Wenn es um die Rückkehr der Bewohner der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße geht, ziehen allen an einem Strang. Sollte mann meinen. Im Kreishaus hat aber der Urlaub Priorität.

Bergkamen

, 24.07.2019, 14:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Brandschutzgutachter Thomas Albrecht hat seinen Vorschlag zur Brandschutzsanierung der beiden geräumten Häuser Töddinghauser Straße 135 und 137 schriftlich im Rathaus vorgelegt. Die Stadt habe auch zugesagt, ihn mit höchster Priorität zu prüfen, berichtet Albrecht. Das sehen aber offenbar nicht alle beteiligten Behörden so. Auch die Brandschutzstelle des Kreises Unna muss sich mit dem Gutachten befassen. Aber da bleibt das Papier erst einmal liegen. Die Pressesprecherin der Kreisverwaltung Unna bestätigte auf Nachfrage: „Die Brandschutzstelle ist mit einer Person besetzt und die ist zur Zeit im Urlaub.“

Urlaub im Kreishaus verzögert das Gutachten über die geräumten Häuser

Die Eigentümer der Wohnungen in den Häusern haben ihre Interessensvertetung in neue Hände gelegt. © Stefan Milk


Keine Vertretung beim Brandschutz im Kreis

Deshalb könne sich im Kreishaus derzeit niemand um Albrechts Stellungnahme kümmern. Dass die Bewohner der geräumten Häuser dringend auf die Rückkehr in ihre Wohnungen warten, weil sie seit Mai bei Verwandten, Freunden oder Notunterkünften mehr recht als schlecht untergekommen sind, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Es gebe eben Bereiche in der Kreisverwaltung, in der keine Reserve vorhanden sei, sagte Rauert: „Und auch Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben Anspruch auf Urlaub.“ Wenn der Brandschutzbeauftragte aus den Ferien zurück sei, werde er sich das Gutachten anschauen, sagte die Pressesprecherin. Ohnehin sei die Stadt Bergkamen die federführende Behörde.


Rückkehr könnte sich verzögern

Die hatte am 15. Mai die beiden Häuser an der Töddinghauser Straße 135 und 137, in denen rund 100 Menschen wohnen, wegen akuter Brandschutzmängel für unbewohnbar erklärt und räumen lassen. Gutachter Albrecht hatte sich noch in der vergangenen Woche nach einem Gespräch mit Vertretern verschiedener Behörden im Bergkamener Rathaus optimistisch geäußert, dass die Bewohner in absehbarer Zeit zurückkehren könnten und von einem „Fünkchen Hoffnung“ gesprochen. Durch die Untätigkeit beim Kreis komme es jetzt zu Verzögerungen, sagte Albrecht.

Urlaub im Kreishaus verzögert das Gutachten über die geräumten Häuser

Auch wenn es eine einvernehmliche Lösung für die Rückkehr der Bewohner gibt, wird die Räumung wohl ein juristisches Nachspiel haben. © Stefan Milk


Eigentümer wählen neuen Hausverwalter

Er spricht inzwischen ganz offiziell für die Eigentümer der Wohnungen in den geräumten Häusern, die viele von ihnen selbst bewohnen. Sie haben ihre Interessensvertretung in neue Hände gelegt: Bei einer Versammlung am Dienstagabend stimmten sie dafür, dass mit sofortiger Wirkung die Immowert 24 GmbH aus Lünen die Verwaltung der Immobilien übernimmt. Zudem sollen Albrecht sowie der Anwalt Andrè Picker aus Witten künftig öffentlich für die Eigentümer sprechen. Zuvor hatte der bisherige Hausverwalter André Beckschulte aus Unna seinen Vertrag gekündigt – fristlos. Er habe noch zu der Versammlung am Montag eingeladen und den Eigentümern dann schriftlich mitgeteilt, warum er seine Aufgabe niederlege, sagte Beckschulte auf Anfrage.

81 Prozent der Eigentümer bei der Versammlung

Offenkundig war auf beiden Seiten kein Vertrauen mehr vorhanden. Den neuen Interessensvertretern hingegen scheinen die Eigentümer zu vertrauen. Nach Angaben von Albrecht waren bei der Versammlung im Elisabeth-Haus 81 Prozent von ihnen vertreten: „So viele wie noch nie.“ Bei der Abstimmung habe es lediglich eine Enthaltung gegeben. Der neue Verwalter hat zumindest eine räumliche Nähe zu den geräumten Häusern. Jörg Berchem von der Immowelt 24 GmbH wohnt in Bergkamen. In Kürze will er mit seinem Büro von Lünen an die Präsidentenstraße umziehen. „Das hat aber nichts mit dem neuen Auftrag zu tun“, sagte Berchem. Er warte jetzt darauf, die Unterlagen über die Häuser an der Töddinghauser Straße vom bisherigen Verwalter zu bekommen.

Gutachter stellt Notwendigkeit der Räumung in Frage

Albrecht hatte bei der Eigentümerversammlung sein Gutachten vorgestellt. Konkrete Angaben zu den Inhalten wollte er öffentlich aber nicht machen. Bei der Versammlung im Elisabeth-Haus sei aber auch der Unmut von Eigentümern über das Vorgehen der Stadtverwaltung laut geworden, berichtete Albrecht. Er ist offenbar immer noch der Ansicht, dass die vollständige Räumung des Hauses nicht notwendig gewesen sei. Allerdings könnten die Eigentümer inzwischen nicht mehr juristisch gegen die entsprechende Ordnungsverfügung vorgehen, sagte Albrecht.

Eigentümer werden wohl klagen

Rechtsanwalt Pickert sieht allerdings die Möglichkeit, eine Nichtigkeitsklage gegen die Verfügung der Stadt zu erheben. Diese Möglichkeit prüfe er zurzeit, sagte er. Allerdings zieht auch der Jurist es vor, eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt zu finden, damit die Bewohner möglichst bald zurückkehren können. Doch auch wenn das geschehen ist, bleibt dem Anwalt wohl noch Arbeit: Vermutlich werden die Eigentümer klagen, um zu klären, wer die Haftung für die Brandschutzmängel übernehmen muss

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