Vater und Sohn schlagen Freund der Tochter

Gefährliche Körperverletzung

Es war ein Prozess, der dem Richter im Amtsgericht Kamen sehr nahe ging. Im Mittelpunkt eine türkische Familie aus Bergkamen, die der Tochter den Umgang mit ihrem Freund unterbinden wollte.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 08.11.2018, 10:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vater und Sohn schlagen Freund der Tochter

Vater und Sohn stehen wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vor Gericht. © dpa

Und sie deshalb in die Türkei geschickt hat. „Das war eine erschreckende Verhandlung“, fasste der Vorsitzende die hinter ihm liegenden knapp zwei Stunden zusammen. Er hoffe, dem Mädchen gehe es gut.

Auf der Anklagebank saßen zwei Männer – Vater und Sohn. Ihnen wurde gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Sohn am 29. Januar den Freund seiner 17-Jährigen Schwester auf der Straße gesehen und ihm sofort zwei Faustschläge an den Kopf verpasst. Dann kam der Vater dazu und beleidigte den Freund als Hurensohn. Schließlich hatte sich der 51-Jährige einen Ast geschnappt und war hinter dem fliehenden 19-Jährigen hergelaufen. Vater und Sohn holten den Geschädigten ein und schlugen ihn nach Überzeugung des Gerichts gemeinsam zusammen.

Bevor es im Gericht zu den Einlassungen der Angeklagten kam, ergriff der Verteidiger des Sohnes das Wort und schilderte, wie es zu den Geschehnissen vom 29. Januar gekommen war. Die Familie der Angeklagten gehe davon aus, dass der Freund der 17-Jährigen der PKK angehöre. Da das gefährlich sei, hätten Eltern und Geschwister versucht, die Beziehung zu verbieten. Trotzdem hatte sich die Frau immer wieder mit dem Geschädigten getroffen.

Hinter Verkehrsschild geduckt

Am Tattag, so der 27 Jahre alte Sohn, habe er den Freund seiner Schwester vom Fenster aus vor dem Haus stehen sehen. Er sei sofort runter und habe ihn aufgefordert, zu gehen. Dann habe er seinen Vater angerufen. Der habe ihn angewiesen, die Polizei zu alarmieren, um die Personalien des Freundes festzustellen. Der Vater sei kurz darauf dazu gekommen. Als der Freund habe fliehen wollen, seien sie hinter ihm her, so der Sohn. Bei der Flucht sei der Geschädigte gegen ein Verkehrsschild gelaufen, weshalb er hinterher Verletzungen im Gesicht hatte. Nachdem der Freund gestürzt sei, sei es zu einer Rangelei gekommen. Dabei habe der Sohn ihm einen Schlag verpasst. Sein Vater habe gar nichts gemacht. Der 51-Jährige stimmte dem zu: „Beleidigung sowieso nicht und geschlagen auch nicht.“

Der Geschädigte gab hingegen im Zeugenstand an, der Sohn habe ihn zuerst mit der Faust an den Kopf geschlagen. Der Vater habe ihn als Hurensohn betitelt und beide hätten ihn später gemeinsam geschlagen und ihn an den Haaren am Boden gehalten, bis die Polizei gekommen sei. Er habe sich gefühlt wie ein Tier. Gegen das Schild sei er nicht gelaufen. Vielmehr habe er sich dahinter gehockt, um Schutz zu suchen.

Ein Polizist gab dazu an, der Geschädigte habe zitternd am Boden gekauert und sei festgehalten worden. Beide Angeklagten brachten keine Vorstrafen mit. Der Richter verurteilte den Vater schließlich wegen Beleidigung zu 2000 Euro Geldstrafe. Da Vater und Sohn das Opfer später gemeinschaftlich geschlagen hatten, war eine gefährliche Körperverletzung verwirklicht. Dafür bekamen der Vater zwölf und der Sohn zehn Monate Haft auf Bewährung. Der Vater muss als Auflage 1000 Euro an den Geschädigten, der eine Platzwunde an der Lippe und diverse Prellungen am Kopf davon getragen hatte, zahlen. Der Sohn kassierte zudem wegen der ersten Faustschläge und wegen Freiheitsberaubung durch das Festhalten des Opfers 3850 Euro Geldstrafe. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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