Unfallflucht kostet den Führerschein

dzGericht

Weil er die Vorfahrt missachtete, hat ein 75-Jähriger am 11. Mai nahe der Kamer Heide einen Unfall verursacht. Er fuhr weg, weil er sich unschuldig fühlte. Das Gericht sah das anders.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 07.11.2018, 14:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Unfallgegner habe ihm erlaubt, sich zu entfernen, hielt der Angeklagte im Verfahren am Mittwoch im Amtsgericht dagegen. Wäre das die Wahrheit, hätte der Bergkamener sich nicht strafbar gemacht. Der Rentner gab an, ein Auto von rechts vorbeigelassen zu haben. Als dann als zweites Fahrzeug das Auto des Unfallgegners fast an ihm vorbei gewesen sei, habe es plötzlich geknallt. Er sei aber die ganze Zeit stehen geblieben, erklärte der Angeklagte. Nach dem Zusammenstoß seien sowohl er als auch der Unfallgegner ausgestiegen. „Wir haben beide geguckt, aber keinen Schaden gesehen“, so der 75-Jährige. Die Beifahrerin des anderen Autos habe Fotos vom Nummernschild des Rentners gemacht. Dann habe der Unfallgegner zum Angeklagten gesagt, er könnte jetzt ruhig wegfahren. Weder von Polizei, noch von Versicherung sei die Rede gewesen, so der 75-Jährige.

Dem widersprach der Unfallgegner, der am Mittwoch als Zeuge auftrat. Der Angeklagte sei zu früh angefahren. Dann habe er behauptet, dass er den Unfall nicht verursacht habe. Er habe die ganze Zeit gesagt: „Ich will nach Hause.“ Der 75-Jährige habe ihm weder seine Daten gegeben, noch die Polizei dazu holen wollen. Er sei schließlich davon gefahren. Der Unfallgegner und seine Beifahrerin seien auf dem Weg zu einer Beerdigung gewesen. Danach seien sie zur Polizei gefahren.

Angeklagter empört

Die Aussage des Zeugen empörte den Angeklagten sehr: „Er soll doch bitte die Wahrheit sagen.“ Eintragungen im Vorstrafenregister hat der Bergkamener nicht und auch keine Punkte in Flensburg. Beides positiv für den Mann. Glauben bezüglich seiner Aussage schenkte der Richter dem Rentner allerdings nicht. 750 Euro Geldstrafe wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort und zusätzlich 35 Euro Geldbuße wegen fahrlässiger Schädigung eines anderen Verkehrsteilnehmers, lautete letztlich das Urteil. Zudem verhängte der Vorsitzende ein zweimonatiges Fahrverbot.

Zu diesem Punkt gab der Richter dem 75-Jährigen noch einen guten Rat mit auf den Weg: Von der Rechtskraft des Urteils an – ohne Einlegen von Berufung oder Revision in einer Woche – habe der Angeklagte einen Monat Zeit, seinen Führerschein abzugeben. Von da an laufen die zwei Monate. Gibt er seinen Führerschein nicht ab, gilt das Fahrverbot automatisch mit Ablauf von einem Monat nach Rechtskraft und endet erst, wenn der Rentner die zwei Monate seinen Schein abgegeben hat. Auf diese Weise können aus den zwei Monaten Fahrverbot schnell einige mehr werden.

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