Verfahren um Beziehungsstreit eingestellt

dzGericht

Eigentlich sah es so aus, als würde ein 25-jähriger wegen Körperverletzung Vorbestrafter verurteilt, weil er seine Freundin geschlagen hat. Doch der Richter kam zu einem anderen Ergebnis.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 12.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Bergkamen Aus Angst vor dem Angeklagten hatte eine Zeugin am Mittwoch im Amtsgericht Kamen Schutz bei den Wachtmeistern gesucht. Im Prozess ging es um Körperverletzung und versuchte Nötigung. Nach einem Jahr Beziehung geriet das ehemalige Paar am 20. April in einen heftigen Streit. Der 25-jährige Angeklagte gab zu, der Frau vor deren Wohnhaus in Bergkamen eine Backpfeife verpasst zu haben. Die Geschädigte habe versucht, ihn am Gehen zu hindern und ihn am Arm festgehalten. Schließlich seien sie in die Wohnung der Frau gegangen. Dort hätten sie weiter gestritten. Dabei habe ihn die 21-Jährige mit ihren künstlichen Fingernägeln den Hals zerkratzt. Laut Vorwurf hatte der Angeklagte die Frau in den Unterleib getreten und geschlagen. Das stritt der Bergkamener ab. Er erklärte, die Geschädigte habe ihn nicht gehen lassen wollen, woraufhin er sie von sich fern gehalten habe.

Weinende Zeugin

Die Frau betrat in Begleitung eines Wachtmeisters und ihrer Anwältin den Saal. Nach ein paar Worten ihrer Aussage fing sie an zu weinen. Sie gab an, dem Angeklagten ständig Geld gegeben zu haben. Am Tattag habe sie von ihm wissen wollen, wofür er es ausgegeben hatte. „Ich hatte das Gefühl, er betrügt mich“, erklärte die sehr in den 25-Jährigen verliebte Frau. An einen Schlag draußen könnte sie sich nicht erinnern. In der Wohnung habe sie ihn am Hals umarmt und ihn dabei mit den Nägeln gekratzt. Als der Bergkamener das im Spiegel gesehen habe, habe er ihr mit der flachen Hand einen Schlag ins Gesicht verpasst. Sie sei zu Boden gegangen und mit dem Kopf gegen die Tür gefallen. Dann habe sie sich am Bein des Mannes festgeklammert, damit er die Wohnung nicht verlassen konnte: „Wie ein Hund habe ich ihn angebettelt, nicht zu gehen.“ Dann habe sie Tritte und Schläge an den Kopf und gegen den Unterleib gespürt. Im Krankenhaus habe der Bergkamener ihr gedroht, sie an seine Cousins, die zu den Hells Angels gehörten, zu verkaufen, wenn sie nicht die Anzeige zurückziehe und die Stadt verlasse. Sie sei daraufhin in ein Frauenhaus gegangen und habe eine einstweilige Verfügung erwirkt, nach der sich der Angeklagte ihr nicht mehr als 20 Meter nähern durfte. Doch sie habe weiter den Kontakt zu dem Mann gesucht: „Ich habe diesen Jungen so sehr geliebt.“

600 Euro Schmerzensgeld

Der Richter sprach ganz offen: Vor der Verhandlung sei er aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen, die Frau sei das Opfer und der Angeklagte müsste wegen Körperverletzungsvorstrafen zu einer Haftstrafe verurteilt werden. Doch sein Bild habe sich verändert. Die Frau habe ihn am Gehen hindern wollen und ihn von sich aus kontaktiert. Und so stellte der Vorsitzende das Verfahren vorläufig gegen eine Zahlung von 600 Euro Schmerzensgeld an die 21-Jährige ein.

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