Bergkamener und Besucher der Stadt sollen nicht mehr auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sein. Der Busbahnhof soll zum „Mobilitätszentrum“ mit einem vielfältigen Angebot von Verkehrsmitteln werden.

Bergkamen

, 28.08.2019, 15:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn ein Besucher in einigen Jahren umweltfreundlich mit dem Bus nach Bergkamen kommt, dann soll er die Wahl haben: Er kann auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen und sich je nach Bedarf – oder auch nach Lust und Laune – das Verkehrsmittel aussuchen, mit dem er zu seinem endgültigen Ziel kommen möchte. Bei gutem Wetter und einer kürzeren Strecke könnte er beispielsweise den E-Scoooter nehmen oder wenn er sich noch etwas bewegen will ein Pedelec, ein Fahrrad mit elektronischer Unterstützung.

Umweltfreundlich mobil mit Auto, Bus und Fahrrad am Busbahnhof

Am Busbahnhof soll es auch ein Car-Sharing-Angebot geben. Den Platz für eine größere Fahrzeugflotte muss die Stadt aber erst noch finden. © dpa

Car-Sharing am Rathaus

Für alle, die bei schlechtem Wetter doch lieber ein Dach über dem Kopf haben wollen, die gemeinsam fahren oder etwas größeres zu transportieren haben, soll es umweltfreundliche Elektroautos eines Car-Sharing-Unternehmens am Busbahnhof geben. Selbstverständlich könnten auch Bergkamener, die eine kleine oder größere Strecke zurückzulegen haben, dieses Angebots bedienen.

Diese Pläne sind Teil des Mobilitätskonzeptes, das die Stadt in ihrem Klimaschutzkonzept vorsieht. Das Umsteigen vom eigenen Auto auf den Bus und andere umweltfreundliche Verkehrsmittel, die nicht angeschafft, sondern geliehen werden, soll die Umwelt und den Geldbeutel schonen. Ob es dabei bei Elektroautos, E-Bikes und E-Scootern bleibt, steht noch nicht fest. „Wir wollen sehen, was noch weiter unter dem Stichwort Elektromobilität geht“, sagt der Bergkamener Planungsamtsleiter Thomas Reichling.

Busbahnhof ist ein ungewöhnlicher Standort

Neu sind diese Ideen nicht, sagt Reichling. Ungewöhnlich ist nur, dass Bergkamen sie an einem Busbahnhof umsetzen will. Der Kreis Unna beispielsweise hat zusammen mit der VKU das Projekt „FUN – Flexibel Unterwegs im Kreis Unna“ ins Leben gerufen, das den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), den Pkw und die sogenannte „Nahmobilität“ stärker miteinander verknüpfen will. Dabei gibt es ähnliche Ideen für Angebote an Verkehrsknotenpunkten. Der Kreis hat dafür aber eher die Bahnhöfe mit vielen Fahrgästen ins Visier genommen, wie in Unna, Kamen oder Lünen.

„Einen Bahnhof aber haben wir in Bergkamen bisher nicht“, erklärt der Planungsamtsleiter. Dafür ist der Busbahnhof am Rathaus aber der größte Knotenpunkt für den Busverkehr im Kreis. Er bietet sich deshalb nach Ansicht der Stadt an, auch ein solches Projekt zu verwirklichen.

Umweltfreundlich mobil mit Auto, Bus und Fahrrad am Busbahnhof

Die Fahrradstation soll zum Ankerpunkt für den Verleih von Elektrofahrrädern und Elektrorollern, sogenannten E-Scootern werden. © Stefan Milk

Taxistand und Radstation sind erste Ansätze

Erste Ansatzpunkte für eine Mobilstation gibt es nach Reichlings Ansicht am Busbahnhof bereits. Schon jetzt gibt es zumindest die Möglichkeit, am Taxistand auf dem Gelände vom Bus ins Taxi umzusteigen. Hinzu kommt, dass es bereits seit einigen Jahren eine überdachte Fahrradstation am Rathaus gibt, die sogar eine Ladestation für E-Bikes bietet. Sie könnte zumindest als Basis für den späteren Verleih von Pedelecs und E-Scootern dienen. Für E-Autos gibt es immerhin auch schon eine Ladestation am Rathaus-Kreisel.

Zu einer Mobilstation sollte nach den gängigen Konzepten auch ein gewisses gastronomisches Angebot gehören. Das ist, zusätzlich zum Kiosk an den Busbahnsteigen, gerade dabei, zu entstehen: Im „Stadtfenster“ der UKBS auf der anderen Straßenseite soll eine Bäckerei mit Café einziehen. Dort sind am geplanten Beratungsbüro der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) auch weitere Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes geplant.

Umweltfreundlich mobil mit Auto, Bus und Fahrrad am Busbahnhof

Leih-Elektroroller und Räder mit elektrischer Unterstützung soll es vor allem für die kürzeren Strecken geben. © dpa

Noch fehlt Platz für alle Angebote

Der einzige Faktor, der die Pläne der Stadt etwas bremsen könnte, ist der Platz. „Wir haben zum Beispiel keinen Platz viele Autos für das Car-Sharing unterzubringen“, erklärt er. Von der Möglichkeit, dafür den Parkplatz der Stadtverwaltung auf dem oberen Kaufland-Deck zu nutzen, hält er wenig. Die Angebote sollten einen unmittelbaren Bezug zum Busbahnhof haben – und dafür sei das Parkdeck zu weit entfernt. Wer mit dem Bus kommt, soll das Mobilitätsangebot möglichst auf den ersten Blick sehen und nicht erst danach suchen müssen.

Berücksichtigung bei Um- oder Neubau des Rathauses

Deshalb sollen die Pläne für eine Mobilstation auch beim geplanten Um- oder Neubau des Bergkamener Rathauses berücksichtigt werden. Möglicherweise gebe es dabei eine Möglichkeit, mehr Platz am Busbahnhof zu schaffen, meint der Planungsamtsleiter. Als eine weitere Möglichkeit sieht er, städtische Dienstfahrzeuge nach Feierabend und am Wochenende als Leihfahrzeuge zur Verfügung zu stellen.

In welchem Zeitraum die Stadt ihre Pläne für das Mobilitätszentrum verwirklichen will, steht noch nicht fest. Der neue Umweltbeauftragte der Stadt, Norman Raupach, sei zurzeit dabei einen Zeitplan für die Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept zu erstellen. Er soll ihn der wahrscheinlich in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Verkehr vorgestellt werden.

Weitere Maßnahmen

Kleine Mobilstationen und ein Bahnhof für Bergkamen

  • Umsteigemöglichkeiten von einem auf ein anderes Verkehrsmittel soll es nicht nur am Busbahnhof geben.
  • Auch die kleineren Haltestellen mit Umsteigemöglichkeit sollen zum Teil zu kleineren Mobilstationen ausgebaut werden, an denen es zum Beispiel einige Leih-Pedelecs und E-Scooter gibt.
  • Zum Mobilitätskonzept im Klimaschutzprogramm gehören außerdem der Ausbau von schnellen Radwegeverbindungen, die Verbesserung des Busangebots und der Anschluss von Bergkamen an den Bahnverkehr.
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