Udo Harder blickt auf 36 Jahre im Jugendamt zurück

dzAmtsleiter im Ruhestand

An seinem letzten vollen Arbeitstag nach 36 Jahren im Jugendamt macht Udo Harder einen zufriedenen Eindruck. Und das nicht nur, weil er sich als Amtsleiter in den Ruhestand verabschiedet.

Bergkamen

, 27.11.2018, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Normalerweise kommt man als Sozialarbeiter nicht so weit“, sagt Harder. Allerdings hat er wohl auch nicht nach dem Chefsessel geschielt, als er im Mai 1982 nach einem Studium der Sozialarbeit in Hagen und seinem Anerkennungsjahr bei der Stadt Kamen seinen Dienst in Bergkamen antrat. Eine typische Sozialarbeiter-Laufbahn hat Harder jedoch auch nicht absolviert. „Direkten Kontakt zu der ,klassischen‘ Jugendamt-Klientel hatte ich selten“, sagt er.

Zunächst arbeitete er im Jugendschutz, 1991 wurde er dann Jugendhilfeplaner. „Beides waren damals neue Arbeitsbereiche im Jugendamt“, berichtet Harder. Für die Jugendhilfeplanung hat er eigens eine Fortbildung beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe absolviert. Der Schwerpunkt der Arbeit lag stets auf der Prävention. „Wir haben zum Beispiel Erzieher und Eltern geschult und auch Beratungslehrer fortgebildet“, schildert er seine damaligen Arbeitsschwerpunkte.

Udo Harder blickt auf 36 Jahre im Jugendamt zurück

Auch die Spielplätze gehörten zum Arbeitsbereich des Jugendhilfeplaners Udo Harder. 2011 stellte zum Beispiel den Anliegern die Umgestaltungspläne für den Eichenplatz vor. © Stefan Milk

Prävention im Mittelpunkt

Und Vorbeugung stand auch im Mittelpunkt, als Harder 2005 die stellvertretende Amtsleitung übernahm und schließlich 2014 die Nachfolge seines Chefs Benno Kriegs antrat. Seit geraumer Zeit verfolgt das Bergkamener Jugendamt den Ansatz, Familien möglichst schon Hilfe zu leisten, bevor unlösbare Probleme entstehen. Das spiegelt sich auch in der Statistik wider, wie Harder berichtet: Die Zahl der ambulanten Familienhilfen habe sich auf zuletzt auf rund 300 pro Jahr vervielfacht. Zugleich sei die Zahl der Heimunterbringungen von Kindern um die Hälfte auf etwa 400 gesunken. Harder sieht das als Erfolg an, und das nicht nur, weil die stationären Unterbringungen besonders teuer sind.

Aber Harder ist auch klar, dass Prävention alleine nicht ausreicht und es immer Fälle gibt und geben wird, in denen das Jugendamt akut eingreifen muss. Und aus Berichten und Gesprächen weiß er, mit welchen Situationen seine Mitarbeiter und Kollegen dabei konfrontiert werden. Die Probleme in den Familien werden größer, hat Harder beobachtet. Das hängt mit der zuweilen schwierigen Sozialstruktur in Bergkamen zusammen und damit, dass die familiären Bindungen immer schwächer werden. „Aber ich glaube, dass wir hier gute Arbeit leisten“, sagt er mit Blick auf sein Amt.

Harder ist auch mit den Rahmenbedingungen zufrieden. „Personal und Geld sind immer die Grenzen, an die wir stoßen“, sagt er. Betont aber auch, dass die Jugendhelfer in Bergkamen echte Gestaltungsmöglichkeiten haben. Das könne man auch daran erkennen, dass es eine hohe personelle Kontinuität gebe: „Die meisten Mitarbeiter werden im Jugendamt alt.“ Und das gilt auch für den nun scheidenden Chef. Zumal sich Harder, auch wenn er von Berufs wegen meist mit den Schattenseiten des familiären Zusammenlebens konfrontiert war, ein positives Menschenbild bewahrt hat: „Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass die Kinder in den meisten Familien ganz normal aufwachsen.“

  • Für die Nachfolge von Udo Harder gibt es nach Angaben von Bürgermeister Roland Schäfer drei interne Bewerbungen aus dem Rathaus.
  • Die Stadt will ihren Personalvorschlag am Donnerstag, 29. November, in einer nichtöffentlichen Sitzung dem Jugendhilfeausschuss vorstellen.
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