedoch ein: „Ich kannte das Mädchen.“ Schon im Mai habe er die 15-Jährige bei einem Spaziergang mit seinem Hund kennengelernt.

Vergewaltigung in Oberaden: Angeklagter streitet alles ab

In der Nähe des Bahnübergangs an der Rotherbachstraße auf dem Feldweg ereignete sich die Vergewaltigung am Abend des 13. Juli 2019 in Oberaden. © Archiv

Später habe man die Telefonnummern ausgetauscht und sich mehrmals heimlich getroffen. „Worum ging es Ihnen dabei?“, fragte der Vorsitzende Richter Alexander Donschen den Angeklagten am Freitag. Die Antwort: „Ich wollte nichts. Aber vielleicht wollte sie ja was von mir.“

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Die Eltern der 15-Jährigen, die sich dem Prozess als Nebenkläger angeschlossen haben, vernahmen diese Worte mit kaum verhohlener Abscheu. Immer wieder mussten sie sich mit einem Taschentuch die Augen trocknen. Und immer wieder blickten sie dem Mann schier fassungslos ins Gesicht.

Ihre Tochter ist seit der Tat offenbar nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nebenklageanwältin Christiane Krause-Schumann drückte es am Freitag so aus: „Sie lebt in einem Kokon, sie lässt niemanden an sich heran.“ Das Mädchen habe große Angst, dem Angeklagten im Gerichtssaal gegenüberzutreten und weigere sich bisher, eine Aussage zu machen.

Krause-Schumann kündigte an, beantragen zu wollen, die Öffentlichkeit für die Dauer der Vernehmung ihrer Mandantin auszuschließen. Außerdem solle auch Rafal S. aus dem Gerichtssaal entfernt werden.

Ermittlungen zu den Telefondaten

So weit sind die Richter allerdings noch lange nicht. Am nächsten Verhandlungstag soll der 33-Jährige zunächst weiter befragt werden. Außerdem werden nun Nachermittlungen beim Mobilnetzbetreiber des Angeklagten angestellt. Die Richter wollen herausfinden, ob es die fraglichen Telefonate des Angeklagten mit dem 15-jährigen Mädchen wirklich gegeben hat.

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In dem Prozess wird gegen Rafal S. noch wegen einer zweiten Straftat verhandelt. Bereits im Sommer 2012 soll der Angeklagte in Kamen eine Frau angegriffen und beraubt haben. Auch dabei habe er versucht, das Opfer sexuell zu bedrängen, sagte die Staatsanwältin. Auch diese Tat bestreitet Rafal S.

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