Turmarkaden: Investoren setzen ihre Anwälte in Marsch, die Politik fühlt sich getäuscht

dzStreit um Einkaufszentrum

Die Eigentümer des Turmarkaden-Areals sprechen von „Vertrauensbruch“, weil die Politik die Pläne für ein Einkaufszentrum stoppen will. Ratsmitglieder sehen sich von den Investoren getäuscht.

Bergkamen

, 03.06.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das voraussichtliche Abstimmungsergebnis im Hauptausschuss am Montag, 8. Juni, wird den Geschäftsführern Alexander Dold und Peter Dietrich nicht gefallen. Die mit der absoluten Mehrheit ausgestattete SPD und die Grünen sind fest entschlossen, das Verfahren für den Bebauungsplan „Rathausviertel West“ in Gang zu setzen. Damit wollen sie Pläne von Dolds Interra AG und Dietrichs Hilee B GmbH durchkreuzen, auf dem Grundstück der ehemaligen Turmarkaden ein neues Einkaufszentrum zu errichten.

Der Abriss der Turmarkaden in Bergkamen, die jahrelang leer standen, hatte im November vergangenen Jahres begonnen.

Der Abriss der Turmarkaden, die jahrelang leer standen, hatte im November vergangenen Jahres begonnen. © Stefan Milk

Dass die Investoren dagegen Sturm laufen und juristische Schritte androhen, überrascht nicht. „Wir sehen das als Vertrauensbruch an“, sagt Dietrich. Jahrelang hätten die Unternehmen das Vorhaben einvernehmlich mit der Stadtverwaltung vorangetrieben. Und nun, nachdem sie das Grundstück nicht nur gekauft, sondern auch die Turmarkaden-Ruine auf eigene Kosten abgerissen hätten, komme die Kehrtwende.

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Pläne haben sich offenbar massiv geändert

In der Tat war Dold auf breite politische Zustimmung gestoßen, als er im Dezember 2018 das seinerzeit „Bergkamen Galerie“ getaufte Projekt im Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. Die Pläne allerdings, die das Rathaus am 31. März per Bauvoranfrage erreichten, hatten mit dem Präsentierten wohl nicht mehr allzu viel zu tun. „Interra hat uns getäuscht“, sagt der Grüne Fraktionsvorsitzende Jochen Wehmann. „Sie haben uns einen Rolls Royce gezeigt und wollen uns einen Fiat hinstellen.“

So sahen die Entwürfe aus, die die Interra AG vor zwei Jahren präsentierte. Die aktuellen Pläne haben damit offenbar keine allzu große Ähnlichkeit mehr.

So sahen die Entwürfe aus, die die Interra AG vor zwei Jahren präsentierte. Die aktuellen Pläne haben damit offenbar keine allzu große Ähnlichkeit mehr. © 3dpixel

SPD-Fraktionschef Bernd Schäfer drückt sich nicht ganz so drastisch aus, seine Argumentation geht aber in die gleiche Richtung. Hochwertiger Einzelhandel sei nach den vorliegenden Plänen nicht zu erwarten, meint er. Sondern eher das, was es bereits im Nordberg-Center gebe.

Und da offenbar mindestens ein Discounter vom Nordberg an die Töddinghauser Staße umziehen wollte, drohte der Stadt das nächste Leerstandsproblem. SPD und Grüne berufen sich zudem auf das Stadtplanungskonzept „Bergkamen mittendrin“, dessen Autoren das Turmarkaden-Areal lieber mit einem attraktiven Platz ausstatten wollen.

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Die CDU sieht politische Risiken

Die CDU wird wahrscheinlich gegen den Bebauungsplan stimmen. Nicht etwa, weil ihr die Interra-Pläne so gut gefallen. Aber CDU-Fraktionschef Thomas Heinzel hält den Hauptausschuss, der derzeit coronabedingt den Rat ersetzt, für das falsche Gremium für eine so weitreichende Entscheidung.

Außerdem vermisst die CDU Angaben der Stadtverwaltung zum juristischen Risiko. Heinzel fürchtet, dass auf die Stadt hohe Schadensersatzforderung zukommen. Die von Interra und Hilee B GmbH beauftragten Anwälte haben ein mehrseitiges Schreiben ans Rathaus geschickt, das im nichtöffentlichen Teil der Ausschuss-Sitzung bekannt gemacht werden soll.

Falls ein oder mehrere Geschäfte aus dem Nordberg-Center in Bergkamen an die Töddinghauser Straße wechseln würden, hätte die Stadt ein neues Leerstandsproblem.

Falls ein oder mehrere Geschäfte aus dem Nordberg-Center an die Töddinghauser Straße wechseln würden, hätte die Stadt ein neues Leerstandsproblem. © Marcel Drawe

Die Bebauungsplan-Befürworter halten das Prozessrisiko für überschaubar. Dold und Dietrichs berufen sich zwar auf einen städtebaulichen Vertrag mit der Stadt. Aber den haben sie beim Kauf vom Vorbesitzer übernommen, der die Turmarkaden in ein neues Einkaufszentrum namens „Berggalerie“ umbauen wollte. Dafür hatte die Stadt eine Baugenehmigung erteilt. Die allerdings ist mit dem Abriss des Gebäudekomplexes erloschen.

Dold und Dietrich wollen den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Es sei doch besser, ihre Pläne zu verwirklichen, bevor das Grundstück jahrelang brach liege, meint Dold. Darauf aber hat sich die Ratsmehrheit wohl eingestellt: Normalerweise dauert es Jahre, bis ein Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist.

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