Über 70 Grad im Grillwagen: Die Markthändler in Bergkamen halten tapfer durch

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Auch bei fast 40 Grad findet der Markt in Bergkamen statt. Die Markthändler zeigen sich tapfer und haben trotz Hitze gute Laune. Doch an einem Stand ist es besonders schwer auszuhalten.

Bergkamen

, 25.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Hält man beim Rausholen der Pizza seinen Kopf zu nah an den Backofen, kommt einem eine unangenehme Hitzewelle entgegen. Genau das gleiche Gefühl hat man, wenn man sich zu weit in den Hähnchen-Wagen von Saado Jihad lehnt. „Ich schätze, hier drin sind es 70 oder 80 Grad“, sagt er. Ihm und seinem Kollegen stehen die Schweißperlen auf der Stirn, die Köpfe sind errötet. Doch sie haben keine Wahl. „Wir brauchen das Geld, wir müssen arbeiten.“ Noch nie habe er bei einer Außentemperatur von 40 Grad gearbeitet, dabei ist er schon zehn Jahre im Geschäft. Und doch hat er ein Lächeln auf den Lippen. „Noch geht es uns gut“, vermeldet er gegen zehn Uhr. Ventilatoren machen in dem Grillwagen wenig Sinn. Es würde nur warme Luft aufgewirbelt und die Brenner würden bei Wind nicht funktionieren.

Über 70 Grad im Grillwagen: Die Markthändler in Bergkamen halten tapfer durch

Sylvia Schäfers verkauft seit fast 40 Jahren Garn, Reißverschlüsse und mehr. Sie muss die Lampen, die Wärme abgeben, anlassen, damit man die Farben der Ware gut erkennt. © Pott

In den Ferien ist auf dem Markt in Bergkamen immer etwas weniger los

Auch die anderen Markthändler halten ohne Ventilatoren durch. Der Marktplatz ist zwar leerer als sonst, aber das liegt an den Sommerferien, weiß Sylvia Schäfers. Sie ist von Anfang an dabei und hat nächstes Jahr ihr 40. Jubiläum. Sie verkauft Nähutensilien, macht den größten Umsatz aber mit der Reparatur von Reißverschlüssen. Schäfers steht gleich am Anfang vom Markt, noch ist es dort schattig, aber gegen Mittag wird die Sonne in ihren Wagen scheinen. Sie ist luftig gekleidet und trinkt viel – mehr Vorbereitung geht nicht. Auch Ursula Maurischat ist eine „alte Marktfrau“. Seit 38 Jahren bietet sie Reibeplätzchen auf dem Markt an. Auch in der Fußgängerzone und in Oberaden auf dem Museumsplatz kennt man sie. Im Winter wärmt ihr Grill, in diesen Tagen ist es ordentlich heiß in ihrem kleinen Wagen. „Es ist schon hart, aber da müssen wir durch“, sagt Maurischat tapfer. Sie hat alle Türen geöffnet, damit wenigstens ein kleines Lüftchen durch ihren Wagen weht.

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Ümüt Kirsi verkauft besonders viele Wassermelonen und Weintrauben. Er lacht und freut sich auf seinen Feierabend. Dann geht es ins Freibad. © Pott

Wassermelonen verkaufen sich gut – Gemüse weniger

Türen öffnen müssen die Obst- und Gemüseverkäufer nicht. Sie bieten ihre Ware auf langen Tischen im Schatten an. Und doch schwitzen sie. „Ich gehe gleich ins Schwimmbad“, sagt Ümüt Kirsi, der Wassermelone nach Wassermelone über die Theke reicht. Obst und Früchte mit hohem Wassergehalt laufen bei der Hitze am besten. Gemüse hingegen kaum. „Ich habe nur drei Viertel von der üblichen Menge dabei“, sagt Kirsi. Denn lange bleibt das Obst bei der Hitze nicht frisch. Auch Abdullah Öztürk am Stand nebenan hat am Donnerstag weniger Backwaren dabei. Brötchen würden sich zwar recht gut verkaufen, aber Schokoladiges schmilzt in seinem Stand vor sich hin – genau wie Öztürk selbst. „Ich will schnell nach Hause.“

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Abdullah Öztürk schwitzt. Da ist er am Donnerstag nicht der einzige. © Pott

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Eiskaffee und kalte Getränken bedeuten mehr Arbeit

Während die einen weniger Ware mitbringen, liegt für Eva Hoffmann und Marlene Plauk vom Markt Café mehr Arbeit an als üblich. Sie verkaufen Kaffee, Getränke und Waffeln. Die Getränke müssen bei der Hitze vorgekühlt werden, der kleine Gefrierschrank im Wagen, schafft es nicht alleine. „Wir schleppen hin und her“, sagt Eva Hoffmann. Aus dem Getränkemarkt wandern die Flaschen ins heiße Autos, dann ins Kühlhaus und dann mit Kühlakkus zum Markt. Wenn es warm ist, bieten Mutter und Tochter außerdem Eiskaffee an. Auch der will vorgekocht und gekühlt werden. Doch auch sie sind trotz zusätzlicher Arbeit und Hitze gut drauf. Die Temperaturen haben sogar Vorteile: „Wir müssen die Kaffeetassen nicht vorwärmen und die Waffeln werden nicht so schnell kalt.“

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Wenn es warm ist, bieten Marlene Plauk (links) und Tocher Eva Hoffmann auch Eiskaffee in ihrem Markt Café an. Der muss allerdings am Vortag gekocht und gekühlt werden. © Pott

Besucher kommen zum Bummeln auf den Markt

Den Besuchern macht die Hitze indes wenig aus. „Es ist mein erster Urlaubstag und den möchte ich draußen verbringen“, sagt Elgin Busch, die mit einem Sonnenhut gewappnet über den Markt schlendert. Und auch die Freundinnen Maria Kaluza und Silke Janiak wissen, wie man richtig mit der Hitze umgeht. Sie haben sich schon früh auf den Weg in die Innenstadt gemacht. „Und auf dem Weg gibt es dank Wälder und Platanen viel Schatten. Das ist das schöne an Bergkamen“, sagt Kaluza.

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Ursula Maurischat verkauft seit vielen Jahren Reibekuchen und Gegrilltes auf dem Markt in Bergkamen. Über die Hitze sagt sie: „Da müssen wir durch!“ © Pott

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Fatma Kücük verkauft Stoffe auf dem Markt in Bergkamen. Sie hat Glück mit ihrem Platz weiter unten. Dort gibt es am Vormittag mehr Schatten als oben. © Pott

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