Vater schlägt seine erwachsene Tochter mit Schuhanzieher aus Metall: Haftstrafe

dzAmtsgericht

Mit Gewalt wollte ein Vater verhindern, dass seine volljährige Tochter Kontakt zu Jungs pflegt. Die 19-Jährige wehrte sich juristisch, was den vorbestraften Mann jetzt die Freiheit kostet.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 08.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich seine 19-Jährige Tochter für Jungs interessiert, passt einem Vater aus Bergkamen gar nicht. Bereits im Oktober vergangenen Jahres war er brutal auf das Mädchen losgegangen. Am 3. März wiederholte er das Verhalten. Dieses Mal ließ der Teenager die Misshandlung aber nicht einfach über sich ergehen.

Stattdessen erstattete die junge Frau Anzeige bei der Polizei. Der 48-Jährige landete im Amtsgericht Kamen. Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf.

In der Verhandlung gab der Mann an, nur aus Reflex mit einem Schuhanzieher aus Metall zugeschlagen zu haben, weil ihm seine Tochter in den Bauch getreten habe, nachdem sie erst nachts nach Hause gekommen sei.

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Der Richter glaubt dem Angeklagten nicht

Warum er denn einen Schuhanzieher in der Hand hatte, wollte der Richter wissen. Bei der Antwort druckste der Angeklagte herum: Das Teil habe im Flur vor dem Zimmer der Geschädigten gelegen und sei irgendwie in seine Hand geraten. Er habe das Schlaggerät extra geholt, erklärte die Tochter im Zeugenstand. Am Tattag habe sie ihr Vater wutentbrannt von ihren, auch männlichen, Freunden weggeholt.

Zu Hause habe er sie zunächst mit bloßen Händen geschlagen. Als sie versucht habe, ihn mit den Füßen von sich fern zu halten, sei er in den Flur gegangen und habe gezielt den schweren Schuhanzieher geholt. Damit habe er immer wieder auf ihre Beine eingeschlagen. Auch, wenn die Hiebe sehr schmerzhaft waren, hatte eine Jeans schlimmere Verletzungen verhindert.

Nach dem Vorfall habe sie drei Wochen woanders gewohnt, sei ihrer Mutter zu Liebe wieder zurückgekehrt. Der Angeklagte habe sie seither nicht mehr angerührt. Ihr Vater wolle nicht, dass sie Kontakt zu Jungs hat, erklärte die Schülerin. „Ich habe nichts weiter gemacht, als sie vor dem Bösen außerhalb des Hauses zu beschützen“, versuchte der Bergkamener sein Verhalten zu rechtfertigen.

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Der Vater hat fünf Vorstrafen und steht unter Bewährung

Fünf Vorstrafen und eine laufende Bewährung zur Tatzeit veranlassten den Richter schließlich dazu, den Mann zu sieben Monaten Haft zu verurteilen. Er glaubte der Geschädigten. „Sie können die Freiheitsrechte Ihrer Tochter nicht so beschneiden, wie Sie möchten“, erklärte der Vorsitzende.

Der Angeklagte konnte die Entscheidung nicht fassen. Wenn er ins Gefängnis müsse, werde er sich aufhängen oder gegen einen Baum fahren. Das könne er nicht verhindern, reagierte der Richter trocken und drohte damit, die Wachtmeister zu rufen, wenn der Angeklagte nicht sofort den Sitzungssaal verließe. Der 49-Jährige ging daraufhin mit finsterem Blick zum Vorsitzenden.

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