Verdächtiger bekam regelmäßig Besuch von der Polizei

dzVergewaltigung

Der 24 Jahre alte Bergkamener, der dringend der Vergewaltigung in zwei Fällen verdächtig ist, war Proband im KURS-Programm des Landes. Die Polizei besuchte ihn regelmäßig – auch unangemeldet.

Bergkamen

, 16.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 24-Jährige Bergkamener, der im dringenden Verdacht steht, zwei Frauen vergewaltigt zu haben, hat den Behörden offenbar keinen Anlass gegeben, an eine Rückfallgefahr zu glauben. Wie die Kreispolizeibehörde Unna auf Anfrage bestätigte, gab es im Rahmen des KURS-Projektes regelmäßigen Kontakt und sogenannte „Gefährderansprachen“ durch die Polizei.

Verdächtiger lebte bis zum Februar in einer Therapieeinrichtung

Der 24-Jährige, der 2012 als 17-Jähriger vom Amtsgericht Coesfeld zu einer Jugendstrafe wegen Vergewaltigung verurteilt wurde, lebte schon seit 2016 im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna, war aber bis Februar 2019 in einer Therapieeinrichtung untergebracht. Danach zog er in eine Wohnung im Bereich des Polizeibezirks. Offenbar hatte er auch einen Arbeitsplatz.

Kooperativ bei Gesprächen mit der Polizei

Polizeibeamte, die Erfahrung mit Sexualstraftätern haben, hatten ständig Kontakt mit ihm, zum Teil telefonisch, aber auch direkt. Die Polizei habe ihn regelmäßig unangekündigt in der Therapieeinrichtung und später auch in seiner Wohnung und an seinem Arbeitsplatz aufgesucht. „Bei diesen Kontakten wurden Gespräche geführt, in denen sich der Proband durchgehend kooperativ zeigte“, teilt die Kreispolizeibehörde schriftlich mit. Diese Ergebnisse wurden auch der Führungsaufsicht weitergemeldet.

Letzter Besuch von der Polizei am 21. Juli

Den letzten unangekündigten Besuch von der Polizei bekam der 24-Jährige weniger als drei Wochen vor der ersten Tat, der er beschuldigt wird: Beamte suchten ihn noch am 21. Juli in seiner Wohnung auf. Dabei habe es keine Hinweise gegeben, dass er rückfallgefährdet sein könnte, so die Kreispolizeibehörde.

Offenbar hat der 24-Jährige auch in der Therapie wenig Anlass gegeben, in ihm noch eine Gefahr zu sehen: In der gesamten Zeit kam es nur zu einem Verstoß gegen seine Führungsauflage – und der habe keinerlei sexuellen Hintergrund gehabt, so die Polizei.

Landesprogramm ist eigentlich erfolgreich

Solche Führungsauflagen sind Bestandteil des KURS-Programms, das es seit 2010 gibt. Bis dahin wurden Sexualstraftäter nach verbüßter Haft einfach entlassen. KURS steht für „Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“. Die Strafvollstreckungskammer legt die Weisungen in einem Führungsaufsichtsbeschluss fest, der meist für fünf Jahre gilt. Zurzeit werden 1082 Probanden betreut, von denen der 24-Jährige einer war.

Das Konzept ist eigentlich sehr erfolgreich: Experten gehen eigentlich von einer Rückfallquote von 20 Prozent bei Sexualstraftätern aus. Bei KURS-Probanden sind es nur etwa drei Prozent, wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilt.

Flucht mit dem Fahrrad

Mittlerweile sind auch weitere Details zur Flucht des 24-Jährigen bekannt geworden. Offenbar entkam er am Donnerstagmorgen, als ihn die Polizei mit einem Großaufgebot suchte, mit einem Fahrrad aus Nottuln. Das Rad hatte er in Nottuln gestohlen. Die Polizei fand es am Busbahnhof in Senden, wo sie ihn am Donnerstagnachmittag festnahm.

Wie er von Bergkamen ins Münsterland gelangte und wann er sich aus Bergkamen absetzte, ist noch nicht bekannt geworden.

Beschuldigter in Dortmund in Untersuchungshaft

Der 24-Jährige wurde noch am Donnerstagabend nach Dortmund überstellt, wo ihm der bereits bestehende Haftbefehl vom zuständigen Haftrichter verlesen wurde. Zurzeit sitzt er in Untersuchungshaft, bis das Verfahren beginnt.

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