Über 100 Bergkamener Netto-Gegner treffen sich zum Steinkauz-Gucken

dzNatur in Bergkamen

Der Bau eines Netto-Marktes auf einer Streuobstwiese in Weddinghofen ist umstritten. Wie schön dort die Natur ist, haben sich jetzt über 100 Gegner gemeinsam angesehen. Sie wollen hartnäckig bleiben.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 25.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schlichtweg überwältigt waren die Initiatoren von der starken Teilnehmer-Resonanz, die sie am Freitagabend mit der ersten Bergkamener „Steinkauz-Beobachtung“ ausgelöst hatten. „Mit fünfzig Leuten hatte ich ja gerechnet, aber dass es gleich so viel werden, verschlägt mir glatt die Sprache“, begeisterte sich Adrian Mork, Experte für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der Bezirksregierung Arnsberg, der bei über 100 aufgehört hatte, die Teilnehmer zu zählen.

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Ziel dieser „Steinkauz-Beobachtung“ war es allerdings nicht nur, auf die existenzbedrohliche Lebenssituation derjenigen Steinkauz-Familie hinzuweisen, die in einer Nisthöhle auf den Streuobstwiesen neben dem Wellenbad wohnt. Im Fokus steht ebenfalls der sich erneut anbahnende „Flächenfraß auf der grünen Wiese“.

12000 Quadratmeter Natur gingen mit dem Netto-Bau in Weddinghofen verloren

Denn durch den geplanten Umzug des Weddinghofer Netto-Marktes auf die bislang nur von den Kühen des Biobauers Friedrich Ostendorff genutzte Weide würden mit einem Schlag 12000 Quadratmeter Natur verloren gehen, berichtete Adrian Mork, der die Steinkauz-Beobachter zugleich mit seinem umfangreichen Fachwissen versorgte.

In coronakonformem Abstand lauschten die Netto-Gegner Adrian Mork, Experte für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der Bezirksregierung Arnsberg. Er versorgte die Steinkauz-Beobachter mit umfangreichem Fachwissen über die Tiere.

In coronakonformem Abstand lauschten die Netto-Gegner Adrian Mork, Experte für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der Bezirksregierung Arnsberg. Er versorgte die Steinkauz-Beobachter mit umfangreichem Fachwissen über die Tiere. © Klaus-Dieter Hoffmann

Gemeinsam und mit dem notwendigen Corona-Abstand ging es vom Wellenbad-Parkplatz zum Biohof Ostendorff, wo es noch weitere Informationen über die possierliche kleine Eule und ebenso einen herzerwärmenden Film über die hier lebende Steinkauz-Familie mit ihrem inzwischen dreiköpfigen gefiederten Nachwuchs geben sollte.

Der Weg zum Biohof führte vorbei an idyllischen Streuobstwiesen mit sichtbar glücklichen Kühen, die genüsslich das sattgrüne Gras verschlangen und den vorbeiziehenden Menschen-Pulk interessiert beäugten. Spätestens jetzt wurde klar, dass mit der Bebauung dieser Wiese ein weiteres ökologisches Kleinod vernichtet würde.

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Streuobstwiesen in Bergkamen sind so wertvoll wie die Savannen in Afrika

„Ökologisch gesehen sind die Streuobstwiesen sogar extrem wertvoll, so wie die Savannen Afrikas“, erläuterte Adrian Mork. „Denn in dem von den Kühen flachgehaltenen Gras kann sich eine besondere Artenvielfalt entwickeln, wo dann auch kleinere Vögel, wie der Steinkauz, ihre Nahrung finden können.“

„Wir müssen die Stadt Bergkamen endlich in ihre Schranken weisen!“ bekräftigte Klaus Kühnapfel die Absicht seiner Mitstreiter, im Zweifel auch gerichtlich gegen die geplante Bebauung vorzugehen.

Zuspruch bekam dieser unter anderem von Heinz-Dieter Kortenbruck, der den blinden Logistikwahn der Städte verurteilt, die Landschaft mit riesigen Hallen vollzupflastern. „Wem gehört denn die Fläche überhaupt?“, fragte eine Teilnehmerin gereizt. „Der Familie Kamps“, lautete die schlichte Antwort, die wiederum ein vielstimmiges „Oje“ mit reichlich Kopfschütteln auslöste.

Udo Bennemann erklärt eine Nisthilfe für Steinkäuze.

Udo Bennemann erklärt eine Nisthilfe für Steinkäuze. © Klaus-Dieter Hoffmann

Keine Frage, dass bei der nächsten „Beobachtung“ die meisten Teilnehmer wieder dabei sein wollen. „Ich will, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder die gesamte Natur in ihrer Vielfalt noch selbst erleben können!“ zeigte sich Gertrud Scheele entschlossen. Und auch Conny Schröder aus dem Kleingartenverein Krähenwinkel will nicht akzeptieren, dass die Natur den schnöden Profitinteressen Einzelner geopfert wird. So sollten erst mal die Brachflächen wieder aufbereitet werden.

Klaus Kühnapfel und seine Mitstreiter sind ebenfalls fest entschlossen, weiterhin mit vollem Einsatz für die Natur zu kämpfen. „Dafür brauchen wir viele Unterschriften auf den Unterstützerlisten, um einen Bürgerantrag bei der Stadt einzureichen“, erklärte Kühnapfel – um dann am Ende vielleicht auch den Klageweg beschreiten zu können, zumal sich der Standort ja auch noch im städteplanerischen Außenbereich befände.

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